Waldviertler Wurzeln: Der Bezirk gibt der NÖN den Namen. Im Waldviertel war die gedruckte Nachricht schon Jahrzehnte vor der NÖN-Dachmarke in jedem Haushalt fest verankert. Der lange Weg vom ersten Wort 1869 zur Pilotregion.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. November 2020 (04:29)
Christian Freitag

Als die NÖN gegründet wurde, hatte der Journalismus im Waldviertel schon fast hundert Jahre am Buckel: Das Waldviertel und die NÖN sind vielmehr seit so vielen Generationen untrennbar miteinander verbunden, und die NÖN ist so stark in der Region verwurzelt, dass sie für Tausende Haushalte auch im 55. Jahr noch die Kremser Zeitung , die Gmünder Zeitung , die Horner Zeitung , die Waidhofner Zeitung oder die Zwettler Zeitung ist. Mehr als hundert angestellte bzw. freie Mitarbeiter aller Altersgruppen vom Schüler bis zum Pensionisten arbeiten mittlerweile nicht mehr nur Woche für Woche, sondern Tag für Tag an der Versorgung der Bevölkerung mit politischen, wirtschaftlichen, sportlichen und gesellschaftlichen Nachrichten.

Von Krems aus über den Manhartsberg. Die sanfte Eroberung des Waldviertels durch die NÖN erfolgte von Krems aus. Das Kremser Volksblatt wurde 1869 von Pfarrer Josef Kinzl gegründet – ein Jahr nach dem St. Pöltner Boten, der „Mutter“ der NÖN. Kinzl war Viertelssekretär im Landtag und federführend an der Gründung des „konstitutionellen Volksvereins für das Viertel ober dem Manhartsberg“ beteiligt. Nach einer Statutenänderung wurde aus der politischen Gruppierung 1874 der „Katholische Pressverein der Diözese St. Pölten“. Dessen Zweck sollte es sein, „aus christlichem Geist zur Information und Bildung der Bevölkerung zur Förderung des Gemeinwohls beizutragen“. Das Kremser Volksblatt wurde bis 1887 von Kinzl geleitet, dann erwarb der „Katholische Preßverein für Niederösterreich“ diese Zeitung. Am Heiligen Abend 1887 erschien das Blatt erstmals als „Kremser Zeitung“. Gedruckt wurde die „Kremser Zeitung“ nun in der Vereinsdruckerei Josef Kehl. Kehl blieb der Erfolg mit dem Blatt verwehrt, so gab er es an den „Preßverein St. Pölten“ zurück.

Gründerwelle an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. In den 1890er-Jahren wurde eine „Zwettler Zeitung“ herausgegeben, aber 1904 – zu einer Zeit, als eine neue Gründungswelle die NÖ Zeitungslandschaft umkrempelte – kam die „Eggenburger Zeitung“ hinzu. 1905 folgte mit der Gründung der „Gmünder Zeitung“ der nächste große Schritt.

Letzterer war durch den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Gmünd bedingt. Sie zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit mehr als 10.000 Einwohnern zu den aufstrebenden Städten des Landes. Nachdem zuvor die anderen Waldviertler Bezirke schon von Krems aus mitversorgt worden waren, übernahm nun Gmünd diese Aufgabe: Die Gmünder Zeitung, die zur Gänze in Gmünd produziert und gedruckt wurde, enthielt Meldungen aus den Bezirken Waidhofen und Zwettl. Das damals alle zwei Wochen erscheinende Blatt beinhaltete Anfang des 20. Jahrhunderts Lokalnachrichten, politische Artikel und einen Kulturteil. 1912 stellte man auf wöchentliches Erscheinen um. 1913 wurde die „Eggenburger Zeitung“ in den St. Pöltner Preßverein integriert.

Neue Konkurrenz. Das Ende des Ersten Weltkrieges läutete auch für das Zeitungswesen in Österreich eine schwierige Zeit ein. In Krems gelang es allerdings Herbert Faber, dem Sohn des damaligen Druckereibesitzers, ab 1919 seinen Faber-Verlag auszubauen. Die „Land-Zeitung“ des Faber-Verlags stellte in dieser Phase eine große Konkurrenz zur „Kremser Zeitung“ dar.

