Erstellt am 08. April 2016, 06:04

von Maria Moll

Zwettler kidnappten den Papst. Regisseur widmete Kömodie von Joao Bethencourt Papst Franziskus, der Parallelen zum Stück aufweist.

Papst Albert IV., sehr glaubwürdig dargestellt von Alfred Hauer (vorne, Mitte), im Kreise der Familie Leibowitz (sitzend, v. l.) Gerald Gundacker, Sabine Kapeller, Franziska Teufl und Dominik Müllner. Kulturstadträtin Andrea Wiesmüller (hinten, 2. v. l.) unterstützte seitens der Stadtgemeinde die Aktivitäten von (hinten, v. l.) Michaela Mikesch, Sebastian Keltner, Martin Mikesch, Paul Peschel, Stefan Leisser, Jenny Straub, Evelyne Loidl, Hans Georg Heinke, Elisabeth Koller und Peter Hahn.  |  NOEN, Maria Moll
Schnell sammelte sich die Aufmerksamkeit der Theaterbesucher am Freitagabend im dicht besetzten Stadtsaal Zwettl, als Nachrichtensprecher Hans Georg Heinke mit seiner markanten Stimme im „Fernsehen“ die Meldung von der Entführung des Papstes Albert IV. in Brooklyn, „wahrscheinlich durch die Islamisten“, verlas. Die Theaterpremiere konnte beginnen. In der unterhaltsamen Komödie, dem erfolgreichsten Stück des brasilianischen Literaten Joao Bethencourt (1924-2006) „geht es um nicht weniger als den Weltfrieden, wenn auch nur für einen Tag“, wie Regisseur Stefan Leisser im Programmheft anmerkt.

Papst Albert IV. beabsichtigt, sich nach seiner anstrengenden Reise nach New York zwei Tage Ruhepause im Karmeliterkloster zu gönnen. Enorm populär und bekannt für seine Bescheidenheit und Offenheit will das Oberhaupt der katholischen Kirche kein Aufsehen erregen. Der Papst verlässt unauffällig das Hotel durch einen Seitenausgang und entscheidet sich für die Fahrt im Taxi statt in der bereitstehenden Limousine mit Chauffeur. Er trifft auf den verschrobenen jüdischen Taxilenker Samuel Leibowitz, einen Pazifisten ersten Ranges, der seinen Fahrgast nicht ins Kloster bringt, sondern zu sich nach Hause. Dort entstehen oftmals skurrile, doch sehr humorvoll gestaltete Szenen.

Aufführung Papst Franziskus gewidmet

Sonst mündet eine Entführung meist in die Forderung nach Lösegeld. Nicht so bei Samuel Leibowitz. Er erfindet – mit Zustimmung des Entführten – eine ganz ungewöhnliche Form des Entgelts für die Freilassung des gekidnappten Papstes…

Regisseur Stefan Leisser widmet die Aufführung des Stückes Papst Franziskus, „der mit seiner Menschlichkeit und Demut sehr viele Parallelen zu Papst Albert aufweist“. Und häufig werden die Zuseher an den amtierenden Papst in Rom erinnert: Wenn Albert IV. als Mann der Armut und des Friedens auftritt, der vorurteilsfrei Rabbi Meyer als Schachfreund gewinnt und sich in der jüdischen Familie sichtlich wohlfühlt. Oder wenn er der Tochter des Hauses ein kleines Holzkreuz als Andenken überreicht, „das mir einmal Kardinal Bergoglio aus Argentinien geschenkt hat“.

Einkünfte gingen an Verein „Tut Gut“

Die kurzweiligen Aufführungen der Theatergruppe Zwettl sind noch am 6., 8., 9. und 15. April, jeweils um 19 Uhr, im Stadtsaal zu genießen. Einen kleinen Vorgeschmack auf das Theatervergnügen bietet der Trailer im Internet, wo auch Hans Georg Heinke, ein Herr mit familiärem Kontakt zu Zwettl, persönlich auftritt. Die Einkünfte aus dem Kartenverkauf am Premierenabend – auf 1.700 Euro aufgerundet – gingen an den Verein „Tut Gut“.