„Gegen Corona an vorderster Front!. Peter Gonda, der Präsident der Apothekerkammer NÖ, betont: „Die Apotheken sind Teil der so genannten kritischen Infrastruktur!“

Erstellt am 08. April 2021 (13:35)
Blick in die Zukunft: „Die e-Card wird mehr und mehr in die Abläufe in der Apotheke integriert. Dasselbe gilt für das e-Rezept und nicht zuletzt für den e-Impfpass“, sagt
Peter Gonda.
 
Carina Walte

Herr Präsident, die Coronazeit stellt uns alle vor riesige Herausforderungen. Welche Rolle spielen die Apotheken in der Pandemie?
Mag. pharm. Peter Gonda: Niederösterreichs Apotheken sind Teil der so genannten kritischen In-frastruktur! Sie stellen die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und Gesundheitsberatung sicher, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Darüber hinaus sind wir gerade jetzt eine zentrale Anlaufstelle für jene Menschen, die wegen der Pandemie stark verunsichert sind.

Zu Beginn der Pandemie im März des Vorjahres war diese Verunsicherung besonders groß. Wie haben die Apothekerinnen und Apotheker reagiert?
Gonda: Die Apothekerschaft hat sofort alle Weichen gestellt, um die Arzneimittelversorgung der Menschen weiterhin rund um die Uhr garantieren zu können – und das vor allem sicher. Plexiglaswände zum Schutz der Mitarbeiter, aber auch zum Schutz der Kundinnen und Kunden. Bildung von zwei Teams beim Apothekenpersonal. Festlegung von maximal anwesenden Personen im Verkaufsraum. Nicht zu vergessen die Herstellung von Desinfektionsmitteln vor Ort. Ich denke, in den niederösterreichischen Apotheken fühlten und fühlen sich die Menschen einfach sicher.

Apothekerinnen und Apotheker genießen bei der Bevölkerung ein hervorragendes Image. Hat Corona etwas dazu beigetragen?
Gonda: Wir arbeiten immer mit großem Engagement, und das wird von den Niederösterrei-cherinnen und Niederösterreichern, wie ich glaube, auch so gesehen. Aber zweifellos haben wir seit Beginn der Coronakrise noch mehr Rückenwind als sonst, denn welch verlässliche und vielseitige Institution die Apotheke tatsächlich ist, wurde gerade unter den für alle sehr schwierigen Bedingungen wohl jedem klar.

Apropos Engagement: Die Apotheken sind momentan zum Teil sehr intensiv in das Antigen-
testen involviert. Warum?

Gonda: Das Testen ist neben dem Impfen die wichtigste Maßnahme zur effektiven Bekämpfung dieser Pandemie.
Österreichs Apotheken allein verzeichnen etwa 400.000 Kundenkontakte pro Tag, da ist es selbstverständlich angesagt, sich in der ersten Reihe zu engagieren.

Sie erwähnen das Impfen: Wäre es dann nicht sinnvoll, wenn die Apothekerschaft in Zukunft auch hier aktiv tätig werden würde?
Gonda: Genug Beispiele aus aller Welt zeigen, dass das Impfen in der Apotheke die Durchimpfungsraten in der Bevölkerung deutlich erhöht. Der niederschwellige Zugang der Apotheken spricht dafür. Wenn die Politik uns mit dem Impfen beauftragt, werden wir Apothekerinnen und Apotheker bereitstehen. Momentan erlaubt es die gesetzliche Lage nicht.

Kommen wir zurück zum Testen:. Die COVID-19-Antigentests in den Apotheken werden von der Bevölkerung gut angenommen. Warum ist das so?
Gonda: Wir alle wissen: Ohne Testen keine effiziente Pandemie-Bekämpfung. Die meisten Apotheken versuchen, die zeitlichen Lücken der Teststraßen oder den lokalen Mangel an Testgelegenheiten zu bedienen und auszugleichen. Wir sind flexibel und agieren lokal, vergeben Termine, so gibt es keine langen Wartezeiten. Regionale Dienstleistung, das kommt natürlich gut an.

Groß war zuletzt auch der Run auf die sogenannten Wohnzimmertests, die von den Apotheken kostenlos abgegeben werden. Allerdings gab es auch Kritik, weil Tests manchmal nicht verfügbar waren …
Gonda: Es gab mitunter Engpässe bei den Lieferungen. Gründe waren logistische Probleme und auch verzögerte Zollabfertigungen. Die Apotheken-Teams warteten ebenso auf die Tests wie die Kundinnen und Kunden, wir sitzen im selben Boot. Sobald die Tests an die Apotheken ausgeliefert sind, übernehmen wir die Verteilung an die Bevölkerung. Wir verstehen natürlich die Verärgerung mancher Menschen, können hier aber nur um Verständnis bitten.

Der Verfassungsgerichtshof hat erst vor wenigen Tagen entschieden, dass rezeptfreie Medikamente weiterhin nicht in Super- bzw. Drogeriemärkten verkauft werden dürfen. Wie stehen Sie dazu?
Gonda: Über diese Entscheidung bin ich natürlich sehr froh. Man muss sich im Klaren sein: Arzneimittel sind keine Konsumgüter und sollten daher keinen marktwirtschaftlichen, kommerziellen Geschäftsinteressen unterliegen. Und schon gar nicht sollten sie ohne entsprechende Information und Beratungsmöglichkeit abgegeben werden. Denn auch rezeptfreie Medikamente können, bei unsachgemäßer Verwendung, wirklichen Schaden anrichten, nicht zu vergessen die Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln und anderen Arzneimitteln. Eine diesbezügliche Liberalisierung wäre aus Sicht der Apotheker alles andere als zum Vorteil der Leute gewesen. Im Übrigen bin ich fest davon überzeugt, dass die Performance der Apotheken im letzten Jahr und unser klares Aufzeigen, wie wir ex-trem rasch und effizient diverseste Probleme lösen, uns bei dieser Entscheidungsfindung der Höchstrichter mehr als nur ein bisschen geholfen haben.

Abschließend ein Blick in die Zukunft. Was können Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten von der Apotheke von morgen erwarten?
Gonda: Zunächst weitere Fortschritte bei der Digitalisierung und damit einhergehend wirk-liche Erleichterungen für die Kundinnen und Kunden. Die e-Card wird mehr und mehr in die Abläufe in der Apotheke integriert. Dasselbe gilt für das e-Rezept und nicht zuletzt für den e-Impfpass. Der Fokus liegt darauf, die Arzneimittelversorgung schneller und unbürokratischer zu machen. Das Medikationsmanagement, also die Analyse der gesamten von einem Menschen eingenommenen Medikamente zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch Identifizierung von arzneimittelbezogenen Problemen, wird weiter ausgebaut.

In Ihrer NÖN in Woche 15 liegt das Extra „Gesund sein in Niederösterreich“ bei.