Waltraut Haas im Portrait: Die Liebe und die Knödel. Film- und Bühnen-Ikone und NÖN-Ehren-Leopold-Preisträgerin Waltraut Haas über ein junges Talent, eine lange Liebe, eine russische Rettung und die besten Marillenknödel.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. November 2020 (04:40)
Auf der Schaukel: Waltraut Haas 2005 mit ihrem Lebenspartner und Ehemann Erwin Strahl (er stirbt sechs Jahre später). Geheiratet hat das Paar ein Jahr, nachdem die erste NÖN erschienen ist – und natürlich „filmreif“.Marschik
Erich

Sie war das „Mariandl“ und die „Rose vom Wörthersee“. Sie war das Wiener Mädl und die Rössl-Wirtin. Sie spielte im „Tatort“ und trat bei „Wetten, dass ...?“ auf. Sie war eine entrüstete Oma und die Mutter des Jedermann. Vor allem aber spielte die gebürtige Wienerin, die erst eine Schneiderlehre begonnen hatte, Theater – leidenschaftlich und publikumsnah. „Theater war mir immer das Wichtigste. Man konnte natürlich auch gut verdienen, beim Film, aber das Theater, der Kontakt mit dem Publikum waren mir immer das Allerwichtigste.“ Sagt die 93-Jährige, die erst heuer wieder auf der Sommertheaterbühne stand, in Weißenkirchen, bei ihrem Sohn Marcus Strahl.

2005 hatte dieser die dortigen Wachaufestspiele übernommen. Und 2005 begann auch Waltraut Haas’ ständiger Kontakt mit der NÖN. Startreffs, Kooperationen, damals noch mit NÖN-Marketing-Chef Martin Lammerhuber. Und – wieder – der „Hofrat Geiger“, diesmal, 2005, auf der Theaterbühne, und das fast 60 Jahre nachdem sie mit dem gleichnamigen Filmklassiker bekannt geworden war. Damals, 1948, war auch die erste Zeitungsschlagzeile über Waltraut Haas, eine „Hymne“ auf das Mariandl, also den „Hofrat Geiger“, der „irrsinnig gut ankam“, erschienen. Auch weil da eine mit dabei war, die ‚ein vielversprechendes Talent‘ sei.

1965 war aus dem Talent längst eine renommierte Theaterschauspielerin geworden, die am Raimundtheater spielte, die „Csardasfürstin“, später auch im „Weißen Rössl“. 1965 war auch das Jahr, in dem Waltraut Haas mit ihrem ersten Sohn schwanger war – was aber tragisch endete, da Michael nach drei Tagen im Brutkasten starb.

Ihr Sohn Marcus kam drei Jahre später, 1968, zur Welt. Da war „die Haas“ schon zwei Jahre mit ihrem Lebenspartner und Schauspielkollegen Erwin Strahl verheiratet. Und spielte wieder Theater, ging mit ihrem Mann auf Tournee, in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Spielte auch Operette, vor allem aber Komödien. „Das war die Zeit des Boulevardtheaters in Deutschland.“ Ihre „größte Filmzeit“, wie sie sagt, war da schon vorbei. Wobei: Gedreht hat sie noch mit 90, und zwar ihren 85. (!) Spielfilm.

Mit Niederösterreich verbunden

Mit Niederösterreich verbindet die im Juni 1927 in Schönbrunn Geborene viel. Und das schon seit langem. Beim Filmdreh zum „Hofrat Geiger“ wohnte sie in Dürnstein, im „Löwenherz“, in der Nähe war dort ein Russenlager, wovor das Filmteam eher Angst hatte.

Maria Andergast, im Film die Wirtin des Spitzer Gasthauses, war einmal sogar mitten in der Nacht von den Russen verhaftet worden. Und wurde von Waltraut Haas gerettet, indem sie den Produzenten (Hans Moser hatte selbst zu viel Angst vor den Russen und machte die Zimmertür gleich wieder zu) im Nachbarhotel informierte und die „Mirli“ im Nachtgewand wieder aus dem Gefängniswagen herausholte. Auch die besten Marillenknödel kommen für Waltraut Haas aus der Wachau, und zwar „vom Kirchenwirt in Weißenkirchen“.

Und was kommt für sie, die Unermüdliche, als Nächstes? „Ein paar Auftritte mit Herbert Strobl als Moderator, begleitet von Markus Vorzellner. Da erzähl’ ich aus meinem Buch, aus meinem Leben.“ Geplant ist außerdem eine szenische Lesung, mit zwei (männlichen) Partnern – mehr darf aber noch nicht verraten werden.