Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:53

von René Denk

Wo die Not groß ist…. Maria Pfeiffer-Vogl war bereits drei Mal im Auslandseinsatz.

Maria Pfeiffer-Vogl war für Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo von September bis November 2015 im Einsatz. Hier im Bild steht sie mit einem Kollegen in einem notdürftig abgetrennten Reanimationsbereich, wo die Kinder auf normalen Tischen und auch mit Medikamenten versorgt werden konnten.  |  NOEN, privat
Von ihrem mittlerweile dritten Auslandseinsatz für Ärzte ohne Grenzen kam die gebürtige Haselbacherin (bei Arbesbach) Maria Pfeiffer-Vogl zurück. „Ich habe mich schon immer stark für andere Kulturen interessiert. Gleichzeitig hat man hier die Möglichkeit, wirklich zu helfen“, sagt die 30-Jährige im NÖN-Gespräch. Von September bis November war Pfeiffer-Vogl bereits zum zweiten Mal in der Demokratischen Republik Kongo als Krankenschwester im Hilfseinsatz. Dort hatte Ärzte ohne Grenzen die gesamte Kinderheilstation eines Krankenhauses übernommen, Intensivstation, Masern-Intensivstation und eine Abteilung für Mangelernährung waren beispielsweise Schwerpunkte der dortigen Pädiatrie-Station.

„Das Krankenhaus hatte dort nur 13 Prozent Auslastung, weil es sich nur die Reicheren leisten können. Die Sterblichkeitsrate des Krankenhauses lag bei 48 Prozent“, beschreibt Pfeiffer-Vogl die Zustände, die dort durchaus normal seien. Auf der Pädiatrie von Ärzte ohne Grenzen gab es bereits eine geringere Sterblichkeitsrate von 15 Prozent. Ein klares Zeichen, dass sich der Einsatz gelohnt hat, war die Senkung der Rate auf nur mehr vier Prozent. Darauf ist sich die Krankenschwester besonders stolz.

Kinder verlassen mit Lächeln Spital

Das schönste Erlebnis sei immer wieder, wenn man Kinder im unansprechbaren Zustand aufgenommen hatte, die dann wieder mit einem Lächeln das Spital verlassen konnten. „Einmal wurde in einem OP-Saal im Nachbargebäude ein Kaiserschnitt durchgeführt. Das Kind fing nicht zu atmen an. Ich habe dann das vermeintlich tote Baby genommen, es auf unsere Station gebracht, ihm unter anderem Sauerstoff gegeben und es zu reanimieren versucht. Und es ist tatsächlich gelungen, es zu retten“, erzählt die 30-Jährige eines ihrer schönsten Highlights. Obwohl sie schon auf mehreren Einsätzen bei Ärzte ohne Grenzen war, musste sie noch nie so viele Patienten reanimieren, wie in diesen Monaten.

Was sie noch motiviert, das zu tun? „Ich habe die Ausbildung und möchte helfen. Außerdem hat man mehr Gestaltungsspielraum und Eigenverantwortung. Wer bekommt so schnell in Österreich die Möglichkeit als Krankenschwester, ein Team von 70 Leuten zu leiten?“, meint Pfeiffer-Vogl. Das sei aber nicht der Hauptgrund, warum Pfeiffer-Vogl mit Ärzte ohne Grenzen liebäugelt.

„Es klingt zwar geschwollen, aber wir können nur so gut im Wohlstand leben, weil wir in diesem kapitalistischen System von der Ausbeutung anderer leben. Da möchte ich auch etwas zurückgeben und einen Beitrag dazu leisten, dort das Leben etwas zu verbessern, denn unser guter Lebensstil geht teilweise auf Kosten anderer“, meint die 30-Jährige.

Nach dem Einsatz bald wieder weg gegangen

Ihr erster Auslandseinsatz für Ärzte ohne Grenzen führte Pfeiffer-Vogl ebenfalls in die Demokratische Republik Kongo, wo sie über ein halbes Jahr - von Juli 2012 bis Jänner 2013 - im Einsatz war. Dann ging sie sehr rasch im März 2013 zu einem weiteren Einsatz in den Tschad, wo sie bis Mai half. Warum sie so schnell wieder fortging? „Es war nicht einfach, nach sechs bis sieben Monaten zurückzukehren. Dort bist du extrem viel im Einsatz, hast keine Wochenenden und sonst auch nur wenig Zeit.

Wenn du es gewohnt bist, diese Verantwortung auf dich zu nehmen und dauernd unter Strom zu stehen, dann fällt das Heimkommen schon schwer. Es war, wie wenn du die Geschwindigkeit von 180 auf Null reduzierst“, schildert sie. Dort habe man eben das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden.