Erstellt am 22. Oktober 2015, 04:22

von NÖN Redaktion

Verein heißt Flüchtlinge herzlich willkommen. Neuer Verein für Groß Gerungs und Langschlag gegründet. Großes Interesse an regionaler Flüchtlingsinitiative, rund 300 Bürger kamen zur Präsentation.

Die Mitglieder des Vereins »Willkommen Mensch!« in Groß Gerungs-Langschlag: Susanna Hagen, Franz Teszar, Gabriela Schwott, Christl Binder, Günter Bayerl, Thomas Faul, Fritz Haslinger und Tamer Henedy (1. Reihe von links) sowie Hans Häusler, Andreas Rabl, Sabine Ambros, Zora Ben Meddah, Veronika Häusler, Gerhard Fallent, Hermine Leutgeb, Michael Lichtenwallner, Ingrid Penz, Herbert Füxl, Franz Unterwurzacher, Christian Scheidl und Christine Wagner (2. Reihe).  |  NOEN, Foto: K. Prinz
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Festsaal im Gasthaus Hirsch/Traxler in Groß Gerungs. Rund 300 Bürger lauschten der Präsentation des neu gegründeten Vereins „Willkommen Mensch! in Groß Gerungs-Langschlag“.

Der ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzte Verein ist bestrebt, die Integration jener Menschen zu fördern, die aufgrund von Krieg und Gewalt aus ihren Ländern flüchten mussten und in dieser Region gelandet sind. „Unser Verein will sich der Aufgabe stellen, Schutzsuchende willkommen zu heißen, sie zu unterstützen und ihnen unsere Werte zu vermitteln“, meinte Obmann Gerhard Fallent.

Hilfsbereitschaft koordinieren und unterstützen

Der Verein wirbt nicht um Flüchtlinge, vielmehr ginge es darum, die große Hilfsbereitschaft der Groß Gerungser und Langschläger bestmöglich zu koordinieren und zu unterstützen. „Es ist mir bewusst, dass Zuwanderung in dieser Intensität auch Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Wir haben vor Ort keinen Einfluss auf dieses globale Phänomen“, betonte der Obmann.

Des Weiteren stellte Fallent die Teamleiter der Arbeitsbereiche des Vereins vor, die von Wohnraumbeschaffung und Betreuung über Gesundheit, Bildung und Sprache, Kultur und Integration, Sachspenden und Freizeit bis zur Netzwerkarbeit und Öffentlichkeitsarbeit reichen.

Befürchtungen und Ängste in Bevölkerung

Der Groß Gerungser Bürgermeister Maximilian Igelsböck und sein Langschläger Amtskollege Herbert Gottsbachner waren anwesend. Igelsböck hob hervor, der Problematik neutral und emotionslos entgegentreten zu wollen. Er und Gottsbachner orteten „Befürchtungen, Sorgen und Ängste“ in der Bevölkerung, würdigten jedoch auch die wichtige Arbeit des Vereins.

Christian Scheidl aus Großmeinharts schilderte die Erlebnisse und Erfahrungen, die er bei seiner Arbeit als Asyl- und Integrationsbeauftragter der Caritas für das Waldviertel im täglichen Umgang mit Menschen auf der Flucht hat.

Über die beiden Familien, die bereits in Langschlag wohnen, hatten Obmann-Stellvertreterin Veronika Häusler und ihr Mann Hans nur Gutes zu berichten. Weitere Erfahrungsberichte aus der Praxis lieferten Friedrich Haslinger und der Arabisch-Dolmetscher Tamer Henedy vom Verein Willkommen Mensch in Zwettl.

32 neue Mitbürger im Appelhaus

Ebenfalls zur Sprache kam die Privatinitiative der Familie Fraisl, die bereits seit einem Jahr - und vollkommen unabhängig vom erst kürzlich gegründeten Verein - neun Wohnungen im Appelhaus in Groß Gerungs zu Quartieren für Schutzsuchende umfunktioniert hatte. Noch im Oktober sollen bis zu 32 Bewohner - größtenteils Familien - untergebracht werden. Die Einrichtung wird von der Firma SLC Europe aus Lilienfeld im Namen der Landesregierung als Selbstversorgerquartier mit privater Grundversorgung verwaltet und von zwei Sozialarbeiterinnen betreut.

In der abschließenden offenen Diskussion stellten sich die Mitglieder des Vereins und die Mitarbeiter von SLC Europe den Fragen aus dem Publikum. Wer Wohnraum für die Schutzsuchenden anbieten kann oder sie bei der Bewältigung des Alltags in dem für sie noch sehr fremden Lebensraum begleiten möchte, ist herzlich zur Mitarbeit eingeladen.