Kultur als Eckpfeiler des Stadtlebens. Seit ihren Anfängen hat die St. Pöltner Zeitung das kulturelle Leben in der Stadt dokumentiert. Gerade zum Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Entwicklung der Kunst-Szene bedeutende Wendungen.

Erstellt am 15. Mai 2018 (08:45)
NOEN, Stadtarchiv
Jugendstil-Fassade des Gebäudes in der Kremser Gasse 41

Von nichts kommt nichts – getreu diesem Motto kann St. Pölten auf dem Weg zur Kulturhauptstadt auf eine reiche kulturelle Vergangenheit zurückblicken. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte im damaligen St. Pölten mit rund 10.000 Einwohnern eine beispielgebende kulturelle Entwicklung ein.

Um 1900 wirkten renommierte Künstler in der Traisenstadt, unter ihnen Ernst Stöhr, einer der Mitbegründer der Wiener Secession. Vom St. Pöltner stammt unter anderem die Jugendstil-Fassade des Gebäudes in der Kremser Gasse 41 (siehe Bild oben). Zahlreiche Kunstwerke aus dieser Zeit gehen auch auf Ferdinand Andri und seine Frau Charlotte sowie Hans Ofner zurück. Um die Jahrhundertwende prägten auch Architekten wie Joseph Maria Olbrich, Ralph Wondraschek, Rudolf Frass und Josef Hofmann das Stadtbild. Einschnitte in die Entwicklung des St. Pöltner Kunstlebens gab es während der beiden Weltkriege. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Kunst-Szene wieder Fahrt auf: 1946 wurde der Künstlerbund aus der Taufe gehoben.

Landesmuseum zog 2002 nach St. Pölten

Kunstwerke benötigen nicht nur kreative Geister, die sie erschaffen, sondern auch Kunst-Kenner, die sie sammeln und ausstellen. 1879 wurde das Stadtmuseum gegründet. Anfangs gab es nur eine Sammlung ohne Schaufläche. Erst 1909 wurde ein erster Schauraum eingerichtet. Seit 1976 zeigt die Stadt Kunst und Historisches am heutigen Standort im ehemaligen Karmeliterinnenkloster in der Prandtauerstraße. Im zweiten Stock ist seit 1978 das Dokumentationszentrum für Moderne Kunst untergebracht.

Nur neun Jahre später wurde das Diözesanmuseum gegründet und ist damit das erste derartige Museum in Österreich. Seit 130 Jahren wird in der ehemaligen Stiftsbibliothek sakrale Kunst gezeigt.

Viel Platz für Kunst aus Niederösterreich hat auch das Landesmuseum, das 2002 in die Landeshauptstadt zog. Als Museum Niederösterreich verabschiedete sich der Betrieb 2017 von seiner Kunst-Sparte und widmet sich heute Geschichte und Natur.

Vor 41 Jahren eröffnete der St. Pöltner Kunstkenner Karl Heinz Maringer seine Galerie Maringer. In über 400 Veranstaltungen begrüßte er Größen wie H. C. Artmann, Adolf Frohner, Hermann Nitsch und Arnulf Rainer.

NOEN
1913 öffnete Louis Geni sein erstes fixes Kino am Mühlweg.

Bewegte Bilder gab es in St. Pölten bereits kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts: 1904 wurden im Schützenhaus im Hammerpark erstmals Filme gezeigt. Bald gab es ein Stadtkino im Grandhotel Pittner, 1913 errichtete Louis Geni am Mühlweg sein erstes fixes Kino. Fast hätte die Stadt 1923 ein weiteres Kino bekommen: Damals gab es Pläne für eine Nutzung der Prandtauerkirche als Kino.

Lange Theater-Tradition

Seit 1997 zeigt das Hollywood Megaplex publikumswirksame Filme, seit 2015 auch in IMAX-Qualität. Am Rathausplatz hält seit 2002 das Cinema Paradiso als preisgekröntes Programmkino die Kino-Tradition hoch, die 114 Jahre zuvor an der Traisen ihre ersten Gehversuche wagte. Weniger bewegt, aber gut ausgeleuchtet sind seit 82 Jahren die Werke der preisgekrönten Fotografen des ESV.

Früh startete in St. Pölten auch die Theater-Tradition: Das erste ständige Theater wurde 1820 am Rathausplatz anstelle einer militärischen Strafanstalt errichtet und wechselte 1847 in den Besitz der Stadt. 1969 erfolgte der letzte große Umbau. Bis vor dreizehn Jahren wurde im Stadttheater auch Musiktheater geboten, 2005 wurde das Haus vom Land übernommen und in Landestheater umbenannt.

St. Pöltens Literaten lieferten zwar nicht direkt „Stoff“ für das Theater am Rathausplatz, produzierten dafür aber viel beachtete literarische Qualität: Dichter-Legende Rainer Maria Rilke wohnte von 1886 bis 1890 als Schüler der Militär-Unterrealschule in der Stadt. Paula von Preradovic, die Verfasserin der Bundeshymne, war Schülerin bei den Englischen Fräulein. Auch Emil Mario Vacano machte als Literat und Zirkusartist nachhaltig von sich reden.

Dem geschriebenen Wort widmet sich seit 35 Jahren auch das Theaterensemble Perpetuum, seit 28 Jahren zeigt die Bühne im Hof die Vielfalt der Kleinkunst.

Musik- und Festivalstadt

Deutlich älter als die St. Pöltner Zeitung ist die Musikschule , die vor 180 Jahren vom Musikverein 1837 gegründet wurde. Österreichs älteste und Niederösterreichs größte Musikschule teilt sich die Statuten mit dem 20 Jahre älteren Wiener Konservatorium. 2018 feiert die Musikschule ihr 180-Jahr-Jubiläum, mit dabei auch das 20 Jahre alte Ballettkonservatorium. Langjährige Tradition hat auch die Pflege sakraler Musik durch die Dommusik.

Mit Tanz und Musik wartet seit 1997 das Festspielhaus im Kulturbezirk auf, das regelmäßig die Creme de la Creme zeitgenössischen Tanzes holt.

Zahlreiche Vertreter der Popular- und Rock-Musik wie Espresso, Paul Coxx und Peter Pan, die Vocal-Groove-Band Bauchklang und viele mehr machten St. Pölten zum El Dorado der U-Musik.

Im 20. Jahrhundert ist St. Pölten zur Festival-Stadt geworden – mit dem 45 Jahre alten Festiva Musical Sacra, dem Barockfestival und dem Frequency, das seit zehn Jahren renommierte Musik-Acts und bis zu 120.000 Gäste in die Stadt holt.