Prozess um Betrug bei Autokauf in Amstetten. 6.000 Euro soll ein 28-jähriger Autoverkäufer veruntreut haben. Schriftliche Beweise gibt es keine, Zeugenaussagen schon.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 11. November 2020 (04:11)
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„Dass ich etwas extra hätte zahlen müssen und, dass das Auto nicht einmal bestellt worden ist, das habe ich erst bei der Polizei erfahren“, sagt Frau R. vor Gericht. Im Februar hatte sie bei einem Amstettner Autohaus ein Auto bestellt und 6.000 Euro Anzahlung geleistet.

„Ich habe mich nicht bereichert“

Der 28-jährige Autoverkäufer, dem ein Fehler beim Kaufvertrag passiert war, soll seine Kollegen um das Geld gebeten haben, um es Frau R. zurückzugeben. Die 6.000 Euro verschwanden, der korrigierte Kaufvertrag ist bis heute nicht aufgetaucht.

„Ich habe mich nicht bereichert“, sagt der Angeklagte. „Ich stand zu der Zeit sehr unter Stress und Zeitdruck.“ Er bestreitet, die Kollegin nach dem Geld gefragt und es erhalten zu haben. Eine Übernahmebestätigung gibt es nicht, sagt die Kollegin. „Das war im Rückblick dumm, aber ich habe ihm vertraut“, sagt sie. Ein anderer Kollege bestätigt, die Übergabe gesehen zu haben.

Kein Auto wegen eines Vertragsfehlers

Weil die Kundin wegen des Fehlers im Kaufvertrag eigentlich 10.000 statt 6.000 Euro Anzahlung hätte leisten müssen, habe es länger gedauert, den Vertrag zu korrigieren. Bestellt werden konnte das Auto daher nicht. Auf Nachfrage seiner Kollegen soll der Verkäufer behauptet haben, er sei dabei, alles zu klären und habe die Kundin informiert. Diese verneint das. Sie habe nicht gewusst, dass das Auto gar nicht bestellt worden war.

Der Richter findet die Aussagen des Angeklagten widersprüchlich und die Zeugen glaubhaft. Am Ende wird der 28-Jährige wegen Veruntreuung schuldig gesprochen. Er bekommt eine Probezeit von drei Jahren, im Raum stehen neun Monate Haft. „Wegen seines bisher ordentlichen Lebenswandels reicht die Androhung, um ihn von weiteren Straftaten abzuhalten“, erklärt der Richter.