Zwettl

Erstellt am 06. Juli 2016, 05:19

von René Denk

Verein sorgt für Unruhe. Beim Bau der Umfahrung werde Schlacke verwendet, das würde auch die Bierqualität beeinträchtigen.

Wirbel schlägt der Wiener Verein Kolibri wegen der Umfahrung Zwettl: Es soll schwermetallhaltige Schlacke beim Straßenbau eingesetzt werden. Dabei hat das Land vertraglich mit der Baufirma geregelt, dass Schlacke beim Straßenbau nicht eingesetzt wird.  |  René Denk

Mit einem offenen Brief wendete sich der Wiener Verein Kolibri (Verein für Ernährungs- und Umweltbewusstsein) mit Sprecher Pascal Löffler an die Medien und prangerte dabei den Neuentwurf der Recycling-Baustoffverordnung an, der auch Auswirkungen auf den Bau der Zwettl-Umfahrung haben würde.

Schwermetallhaltige „LD-Schlacke“ soll im Straßenbau legalisiert werden und somit könne man „Schlackestraßen“ bauen, die bald „unter Wasser stehen“ und giftige Schadstoffe auswaschen, die über das Grundwasser in die Umwelt verteilt werden.

„60 Prozent des Umfahrungsprojekts Zwettl sind noch nicht realisiert“, heißt es weiter. Da ein Unternehmen, das an der Umfahrung Zwettl mitbaut, auch an der Verarbeitung und Vermarktung von Schlacke beteiligt sei, hätte der Verein Grund zur Annahme, dass zum Bau Schlacke verwendet werde.

Brief ist willkürliche Annahme

„Zwettl hat knapp über 100 Regentage. Zusätzlich überquert die Umfahrung die zwei Flüsse Strahlbach und Zwettl. Die schwermetallhaltige Schlacke wird mit absoluter Wahrscheinlichkeit in den nächsten Überschwemmungen unter Wasser stehen. Schwermetalle gelangen direkt ins Grund- und Trinkwasser, schlussendlich auch ins Zwettler Bier“, so Löffler.

Auf NÖN-Anfrage ist man bei der Gruppe Straße des Landes Niederösterreich mehr als verwundert. „Wir haben bauvertraglich geregelt, dass Schlackenprodukte nicht zum Einsatz kommen und keine Schlacke verwendet werden darf. Die Firma hat das auch nicht vor“, heißt es von Landesseite.

Der Brief, der auch an die Landesregierung übermittelt wurde, sei eine willkürliche Annahme, ohne hier überhaupt Bescheid zu wissen. Die Vermutung liege nahe, dass der Verein nur aufsehen erregen will. „Wenn man hier sachlich die Fakten nicht kennt, dann kann man damit sicher Unruhe erzeugen“, bemüht sich Gruppe Straße um Aufklärung.

Anschuldigungen zurückzunehmen

Die Zwettler Brauerei reagierte prompt auf das rufschädigende Schreiben und übermittelte dem Verein via Anwalt Gerhard Rößler einen Brief. „Mit Ihrer Aussendung zweifeln Sie ohne jegliche ausreichende Grundlage die zukünftige Qualität des Zwettler Biers an.

Sie können leicht feststellen, dass die Wasserquellen in einem Bereich liegen, der von der Umfahrung überhaupt nicht betroffen ist. Schon alleine aufgrund dieses Umstandes ist eine Beeinträchtigung der Wasserqualität vollkommen auszuschließen“, steht im Schreiben.

Weiters wurde der Verein umgehend dazu aufgefordert, die Anschuldigungen zurückzunehmen und von der Homepage sowie Facebook zu löschen, was dem Vernehmen nach schon passiert sein dürfte. 2.660 Personen auf Facebook „gefällt“ übrigens die Kolibri-Vereinsseite.