Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:27

von Brigitte Lassmann-Moser

„Sind enttäuscht!“. Vier langjährige Zwettler Tagesmütter haben sich nun vom Hilfswerk als Trägerorganisation gelöst.

Sabine Meisner, Anita Dürr, Roswitha Kropfreiter und Barbara Artner (v. l.), »die kleinstadtmütter«, haben sich vom Hilfswerk als Träger getrennt und agieren nun als freie Tagesmütter.  |  NOEN, Foto: privat

 Im Sommer haben sich fünf Zwettler Tagesmütter im Verein „die kleinstadtmütter“ zusammengeschlossen. Jetzt haben sich vier von ihnen aus Unzufriedenheit vom Hilfswerk losgelöst.
Sie sind allsamt langjährige, erfahrene Tagesmütter: Sabine Meisner (seit 21 Jahren Tagesmutti), Roswitha Kropfreiter (seit 13 Jahren), Barbara Artner (seit acht Jahren) und Anita Dürr (seit drei Jahren) – gemeinsam betreuen sie etwa 40 Kinder – gründeten vor einigen Monaten „die kleinstadtmütter“, um sich gemeinsam besser in der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Jetzt hat es ihnen endgültig gereicht: Seit 1. Oktober sind sie als freie Tagesmütter ohne Trägerverein tätig.

„Wir sind vom Hilfswerk einfach enttäuscht“, so Roswitha Kropfreiter. Mangelnde Wertschätzung, fehlende Kommunikation, keine Anerkennung – so mussten sie sich beispielsweise zur Weihnachtsfeier selber Essen mitbringen –, waren die Gründe für diesen Schritt. „Wir wurden oft falsch informiert, immer wieder vertröstet, es gab keine Werbung für uns, keine Unterstützung“, so Kropfreiter. Seit das Hilfswerk intern umstrukturiert hat, seien die Tagesmütter auf der Strecke geblieben. „Jetzt war es uns zu viel!“

„Es geht uns nicht darum, finanziell besser auszusteigen“, so Anita Dürr. „Im Gegenteil, wir müssen unsere Ausbildung jetzt selber finanzieren. Aber wir sind frei!“, sieht die Tagesmutter optimistisch in die Zukunft. Die vier Tagesmütter werden als Verein nun von der Gemeinde Zwettl finanziell unterstützt, für die Eltern ändert sich nichts.

„Respektieren die Entscheidung!“

Jetzt wollen die Tagesmütter – sie sehen sich selbst als „flexibelste und familienfreundlichste Form der Kinderbetreuung“ – ein kräftiges Lebenszeichen geben: „Es gibt uns noch! Und wir haben noch Plätze frei!“ So ist derzeit ein gemeinsamer Laternenumzug in Planung. Auf ihrer Homepage www.diekleinstadtmütter.at findet man nähere Informationen.

Die Tagesmütter und -väter des Familien- und Beratungszentrums Waldviertel haben beim NÖ Hilfswerk die kostenlose Ausbildung absolviert und arbeiten selbstständig in Kooperation mit dem NÖ Hilfswerk, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Hilfswerks. Dieser Kooperationsvertrag könne jederzeit gelöst werden. „Wir respektieren die Entscheidung der ,Kleinstadtmütter‘, die Kooperation mit uns nicht mehr fortzusetzen“, sagt Thomas Pollmann, Leiter des Familien- und Beratungszentrums Waldviertel. Man habe sich vor allem in den letzten Monaten sehr um die „Kleinstadtmütter“ bemüht.

So verweist Thomas Pollmann auf die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten, die das Familien- und Beratungszentrum Waldviertel seinen Tagesmüttern und -vätern bietet: kostenlose Fortbildungsveranstaltungen, laufende pädagogisch-fachliche Begleitung, eine starke Tageseltern-Gruppe zum praktischen und persönlichen Austausch, die Vermittlung von Tageskindern, diverse Versicherungen für Kinder und Tagesmütter/Tagesväter, Abwicklung der Zuschüsse und Förderungen des Landes NÖ sowie Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit.