Erstellt am 12. Mai 2016, 05:24

von Brigitte Lassmann-Moser

„Wunderwuzzi gibt‘s nicht!“. Unterschiedliche Reaktionen seitens der SPÖ-Basis im Bezirk Zwettl auf den für viele überraschenden Schritt des Bundeskanzlers.

 |  NOEN, APA (Punz)

Gemischt fallen die Reaktionen der SPÖ-Basis aus dem Bezirk Zwettl auf den Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann aus.
„Wir waren alle sehr überrascht“, so SPÖ-Bezirksvorsitzende Adelheid Ebner. Sie findet aber Personaldebatten, die es immer dann, wenn eine Wahl verloren wird, gibt, absolut entbehrlich.

„Man muss das Problem bei der Wurzel packen, darüber diskutieren und nicht einfach nur Personen austauschen.“ Dass Faymann ging, ist für Ebner nachvollziehbar, denn wenn man keinen Rückhalt mehr habe, wenn ein politischer Verantwortungsträger niemanden mehr hinter sich habe, ziehe man die Konsequenzen.

Aber: „Es hängt nicht immer alles an einer Person“, so die Bundesratsabgeordnete. Und: „Vorne zu stehen und Entscheidungen zu treffen ist etwas anderes, als von hinten vorzuschreien!“

„Überrascht zeigte sich auch SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Josef Kromsian: „Ich habe nicht damit gerechnet! Aber nur die Köpfe auszutauschen, ist auch nicht das Wahre!“, ist er mit Ebner einer Meinung. Vorgezogene Neuwahlen hält Kromsian aber nicht für notwendig.

„Vorne zu stehen und Entscheidungen zu treffen
ist etwas anderes, als von hinten
vorzuschreien!“ Adelheid Ebner

Für SPÖ-Bürgermeister Arnold Bauernfried aus Bärnkopf war der Schritt Faymanns zu erwarten – „Man hat gemerkt, dass etwas im Busch ist!“ –, dass es aber so schnell geht, damit habe er nicht gerechnet. Für Bauernfried wäre Faymanns Rücktritt nicht notwendig gewesen. „Wir haben in Österreich derzeit eine Situation, die sehr schwierig ist, vor allem in Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik und die Arbeitslosenzahlen. Aber einen Wunderwuzzi, der alles lösen kann, gibt es nicht!“

Der Zwettler Stadtparteivorsitzender der Sozialdemokraten, Stadtrat Franz Groschan, war ebenfalls nicht wirklich überrascht, als er vom Kanzler-Rückzug erfuhr. Er glaubt aber, dass dies ein Schritt war, der unbedingt vollzogen werden musste. „Und das hängt nicht unbedingt mit der Bundespräsidentenwahl zusammen. Es hat so nicht mehr weitergehen können, Faymann hat der Rückhalt in der Partei gefehlt“, meint Groschan.
Er sieht im Ausscheiden Werner Faymanns aus seinen politischen Funktionen „eine wirkliche Chance, mit einem guten Kandidaten, einer guten Kandidatin die Partei neu aufzustellen, sie wieder zu vereinen, damit sie positiv in die Zukunft schauen kann.“

Für die Entscheidung Faymanns hat Franz Groschan allerdings Verständnis: Wenn man so viel Gegenwind und Missgunst spüre, sei das psychisch und privat eine große Belastung. „Alles leidet darunter, vor allem das eigene Wohlbefinden. Und dann kann man einfach nicht mehr gut arbeiten!“
Groschan wünscht sich jetzt vor allem eines: „Dass sich die Länder gegenüber Wien stark machen, dass man nicht wieder eine Wiener Partie schafft, die von Häupl diktiert wird!“