Erstellt am 05. April 2017, 05:00

von René Denk

EKZ: Fronten verhärten sich. Bebauungsplanänderung liegt auf. Initiative Zwettl 2020 wird lauter, Vize Prinz verteidigt Projekt.

Christof Kastner und Franz Rößl von der Initiative Zwettl 2020 erheben Vorwürfe gegen die Zwettler ÖVP-Spitzen und befürchten den endgültigen Todesstoß für die Innenstadt durch das EKZ.  |  René Denk

Das EKZ-Projekt Kampcenter in der Gartenstraße geht in die heiße Phase. Die Bebauungsplan-Änderung wurde von der Stadtgemeinde Zwettl am 28. März ausgehängt. Innerhalb der Auflagenfrist bis 9. Mai kann jeder Bürger Einsicht in die Änderungspläne nehmen und eine schriftliche Stellungnahme abgeben.

Damit verhärten sich auch die Fronten zwischen der Bürgerinitiative Zwettl 2020 und der ÖVP-Stadtführung. Die Initiative hat im Vorfeld zwei Wochen lang jeden Tag ein Mail an jeden Zwettler Gemeinderat verschickt. Der Inhalt: Jeweils ein Grund, warum man das EKZ nicht bauen sollte.

Ursprünglich hatte Zwettl 2020 das Ziel, mit den Emails zu einem runden Tisch einzuladen. Es gab keine Reaktion der Gemeinderäte, Vizebürgermeister Johannes Prinz hätte einen runden Tisch genauso, wie alle anderen Gesprächsangebote abgelehnt, betont Unternehmer Christof Kastner, der federführend bei der Bürgerinitiative gegen das Kampcenter mitwirkt.

„Wir haben uns mit der Initiative bereits vor Langem besprochen. Seither hat sich nichts Wesentliches geändert. Kastner hat dieselben Argumente wie damals“, erklärt Vizebügermeister Hannes Prinz im Gespräch mit der NÖN.

„Das Argument, dass in der Innenstadt eh schon alles kaputt ist, ist für mich keines. Mit dem EKZ wäre das für die Innenstadt der Todesstoß zum Quadrat“Christof Kastner von der Bürgerinitiative Zwettl 2020

Neben all den Argumenten, die die Bürgerinitiative schon verlautbart hat (siehe Homepage www.zwettl2020.at) führt Kastner drei Punkte ins Feld, warum er das EKZ verhindern will. Seiner Meinung nach können die präsentierten Baupläne aus mehreren Gründen nicht praktisch umgesetzt werden.

Zum Zweiten stellte auch er wirtschaftliche Berechnungen an, die darauf schließen lassen, dass das Kampcenter nie so umgesetzt werden könne. Weiters hat Kastner Bedenken gegenüber der Person von EKZ-Projektant Reinhold Frasl.

Franz Rößl, Gründungsmitglied der Initiative Zwettl 2020, betont: „Es gibt hier so viele Ungereimtheiten, auf die es keine Antwort gibt.“

"28 Millionen Euro von anderen Geschäften pro Jahr"

Laut den Kaufkraftzahlen, die Kastner vorliegen, befürchtet er, dass das Kampcenter nur Ruinen im Zwettler Gewerbepark (ehemals: Industriezone) und noch mehr leer stehende Innenstadtgeschäfte hinterlässt. „Unseren Berechnungen zufolge müssen 28 Millionen Euro von anderen Geschäften pro Jahr an das EKZ fließen. So macht man die Strukturen komplett kaputt. Das Argument, dass in der Innenstadt eh schon alles kaputt ist, ist für mich keines. Mit dem EKZ wäre es für die Innenstadt ein Todesstoß zum Quadrat“, so Kastner.

Außerdem hätte er keine Antwort darauf erhalten, wie Bürgermeister Herbert Prinz und die Stadtregierung sicherstellen, dass das Projekt genau so aussieht, wie es präsentiert wird. Bei der Präsentation der EKZ-Pläne wurde von Projektleiterin Claudia Winkler-Widauer betont, dass der Schwerpunkt des Kampcenters nun auf Entertainment liegen und Shopping in den Hintergrund treten soll. Der Gewerbetreibende Kastner zweifelt auch das an: „Frasl hat noch nie etwas anderes gebaut, als 0/8/15 Fachmarktzentren. Warum soll das jetzt anders sein?“

Weiters würde die Staatsanwaltschaft gegen Frasl ermitteln. Kastner: „Dass sich eine Gemeinde auf das einlässt, mit jemanden Geschäfte zu machen, der im Visier der Staatsanwaltschaft steht, hat sich Zwettl nicht verdient!“

Baulandvertrag soll beschlossen werden

Die Initiative würde weiterhin um Aufklärung bemüht sein und zur Bebauungsplan-Änderung eine umfangreiche Stellungnahme abgeben. Außerdem startete sie jetzt zusätzlich noch eine Plakataktion — jeder, der sich daran beteiligen möchte, bekommt Plakate gegen die geplante EKZ-Umsetzung zur Verbreitung zur Verfügung gestellt.

Vizebürgermeister Prinz verwehrt sich gegen die Anschuldigungen und kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Wir werden bis zur Gemeinderatssitzung, in der die Bebauungsplanänderung beschlossen wird, auch einen Bauland-Vertrag entwerfen und auflegen. Dieser wird mit der Widmung mitbeschlossen werden. Er dient zur Absicherung der Stadtgemeinde, damit Frasl auch das baut, was er verspricht!“

Für Prinz stellt das Kampcenter ein „Erlebniszentrum im Zentrum“ dar, das in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt diese auch profitieren lasse. Politiker seien keine Experten, die Stadtgemeinde habe aber die Ergebnisse der Kampcenter GmbH von unabhängigen Experten überprüfen lassen, die die Unterlagen bestätigen. „Ich richte Kastner gerne über die Zeitung aus, dass er sich mit denen zusammensetzen soll“, ist Johanens Prinz verärgert. Die ÖVP und er glauben daran, dass das Kampcenter auch die Frequenz in der Innenstadt erhöhen werde: „Ich sehe es absolut nicht so, dass wir hier Geschäfte in der Landstraße vertreiben oder zwingen, ins EKZ zu gehen!“

Winkler-Widauer kann Bedenken nicht nachvollziehen

Kampcenter-Projektleiterin Winkler-Widauer kann die Bedenken von Zwettl 2020 nicht nachvollziehen: „Wir haben wahnsinnig viel Geld und Zeit in das Projekt investiert. Ein Fachmarktzentrum zu bauen, würde das ganze ad absurdum führen. Ein Fachmarktzentrum im Stadtkern wäre nicht sinnvoll. Wir haben bei unserer Projektpräsentation unseren derzeitigen Plan vorgestellt und wollen das Grundstück auch bestmöglich nutzen.“

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Frasl betont die Projektleiterin „Das sind zwei verschiedene Themen, die nichts miteinander zu tun haben. Das Center errichtet die Kamp Center GmbH.“

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