Was tun bei Kreuzbandriss?. Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Unfallchirurgie - Muss ein Riss des Kreuzbandes immer unbedingt operiert werden oder gibt es konservative Alternativen?

Erstellt am 19. März 2019 (14:49)
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Ob Schifahren, Snowboarden oder Fußballspielen: Ein Riss des vorderen Kreuzbands zählt zu den häufigsten Verletzungen von Profi- und Freizeitsportlern. Dann ist die Frage: Operieren oder konservativ behandeln?

Erfolg ohne Operation

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Prim. Univ.-Doz. Dr. Thomas Müllner

Ein kompletter Riss des vorderen Kreuzbands heilt selten völlig von allein aus und ist speziell beim aktiven Sportler ein klarer Fall für eine operative Sanierung. Muss man hingegen sein Knie im Alltag nicht stark belasten, rate ich üblicherweise von einer übereilten Operation ab. Liegen laut fachärztlicher Untersuchung und MRT-Kontrolle keine weiteren Bänderverletzungen oder knöcherne Ausrisse vor, kommt man in vielen Fällen auch mit konservativen Maßnahmen aus. Dazu zählen einerseits gezielte und konsequent durchgeführte Physiotherapie zum Aufbau und zur Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur. Je disziplinierter der Patient die vorgeschriebenen Übungen macht, desto rascher wird auch die Genesung erfolgen. In den ersten Wochen nach der Verletzung sollte man sich eine Bein stabilisierende, schützende Orthese anlegen lassen.

Was kann die Eigenbluttherapie?

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Weiters steht heute mit der Weiterentwicklung der ACP-Eigenbluttherapie eine hervorragende Möglichkeit zur Verfügung, die heilenden, körpereigenen Kräfte auch bei Bandverletzungen zu nutzen. Dabei wird etwas Blut mit einer Doppelspritze aus der Armvene entnommen und in eine Spezialzentrifuge gestellt. Binnen weniger Minuten setzt sich dabei plättchenreiches, hochkonzentriertes Blutplasma vom Rest der Blutbestandteile ab. Unmittelbar danach wird das herausisolierte Blutplasma in die betroffene Region gespritzt. Die hohe Konzentration an Thrombozyten wirkt entzündungshemmend und setzt körpereigene Wachstumsfaktoren frei, welche die Zellneubildung im Bandgewebe ankurbeln.

Wichtig zu wissen: Die ACPEigenbluttherapie stellt eine sehr gute Ergänzung zu physiotherapeutischen, muskelkräftigenden Maßnahmen dar, soll diese aber nicht ersetzen.

Wenn doch operiert werden muss...

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Erweist sich das Knie bei der Kontrolluntersuchung immer noch als deutlich instabil, ist eine operative Kreuzbandrekonstruktion ein Thema. Eine solche lässt sich heute längst arthroskopisch, also durchs Schlüsselloch, und anatomisch maßgerecht durchführen. Als besonders geeignet für aktive Menschen hat sich beim vorderen Kreuzbandriss die so genannte All-Inside-Technik erwiesen: Die Kanäle, in die die neue Sehne einwachsen muss, werden dabei vom Inneren des Kniegelenkes mit Spezialinstrumenten nach außen gebohrt und sind kürzer als bisher. Da die äußere Knochenschale weitgehend erhalten bleibt, wird das Gewebe mehr geschont, was die Schmerzbelastung reduziert. Die Methode ermöglicht auch eine optimale Stabilität: Die Sehne wird mit Spezialblättchen aus Titanium so verankert, dass das Band nicht ausreißen kann.

Ausschlussgründe für eine Kreuzband-OP

Obwohl die arthroskopische Kreuzbandrekonstruktion eine sehr Patienten-schonende Eingriffsmethode darstellt, müssen doch zwei Voraussetzungen gegeben sein: ein generell guter Gesundheitszustand und kein Vorliegen einer Arthrose im Kniegelenk.

Ausreichend viel körpereigenes Bandmaterial ist heute hingegen keine Bedingung mehr, da seit einigen Jahren die Möglichkeit besteht, Spendersehen (so genannte Allografts) erfolgreich zu transplantieren.

zVg Dr. Müllner

www.drmueller.at