Zwettl

Erstellt am 19. Juli 2017, 05:00

von René Denk

Umfahrung: Sorge um die Entwässerung. Becken hält Wasser, Kanaldeckel steht meist unter Wasser. Projektleiter Horacek erklärt, wie die Entwässerung bei Gerotten funktioniert.

René Denk

Kurz vor der Eröffnung der neuen Umfahrung am 30. Juli wurde die NÖN über einen vermeintlichen Mangel in Kenntnis gesetzt: In einem Sickerbecken (Becken 2, km 65,098) bei Gerotten neben der Umfahrungsstraße B 36 versickere das Wasser nicht.

Weiters wurden Bedenken geäußert, dass das Wasser bei einem stärkeren Regenereignis nicht abgeleitet werden kann. Ein Kanaldeckel auf der anderen Gradnitzer Seite bei der Brücke stehe fast dauerhaft unter Wasser, auch in der sehr trockenen Zeit der letzten Wochen. Auf eine Länge von 500 Metern Umfahrungsstraße stelle der Bereich der dortigen Unterführung den tiefsten Punkt dar, wo das Wasser zusammenfließt.

Becken ursprünglich als Sickerbecken geplant

Der Kanaldeckel stand bei allen Lokalaugenscheinen unter Wasser. Im Hintergrund sieht man die die Querriegel stadtauswärts, außerdem sieht man das weiße Ablaufrohr zur zusätzlichen Absicherung.  |  René Denk

Dominik Horacek, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Bau Umfahrung Zwettl, bemüht sich um Aufklärung. Er bestätigt im NÖN-Gespräch, dass das Becken im ersten Teil des zweistufigen UVP-Verfahrens (Umweltverträglichkeitsprüfung) noch als Sickerbecken geplant war. Aber: „Bereits in der Verbesserung zum UVP-Bescheid wurde es als ökologisches Becken umgeplant. Das ist noch lange vor der Projektausschreibung passiert“, sagt Horacek.

In dem ökologischen Becken versickere das Wasser sehr langsam beziehungsweise verdunste es. In dem dort sehr steinigen Gelände käme es punktuell zu Schichtwasser, das von den Feldern noch oberhalb des Beckens unterirdisch zur Umfahrungsstraße fließe. Der Grundwasserspiegel beginne aber erst drei bis vier Meter unterhalb des Beckens. Das Becken sei nicht mit dem Kanal bei der Unterführung verbunden, sonst würde sich das Wasser das Höhenniveau ausgleichen, sprich: Die gebauten Wassergräben bei der Unterführung würden sich füllen und das Becken den Wasserstand reduzieren.

Horacek betont, dass das Wasser der Straße wegen der Kurvenneigung (Rechtskurve Richtung Zwettl) nur auf die Gradnitzer Seite und nicht auf die Gerottner Seite abfließe. Probleme, dass das ökologische Becken überflutet werden könne, sieht er nicht, da fast kein Regenwasser mehr in dieses Becken hineinfließt.

Das Becken bei der B36 hatte am 26. Juni (links) und am 13. Juli (rechts) annähernd den gleichen Wasserstand.  |  René Denk

Entwässerung erfolgt auf Gradnitzer Seite

Hier im Bild sieht man die Querriegel stadteinwärts.  |  René Denk

Zur Entwässerung errichtete die ARGE Bau Umfahrung Zwettl auf der Gradnitzer Seite Straßengräben mit betonierten Querriegeln. „Diese funktionieren bei viel Wasser wie lauter kleine Becken“, erörtert Horacek. Dort würde das Wasser versickern und unterirdisch nach den Feldern nach drei, vier Wochen am tiefsten Punkt, dem Gradnitzbach, geologisch gereinigt wieder an die Oberfläche kommen.

Die gesamte Umfahrung verfüge über fünf Vorfluter, bei jedem Talübergang finde man diese. Sie ist für ein statistisch einmal alle fünf Jahre vorkommendes Hochwasserwasser (HQ5) ausgelegt. Falls der Wasserpegel einmal höher werden sollte, beginnt das Wasser, über den asphaltierten Weg auf der Gradnitzerseite in die darunterliegenden Felder abzufließen, wie es auch schon zu früheren Zeiten der B 36 gewesen sei, wo immer die Wassermengen in die darunterliegenden Felder geronnen seien. Die Äcker seien auch nach wie vor drainagiert. Am nahezu tiefsten Punkt der Gräben findet man auch noch ein kleines, weißes Abflussrohr, das, wie Horacek sagt, noch als zusätzlicher Schutz fungiert.