Erstellt am 24. Februar 2016, 05:24

von Joachim Brand

Luchs ging jetzt erstmals in die Fotofalle. Luchse im Waldviertel | Jetzt gelang die Sensation: Zum ersten Mal gibt es Foto-Nachweis im Waldviertel.

Benjamin Watzl beim Justieren einer Fotofalle, mit der jetzt das Vorkommen eines Luchses nachgewiesen werden konnte.  |  NOEN, Foto: Joachim Brand / luchs.boehmerwaldnatur.at
Die Sensation ist perfekt: Dem Zwettler Benjamin Watzl und dem Oberösterreicher Thomas Engleder vom Luchsprojekt Österreich Nord West gelang der Nachweis für das Vorkommen eines bodenständigen Luchses im westlichen Waldviertel.  
 
Die Naturlandschaften des Waldviertels bieten trotz zunehmender agrarischer und baulicher Umgestaltung seltenen Beutegreifern wieder einen Lebensraum. Was vor 30 Jahren noch undenkbar war, ist jetzt beginnende Realität: Seeadler, Fischotter, Wolf und Luchs besiedeln wieder ihren ursprünglichen Lebensraum. Leider kommen dazu noch eingeschleppte Minke, Marderhunde und Waschbären, welche nicht in unseren Lebensraum gehören.

„Ohne die Mithilfe der Jägerschaft und der Bevölkerung
wird es nicht gelingen, den wunderschönen Luchs als
Juwel einer Naturlandschaft zu erhalten.“
Benjamin Watzl

Mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs 1998 begannen die alten Wildwechsel wieder aufzuleben. Wildbiologe Martin Forstner aus Arbesbach brachte im Jahre 2001 in seinem Bericht an das Landwirtschaftsministerium und die Naturschutzabteilung des Landes NÖ seine Sorge um den Fortbestand des sporadisch auftretenden Luchses im Mühl- und Waldviertel zum Ausdruck. Seit dieser Zeit wurden Luchs-Beobachtungen aus unerfindlichen Gründen seltener.

Für die Sensation sorgten jetzt Benjamin Watzl vom Ökokreis und Thomas Engleder vom Luchsprojekt Österreich Nord West: Mittels Fotofalle gelang der erste Beweis eines Luchses im westlichen Waldviertel – wo genau, dass wollen die beiden Experten nicht sagen, um das Tier zu schützen. Bisher konnte ein Luchs lediglich im Mühlviertel fotografiert werden.

Jetzt ist absoluter Schutz angesagt

Indizien, Vermutungen, aber auch Sichtungen gab es immer wieder, sowohl im Bezirk Zwettl als auch im Bezirk Gmünd. Nun ist der Beweis erbracht, der Luchs ist wieder da! Jetzt ist absoluter Schutz angesagt.
Eindeutig identifiziert werden kann der Luchs deshalb, da es mittlerweile sieben Fotos gibt, auf denen der Luchs von beiden Körperseiten abgelichtet werden konnte. Der letzte, der fotografiert wurde, trägt z.B. den wissenschaftlichen Namen „Bond B 007“.



„Sie haben es nicht leicht, die gefleckten Katzen“, so Ökokreis-Mitarbeiter Watzl, der seit geraumer Zeit über Luchs-Beobachtungen berichtet. Die Meldung über einen 2014 von einem Hund zerbissenen Jungluchs und ein zweites, ohne Muttertier herumstreifendes Junges wurden nicht veröffentlicht. „Sie waren schon fast ausgewachsen, aber ohne Muttertier zum Sterben verurteilt. Das Muttertier verschwand durch ungeklärte Umstände und hinterließ zwei völlig schutzlose Jungluchse“, erklärte Benjamin Watzl.

„Ohne die Mithilfe der Jägerschaft und der Bevölkerung wird es nicht gelingen, den wunderschönen Luchs als Juwel einer Naturlandschaft zu erhalten.“
Meldungen über Sichtungen, Spuren und dergleichen unter luchs@boehmerwald.at; luchs.boehmerwaldnatur.at oder www.ökokreis.org