Erstellt am 30. September 2015, 06:27

von Maria Moll

"Haydn über alle(s)". Beginn der Konzertreihe „Klassik um 5“ stand ganz im Zeichen der Werke Joseph Haydns, von denen drei gespielt wurden.

»Klassik um 5«, ein Musikfest mit familiärem Anhang (v. l.): Joachim Adolf, Gabriele Kramer-Webinger, Katalin Mezö, Barbara Göbl-Kramer, Victor Büll, Katalins Eltern Imre Mezö und Edith Hambalkó, András Mezö, Julia Mezö, Musikschulleiter Alexander Kastner.  |  NOEN, Maria Moll

Saisonstart der Konzertreihe „Klassik um 5“ war am Sonntag mit „Haydn, Haydn über alle(s)“. Joachim Adolf begrüßte dazu in der Aula der Neuen Mittelschule-Sport, wo das Zusammenwirken zweier Künstlerinnen für die zahlreichen Konzertbesucher ein umfassendes Bild des österreichischen Komponisten schuf.

Edith Hambalkó, Grande-Dame der Klaviervirtuosen Ungarns, brachte drei ausgewählte Werke Joseph Haydns zu Gehör. Die studierte Schauspielerin Barbara Göbl-Kramer las Ausschnitte aus dem in lockerem Ton verfassten Buch „Haydn, Haydn über alle(s)“ vom Musikwissenschaftler Peter Wehle (Sohn). In die Lesungen aus dieser humorvoll gestalteten Biographie waren die musikalischen Werke zeitlich richtig eingeordnet.

Edith Hambalkó, die diplomierte Pianistin, die einst selbst Solistin der Ungarischen Philharmonie war und aus deren späterem Wirken als Klavierpädagogin und Universitätsdozentin zahlreiche Konzertpianisten Ungarns hervorgingen, bemerkte in einem Brief: „Haydns Musik zu hören, zu spielen oder zu unterrichten ist immer ein musisch-geistiges Erlebnis.“ Und: „Alleine seine 106 Symphonien verlangen uns Hochachtung ab.“

Gleich im ersten Stück, der „Sonate in F-Dur“ aus dem Jahre 1774, waren im 3. Satz Variationen eingefügt, wie Haydn es immer wieder gerne tat. In der „Sonate in C-Dur“ aus dem Jahre 1789 glich der 1. Satz einer freien Variation. Aus 1793 stammte das „Andante con Variazioni in f-moll“, das eine Doppelvariation enthielt. Als Zugabe spielte die rührige, immerhin 84-jährige Pianistin den 2. Satz aus einem Menuett, in dem Haydn sozusagen eines seiner Streichquartette zitierte.

„Wenn ich an meinem alten,
von Würmern zerfressenen Klavier sitze,
beneide ich keinen König.“

In den Texten war natürlich die Geburt Haydns genannt – am 31. März 1732 in Rohrau als Sohn eines Harfenisten und einer Sängerin. Auch das eintönige Leben als Chorknabe in Wien – St. Stephan, armselig in einer Dachkammer hausend. Aber: „Wenn ich an meinem alten, von Würmern zerfressenen Klavier sitze, beneide ich keinen König.“ Erst als Klavierlehrer ging es ihm besser, hatte er doch freie Kost und Logis.

1760 heiratete Haydn Anna Maria Keller, die sich bald als bigott, unfreundlich und gebieterisch zeigte. Doch er hatte auch Glück, als er 1761 nach einem „Blitztransfer“ zum Hofkapellmeister der Fürsten Esterházy ernannt wurde. „Mein Fürst war mit all meinen Arbeiten zufrieden“, stellte Haydn einmal fest. Im Buch dazu: „Abgesondert von der Welt konnte ihn niemand irre machen und er musste ‚original‘ werden.“ Das galt auch für seine Zeit in England, wo er begeistert aufgenommen wurde.

Haydn starb nicht als vereinsamter alter Mann. Fürst Esterházy übernahm alle Arzt- und Medikamentenkosten und der Weinkeller stand ihm offen. So erhielt er häufig Besuch von Freunden und Schülern. Ab dem 27. Mai 1809 völlig ans Bett gefesselt, starb das Musikgenie am 31. Mai. Traurig und makaber dann die über 145 Jahre dauernde Odyssee von Haydns Totenkopf, der schließlich in der Bergkirche zu Eisenstadt mit den anderen sterblichen Überresten seine Totenruhe fand.