Zwettl

Erstellt am 19. April 2018, 04:23

von Markus Füxl

Mutiges Theaterstück begeisterte Publikum. Der Zwettler Theaterverein zeigte eine eindrucksvolle Version des Klassikers „Der Bockerer“.

Der Zwettler Theaterverein beeindruckte mit „Der Bockerer“ die Zuseher, darunter Zeitzeugin Lucia Heilman (Mitte). In der Hauptrolle beeindruckte Gerald Gundacker (vorne, 3. v.l.). Stadträtin Andrea Wiesmüller (3. v.l.) und Regisseur Stefan Leisser (rechts, kniend) gratulierten den Schauspielern zur Premiere.  |  Markus Füxl

„Aufpassen müss‘ ma, wir alle hier. Wie ein Luchs“ – mit diesen Worten richtete sich Gerald Gundacker als Karl Bockerer am 13. April an das Premierenpublikum im Zwettler Stadtsaal.

Es war kein einfaches Stück, dass sich der Zwettler Theaterverein für seine Frühlingsaufführung ausgesucht hatte. Die Handlung war den meisten Theaterbesuchern bekannt: Das Leben des Selchermeisters Karl Bockerer gerät mit dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich aus den Fugen. Sein Sohn Hans tritt der SA bei, seine Frau Binerl wird ihm langsam fremd und sein jüdischer Tarockpartner Rosenblatt muss ins Exil.

Die Handlung entfaltete sich wie im gleichnamigen Film nicht als typischer Schenkelklopfer, sondern kam ambivalenter daher. Immer wieder wechselten Szenen zwischen Wiener Schmäh und schonungsloser Gewaltdarsteller, etwa wenn Sohn Max seinen Vater prügelt.

Das Ensemble glänzte dabei auf ganzer Linie. Gerald Gundacker brillierte in der Hauptrolle, Evi Leutgeb überzeugte als emotionale Binerl und Max Wagner vermittelte als Sohn Hans gleich in mehreren Szenen glaubhaft den Wahnsinn der Nationalsozialisten.

Zeitzeugin bedankte sich für die Aufführung

Gegen Ende des Stücks sorgte Michael Welz für den Auftritt des Abends. Er lieferte sich als Adolf Hitler einen beängstigenden Dialog mit Gerald Gundacker. Dabei kam er dem Habitus des Führers beinahe erschreckend nahe.

Bei der Inszenierung ließ sich Regisseur Stefan Leisser einiges einfallen. So verwendete er auch den Raum vor der Bühne, um verschiedene Handlungen nebeneinander zeigen zu können. Die aufwändigen Kostüme und Requisiten ließen die Besucher in die Handlung eintauchen. In den Umbaupausen zeigten Filmausschnitte auf einer Leinwand die bedrohliche Situation von damals. Die Bild-und-Ton-Schere (Aufnahmen eines Massengrabes, dazu heitere Wiener Musik) unterstrich dabei die Ambivalenz des Stückes.

Unter den Besuchern war auch die Zeitzeugin und Überlebende des NS-Regimes Lucia Heilman. Sie bedankte sich bei dem Ensemble für ihren Mut, dieses Theaterstück zu spielen: „Es ist ein wichtiges Stück und zeigt einprägsam, welche Zeit das damals war.“

Auch Stadträtin Andrea Wiesmüller zeigte sich gerührt: „Es ist euch wieder gelungen, mich zu verblüffen!“ Ein Stück, das einiges vom Besucher abverlangt. Wer sich aber darauf einlässt, wird belohnt. Nicht nur mit tollen schauspielerischen Leistungen, sondern auch mit einer wichtigen Botschaft.