Beendet wurde dieser Konkurrenzkampf während des Zweiten Weltkrieges durch die Gleichschaltung der Presse. In diesem traurigen Kapitel der österreichischen Geschichte wurden die bestehenden Zeitungen des Preßvereins zu Propagandablättern der Nationalsozialisten umfunktioniert.

Gedruckte „Dreieinigkeit“. Ähnlich wie nach dem ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts fanden Zeitungsmacher auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine einfachen Verhältnisse vor. Zunächst brachten die drei damals regierenden Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ die „Dreieinigkeitsblätter“ heraus. In diesen Zeitungen stand den Parteien zu gleichen Teilen Platz zur Verfügung. Später, als die Einigkeit zwischen den Parteien dem Konkurrenzkampf wich, setzten die jeweiligen politischen Gruppierungen auf eigene Printmedien.

„Waldviertler Wegweiser“ hin zum gemeinsamen Ziel. In diese Zeit fiel die Entstehung des NÖ Pressehauses in St. Pölten, damals im Besitz der NEWAG (Vorläufer der EVN). Nach einigen Konflikten zwischen den Eigentümern ging der Pressverein zur Gänze (wieder) in kirchlichen Besitz über und wurde in „NÖ Zeitungs-GesmbH St. Pölten“ umbenannt. 1946 wurde zunächst die „St. Pöltner Zeitung“, dann die „Kremser Zeitung“ und schließlich „Der Waldviertler“ herausgegeben. „Das Waldviertler Heimatblatt“ erschien ab 1945, von 1949 bis 1967 als „Waldviertler Wegweiser“. Die St. Pöltner Zeitungs-GesmbH setzte die Eroberung des Waldviertels mit dem Kauf der „Waldviertler Post“ weiter fort. Sie wurde als Kopfausgabe der „Eggenburger Zeitung“ geführt.

Ein einschneidendes Jahr war 1960: Die „Waldviertler Post“ wurde zur „Horner Zeitung“, „Der Waldviertler“ wurde in die Lokalausgaben „Gmünder Zeitung“, „Waidhofner Zeitung“ und „Zwettler Zeitung“ gesplittet. 1965 erschienen insgesamt 13 Lokalzeitungen erstmals unter der Dachmarke „Niederösterreichische Nachrichten“.

Seit 55 Jahren starke Truppe im landesweiten Verbund. Die Waldviertler Ausgaben konnten sich im großen NÖN-Verbund auch in Zeiten wachsenden Drucks durch Gratis- bzw. Online-Formate als starke Zugpferde mit hoher Lesertreue und stetem Mut zur Innovation behaupten. Nicht umsonst fand der Siegeszug der regionalen NÖN-Kompetenzzentren im Waldviertel seinen Anfang: 2018 wurde in der Marktgemeinde Vitis (Bezirk Waidhofen) in der verkehrstechnischen Mitte – direkt an der Bundesstraße – der „Waldviertler Newsroom“ für die Redaktionen Gmünd, Horn, Waidhofen und Zwettl eingerichtet. Hier laufen die Fäden für 15 angestellte und etwa 70 freie Mitarbeiter aus den vier Bezirken zusammen (Krems hat nach wie vor ein eigenes Büro).

Babyelefant hat Platz. 24 moderne Laptop-Arbeitsplätze, die bei Bedarf ins Homeoffice übersiedeln, stehen hier in neun Tischgruppen bereit. Platzprobleme gehören der Vergangenheit an: Die großflächige Büro-Landschaft, die auch zwei Aufenthaltsbereiche beinhaltet, bietet auch in Coronazeiten Platz für eine stattliche Babyelefanten-Familie. Das Pilotprojekt war in jeder Hinsicht ein Erfolg, das danach auch landesweit Nachahmer fand.