Zwettl

Erstellt am 20. April 2017, 04:00

von Markus Füxl

Nicht der Jäger ist des Hasen Tod…. In den letzten Jahren sinkt die Hasenpopulation im Bezirk Zwettl kontinuierlich – aus verschiedenen Gründen.

 |  NOEN, Foto: Shutterstock.com / Soru Epotok

Das Bild vom glücklichen Kaninchen zur Osterzeit trügt, denn gerade im Bezirk Zwettl sind in den letzten Jahrzehnten die Wildbestände zurückgegangen.

„2016 war ein unverändert trauriges Jahr, was Niederwild betrifft. Gerade die Bestände des Feldhasen sind sehr niedrig“, erklärt Bezirksjägermeister-Stellvertreter Manfred Jäger.

„Die Jäger im Bezirk Zwettl jagen intensiv Füchse und Marder. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“Bezirksjägermeister- Stellvertreter Manfred Jäger

Grund dafür ist aber nicht die Bejagung der Tiere seitens der Bezirksjägerschaft. Im Gegenteil: Seit 2012 sinken die Abschüsse von Hasen konstant. Im Vorjahr ist man mit 130 Abschüssen auf einem Rekordtief seit über zehn Jahren.

Einen Ausschlag für die niedrigen Bestände sieht Jäger vielmehr in den landwirtschaftlichen Veränderungen: „Grundzusammenlegungen, mehr Monokulturen und der verstärkte Einsatz von Spritzmitteln wirken sich natürlich negativ aus. Dadurch, dass Felder zusammengelegt werden, verlieren die Hasen Kräuterstellen und Deckung“, erklärt er.

Zunahme bei den natürlichen Feinden

Das Fallwild bei Hasen belief sich 2016 auf insgesamt 136 Fälle im Bezirk Zwettl. Darunter fallen auch im Straßenverkehr oder durch schweres landwirtschaftliches Gerät getötete Tiere: „Früher arbeitete man mit einem 18 PS starken Traktor. Heute fahren die Landwirte mit 40 km/h schnellen und bis zu sieben Meter breiten Gerätschaften. Da bekommt man einen Hasen nicht mehr mit“, sagt Jäger.

Ein weiterer Grund für das niedrige Bestandsniveau der Feldhasen ist die Zunahme bei seinen Feinden. Durch den hohen Waldanteil im Bezirk Zwettl würden laut Jäger vor allem Greifvögel und Dachse immer mehr. Außerdem hat die Immunisierung der Füchse in Österreich bis 2012 ebenfalls zu einem Anstieg beigetragen.

„Seitdem vermehren sie sich und brauchen natürlich etwas zum Fressen“, so Jäger. Vor allem im Winter bejagt er mit seinen Kollegen Füchse und Marder, allerdings „fruchtet das nur sehr dürftig“.

Noch vor einigen Jahrzehnten war es um die Hasenbestände im Waldviertel sehr gut bestellt. „1970 war eindeutig ein Höhepunkt, von da an ging es aber stetig bergab“, sagt Jäger.

Jägern seien oftmals die Hände gebunden

Auf die Frage, wie man die Entwicklung stoppen könnte, seufzt er: „Die intensive Landwirtschaft müsste gestoppt werden. Außerdem bräuchte es mehr Biodiversität.“

Ein verstärkter Eingriff in die Räuber der Hasen sei laut Jäger ebenfalls notwendig: „Greifvögel wie Bussarde und Habichte sind etwa ganzjährlich geschützt. Hier sind uns einfach die Hände gebunden“, sagt Manfred Jäger.

Ohnehin kümmere man sich bereits um die Einschränkung der Prädatoren, die endgültige Lösung sei dies aber nicht: „Raubwildbejagung wird von unserer Seite sehr intensiv betrieben. Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Jäger.

Kleintierzüchter merken keinen Rückgang

Bei der Hauskaninchen ist die Situation weniger dramatisch. Der Obmann der Zwettler Kleintierzüchter, Herbert Edinger, bestätigt das: „Derzeit sind die Zahlen bei uns wieder leicht steigend. In den letzten Wochen sind bei uns auch zwei neue Züchter hinzugekommen“, so Edinger. Aktuell hat der Verein knapp 36 Mitglieder, neben Hühnern und Tauben steht die Kaninchenzucht hoch im Kurs.

Über 170 Rassen zur Bewertung

Für die Tierbewertung im Zuchtbetrieb spielt der sogenannte „Europastandard“ eine wichtige Rolle. Darin sind sämtliche zugelassene Kaninchenrassen vermerkt. Aktuell umfasst der Index über 170 verschiedene Rassen. Für die Bewertung werden diese in zwölf weitere Rassengruppen eingeteilt, darunter etwa Satin-, Kurzhaar- und Angorakaninchen.

Bei den Zwettler Züchtern ist vor allem der Blaue und der Graue Wiener beliebt, bei den Großrassen setzt man auf Riesen Grau und Riesen Weiß. Immer wieder würden sich Mitglieder aber auch über besonders schwierig zu züchtende Rassen trauen, wie etwa den Blaugrauen Wiener. Im Herbst stehen die Tiere vor geprüften Preisrichtern zur Bewertung. „Zu dieser Zeit ist die Haarung besonders schön“, erklärt Edinger.

Obmann des Vogel- und Kleintierzuchtvereins N 15 Zwettl, Herbert Edinger, mit einem Mischling. Im Gegensatz zu dem geringen Feldhasenbestand hält sich die Nachfrage nach Hauskaninchen beständig.  |  privat

Neben dem Fell wird der Zustand der Krallen, Pfoten und sogar Augenfarbe unter die Lupe genommen. Ihm selbst ist die Leidenschaft zur Kleintierzüchtung in die Wiege gelegt worden, sagt Edinger. „Mit meinen Eltern hatten wir früher sogenannte Haustauben. Dabei ist meine große Tierliebe gewachsen.“ Mittlerweile ist er seit knapp 30 Jahren als Vorstand im Zwettler Verein tätig.

Die Tierzucht übe aber auch auf junge Menschen Faszination aus. Aktuell sind bei den Zwettler Kleintierzüchtern drei Jugendzüchter tätig. Mitmachen darf man ab sieben Jahren.

Ganz harmonisch gehe es aber auch im Zuchtbetrieb nicht immer zu: „Seit dem Tierzuchtgesetz vor einigen Jahren ist das alles viel strenger geregelt. Das ist gut so, aber früher war es für viele Tierzüchter einfacher“, betont Edinger. Mindestens sechs Wochen vor einer Schau müssen die Tiere etwa auf der Bezirkshauptmannschaft bekannt gegeben werden. Mit dem strafferen Gesetz seien damals auch einige Züchter abgesprungen, so Edinger.