Schwere psychische Belastung durch Krieg, Verfolgung und Flucht

Erstellt am 04. Mai 2022 | 16:21
Lesezeit: 2 Min
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Maria Werni, MSc, Vorsitzen-de des NÖ Landesverbands für Psychotherapie.
Foto: Fotoatelier Andrea Bichl, Mödling
Trauma und Traumafolgeschäden auch in unserer Bevölkerung möglich.
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Krieg verursacht extrem viel seelisches Leid. Durch die andauernde Lebensbedrohung erleiden viele Betroffene eine Traumatisierung, eine menschliche Reaktion auf extreme
Belastungen katastrophalen Ausmaßes. In der Folge kann es zu Angst- und Panikstörungen, Schlaflosigkeit, Albträumen, Flashbacks, Unruhezuständen und vieles mehr kommen.

„Bei Krieg sprechen wir von einem Kollektivtrauma, weil es eine ganze Bevölkerungsgruppe betrifft, so Maria Werni, MSc, Vorsitzende des Niederösterreichischen Landesverbands für Psychotherapie. „Für jeden nachvollziehbar ist, dass Menschen, deren Haus gerade zerbombt wurde, seelisch schwer belastet sind. Diese Personen zählen zu der Gruppe der primär Traumatisierten. Sie haben Angst um ihr eigenes Leben. Aber auch jene, die sich bereits retten konnten bzw. Angehörige, die in Sicherheit leben, leiden. Sie zählen zu den sekundär Traumatisierten. Sie haben Angst um das Leben ihrer Liebsten.“

Der Krieg hinterlässt jedoch auch Spuren bei Personen, die momentan gar nicht akut bedroht sind. Das trifft in Niederösterreich vor allem jene Menschen, die noch das Ende und die Folgen des 2. Weltkriegs und die russische Besatzungszeit oder auch den Jugoslawienkrieg miterlebt haben. Bei vielen von ihnen steigen jetzt wieder bereits vergessen geglaubte Bilder aus der Vergangenheit hoch und alte Wunden brechen wieder auf. Hier sprechen wir von tertiär Traumatisierten. „Das betrifft zum Beispiel unsere Omas und Opas. Sie stehen nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und können dennoch dringend Hilfe brauchen“, so Werni.

Eine weitere Gruppe sind die indirekt Traumatisierten, wie zum Beispiel Hilfskräfte, die sich um Traumatisierte kümmern, aber auch all jene, die sich durch die intensive Medienberichterstattung nicht ausreichend abgrenzen können. Hier gilt das Augenmerk ganz besonders unseren Kindern. Werni: „Durch Nachrichten via TV wird der Krieg mit intrusiven Bildern direkt in unsere Wohnzimmer geschwemmt. Auch so kann es zu Traumatisierung kommen. Schützen Sie Ihre Kinder!“