Erstellt am 16. März 2016, 05:24

von Brigitte Lassmann-Moser

Windkraft: 15 Stunden-Marathon. Fülle an Gutachten und Expertenmeinungen, aber auch an Einwänden und Stellungnahmen seitens der Projektgegner ließen Sitzungsdauer ausufern.

Gesteckt voll war der Turnsaal von Grainbrunn, als der geplante Windpark Sallingberg verhandelt wurde - unter den Gegnern der Sprecher der Bürgerinitiative »Unser Lebensmittelpunkt«, Christoph Terrer (8. v. l.).  |  NOEN, Foto: privat
Über 250 Geladene – darunter gut 190 Gegner, die Stellungnahmen eingebracht hatten –, ein Sitzungsmarathon, der über 15 Stunden dauerte, und viele emotionale Wortmeldungen. Das war die Verhandlung zum geplanten Windpark in der Gemeinde Sallingberg letzten Freitag.

Wie berichtet, will Benedikt Abensperg und Traun in der Katastralgemeinde Großnondorf sechs Windkraftanlagen mit einer Generatorenleistung von je 3.300 Kilowatt, einem Rotordurchmesser von 126 Metern und einer Nabenhöhe von 137 Metern errichten lassen. Die Bürgerinitiative „Unser Lebensmittelpunkt“ kritisiert dieses Vorhaben vehement.

Am Freitag fand die Verhandlung nach dem Starkstromwegegesetz sowie dem Elektrizitätswesengesetz statt. Dafür war der Turnsaal Grainbrunn reserviert, der dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt war. Da nur geladene Personen den Saal betreten durften, fand eingangs sogar eine Personenkontrolle statt.

„Viel Rückenwind wurde gespürt“

Die Gegner des Windparks kritisieren, dass eine mündliche Stellungnahme nur dann erlaubt war, wenn man sich vorher in eine aufgelegte Rednerliste eingetragen hatte. Davon ließen sich viele jedoch nicht abhalten, 55 trugen sich in die Liste ein, um auf ihre Sorgen, Ängste und Bedenken hinzuweisen.

„Noch in den späten Abendstunden kam es zu mutigen Stellungnahmen von direkt betroffenen Anrainern, bei denen es aufgrund der Emotionalität im Saal ruhig wurde“, erzählt Christoph Terrer, Sprecher der Bürgerinitiative. „Den Menschen brannte das Thema Gesundheit und Umwelt am meisten unter den Nägeln“, so Terrer, der kritisiert, dass einige Parteien aufgrund der Länger der Verhandlung, die sich von 9 Uhr morgens bis nach Mitternacht durchzog, ihre Stellungnahmen nicht mehr abgeben konnten.

Die Bürgerinitiative will nun vor allem eines: Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowohl für den geplanten Windpark in Sallingberg als auch für jenen in Großgöttfritz/Grafenschlag, da sich die beiden „überschneiden“ würden. „Beide für sich gesehen unterschreiten die Schwellen, für beide zusammen wäre eine UVP notwendig“, so Terrer, der die „Bürgerrechte stärker gewahrt“ sehen will und bei der Verhandlung viel „Rückenwind“ spürte.

„Wenn über 90 % der Bevölkerung dafür sind,
kann man nur nach vorne schauen.“
Bürgermeister Leopold Bock

„Ich versuche, ein ökologisch gutes Projekt in Abstimmung mit der Gemeindeführung zu machen“, meint Betreiber Benedikt Abensperg und Traun auf Anfrage der NÖN. Er zeigt sich ob der Länge der Verhandlung nicht so überrascht. „Es gehört zu so einem Projekt dazu, dass man lange verhandelt, mit allen Einwänden, die vorgebracht werden, ob berechtigt oder unberechtigt. Wir haben aber unsere Hausaufgaben gemacht, konnten die meisten Einwände entkräften.“

Er sei nicht überrascht, dass so viele Projektkritiker da waren, aber überrascht darüber, dass die Gegner so einen Druck aufgebaut haben. „Sie haben sich stark in Szene gesetzt“, so Abensperg und Traun, der dem Bescheid des Landes positiv entgegen sieht. „Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht hinter dem Projekt, sowohl in Sallingberg als auch in Waldhausen. Ich würde das Projekt nicht machen, wenn ich nicht so einen Rückhalt in der Bevölkerung hätte“, hält er am Projekt fest. „Es tut mir leid, dass Leute dagegen sind und dass sie Sorgen haben, die ich auch sehr ernst nehme. Was getan werden kann, wird auch getan!“

Menschen mit gesundem Strom versorgen

Eine UVP wäre für ihn nicht das Problem gewesen, aber seiner Meinung nach tangieren sich die beiden Windparks nicht. Bürgermeister Leopold Bock im Gespräch mit der NÖN: „Wenn über 90 % der Bevölkerung dafür sind, kann man nur nach vorne schauen“, spricht er sich dafür aus, dass erneuerbare Energie in der Region produziert wird – und dafür gebe es halt nur zwei Plätze –, denn „dann gibt es hier auch wirtschaftliche Energie. Ich möchte sozial auftreten, aber wenn wir nicht neue Einnahmen erschließen, wird es eine massive Erhöhung der Gebühren geben.“

Er hofft, die Menschen mit diesem Windpark mit gesundem Strom versorgen zu können. „Wir müssen der Jugend ein Beispiel sein“, so Bock, der sich persönlich aber gegen eine „Verpflasterung mit Windrädern“ ausspricht. Aber das verhindere ohnehin die Zonierung. „Man muss sich natürlich auch die Gegner anhören – aber mit Maß und Ziel“, so der Bürgermeister, der sich darüber freut, dass er mit Benedikt Abensperg und Traun einen Investor in der Gemeinde hat, der sich in dieser auch gesellschaftlich stark einbringen will.