Erstellt am 14. Juni 2017, 05:00

von Maria Moll

Die Sängerknaben nahmen Abschied. Mit dem Abschiedskonzert ging im Festsaal des Stiftes Zwettl eine 582-jährige Tradition zu Ende.

Abt Johannes M. Szypulski, Stiftskapellmeister Marco Paolacci und P. Bernhard Prem (vorne, v. l.) luden zum Abschiedskonzert der Sängerknaben. Zum Knabenchor gehörten (2. R., v. r.) Lorenz Schlosser, Arthur Assfall, Leo Steinkellner, Maximilian Bauer, Jannik Pichler, Johannes Höbarth und Lorenz Bauer, nicht abgebildet Cedric Ochsenbichler. Mit im Bild: Alexander Kastner (Trompete), Sepp Koppensteiner (Posaune), Manfred Hofer (Trompete) sowie Finanzstadträtin Andrea Wiesmüller und Schauspieler Michael Welz, Rezitation (3. Reihe, v. r.).  |  Maria Moll

„Schnell kann man etwas abschließen. Dass es wieder auflebt, das dauert länger, aber es ist möglich“, sagte Abt Johannes M. Szypulski in seiner Begrüßung zum Abschiedskonzert der Zwettler Sängerknaben am 11. Juni im Festsaal des Stiftes.

Nur mehr sechs Buben standen auf der Bühne, nachdem zwei durch Stimmwechsel im Laufe des Jahres aus dem Knabenchor ausgeschieden waren. Weil sich abzeichnet, dass im Herbst noch zwei weitere „wechseln“ werden, sieht Stiftskapellmeister Marco Paolacci die Lage als „brenzlig“ an und meint: „Es ist Zeit, etwas Neues zu machen.“

Der Abt erinnerte an den langjährigen Präfekten der Sängerknaben, P. Stefan Holzhauser, der einst voller Stolz festhielt: „Unsere Sängerknaben sind zwei Jahre älter als die Wiener Sängerknaben.“ So geht heuer eine 582-jährige Tradition zu Ende!

Ende kam trotz vollem Einsatz für die Jugend

Abt Johannes erzählte aus der jüngeren Geschichte des Knabenchores, als er von Martin Schebesta, Andrea Weisgrab und zuletzt eben von Marco Paolacci geleitet wurde. „Sie haben alles getan, dass die Jugend kommt.“ Aus der Reihe der Präfekten nannte er P. Ägid Traxler, P. Gregor Bichl und P. Maximilian Krausgruber, „der das Haus verlassen hat“. Zuletzt leistete P. Bernhard Prem vollen Einsatz in der Betreuung der Buben.

Die musikalische Konzerteröffnung geschah instrumental mit Marcia „Für die Arche“ von Carl Philipp Emanuel Bach. Als die Buben dann „Fröhlich klingen unsre Lieder“ sangen, standen ihre ernsten Mienen nicht ganz im Einklang mit dem gesungenen Text. Aber sie konnten durchaus auch anders.

Sehr feierlich in „Heilig ist Gott“ oder „Christ ist erstanden“, beschwingt im „Halleluja Reggae“ und in „O Sole Mio“ sowie recht pfiffig in „Don´t worry, be happy“. Die besonders gut geschulten Stimmen von Lorenz Bauer, Lorenz Schlosser und Johannes Höbarth traten immer wieder mit kleinen Soli hervor, wie in „Singt, ihr Werke des Höchsten“, „Amazing Grace“ und „I´m singing in the rain“. Im Lied „Azzuro“ setzte die Posaune hübsche Akzente.

Drei Blechbläser brachten sich auch gemeinsam mit dem „Dixieland Blues“, dem mexikanischen Volkslied „La Bamba“ und dem besonders schönen „Yorkscher Marsch“ von Ludwig van Beethoven ins Programm ein. Und Michael Welz rezitierte „Die Ballade vom lieben Augustin“, „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Prima Wetter“.

Musiktradition wird weiterbestehen

Nach Dankesworten wurden Urkunden und kleine Geschenke überreicht. Rezitator, Musiker und Sänger gaben dem Konzert einen feierlichen Schluss. Welz trug „Sag beim Abschied leise Servus“ vor, Bläser und Chor präsentierten „Freude schöner Götterfunken“ von Ludwig van Beethoven. Für Standing Ovations wurde mit zwei Zugaben gedankt.

Es gibt zuletzt noch gute Nachrichten. Marco Paolacci wird mit dem Mädchenchor Puellae Clara Vallis und dem Kirchenchor weiterhin feierliche Musik in Stift anbieten. Und 2020 jährt sich der Geburtstag von P. Stefan Holzhauser zum 100. Mal. Aus diesem Anlass soll zu einem feierlichen Treffen der Altsängerknaben im Stift eingeladen werden. Außerdem will der Abt Aktivitäten unterstützen, die neue Ideen zu den Sängerknaben einbringen.