Erstmals Wegweiser zur Gedenkstätte Mauthausen

Bei der Abfahrt St. Valentin auf der Westautobahn werden in beiden Fahrrichtungen Hinweisschilder angebracht.

Erstellt am 04. Mai 2018 | 12:48
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Konzentrationslager Mauthausen
Foto: Wodicka

Das ist auch der Unterstützung von FPÖ-Verkehrsminister Hofer zu verdanken. Möglich macht die Premiere ÖVP-Staatssekretärin Edtstadler.

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Wenn an diesem Sonntag, 6. Mai,  überlebende  Ex-Häftlinge und weitere Gäste der Gedenkveranstaltung zur traditionellen jährlichen Befreiungsfeier in das frühere Konzentrationslager Mauthausen im unteren Mühlviertel unweit der niederösterreichischen Grenze kommen, werden sie den Weg dorthin ohne eigene Beschilderung auf der Westautobahn (A 1) finden müssen. Aber wie Recherchen der NÖN ergeben haben, sollen bis zum Sommer erstmals Wegweiser auf der Autobahn zu der Gedenkstätte angebracht werden. Diese werden an beiden Richtungsfahrbahnen der A 1 bei den Ausfahrten St. Valentin in Niederösterreich montiert.

Auf andere Sehenswürdigkeiten oder Erinnerungsstätten werden die Autofahrer entlang der (nieder)österreichischen Autobahnen teils bereits seit Jahren aufmerksam gemacht. Die Gedenkstätte in Mauthausen, die an die Gräuel des Nationalsozialismus eindringlich erinnert, führte in dieser Hinsicht ein absolutes Schattendasein.

Das wird sich mit den beiden fix vorgesehenen eigenen Hinweisschildern jetzt ändern, auch wenn die Staatssekretärin im Innenministerium, das für die Gedenkstätte in Mauthausen zuständig ist, Karoline Edtstadler (ÖVP) noch nicht viel verraten will. „Es ist im Laufen“, wurde der NÖN jedoch auf Anfrage zu dem Projekt bestätigt.

Freiheitlicher Verkehrsminister hat rasche Entscheidung ermöglicht

Tatsächlich sind die Vorbereitungen längst so weit gediehen, dass spätestens bis zum Sommer mit der Montage der beiden Wegweiser auf der Westautobahn bei St. Valentin in Richtung Gedenkstätte gerechnet wird. Noch interessanter als die Tatsache, dass es jetzt dazu kommt, sind die Begleitumstände dieser Premiere. Denn ausgerechnet ein FPÖ-Politiker, Verkehrs- und Infrastrukturminister Norbert Hofer, hat wesentlich dazu beigetragen, dass es in wenigen Wochen soweit sein wird.

Das alles passiert jetzt gleichzeitig mit der Bekräftigung des Mauthausen-Komitees und mit dem Vorsitzenden Willi Mernyi, der auch Bundesgeschäftsführer der SPÖ-Gewerkschafter ist, im „Standard“, es würden keine FPÖ-Politiker zum Gedenkakt im ehemaligen Konzentrationslager eingeladen. Das geht wiederum auf eine Vereinbarung  mit Überlebenden von Mauthausen aus den 1960er Jahren zurück. Daran hat sich auch mit der jetzigen FPÖ-Beteiligung an der Bundesregierung nichts geändert.

Schilder können gegen einen bestimmten Preis montiert werden

Im Verkehrsministerium wurde auf NÖN-Anfrage betont, dass die Entscheidung für die Wegweiser bei St. Valentin nichts mit dem Umstand zu tun habe, dass FPÖ-Spitzenpolitiker nicht eingeladen seien. Hofer steht jedenfalls weiter dahinter, dass  die Hinweistafeln angebracht werden. Die Abwicklung erfolgt, wie in solchen Fällen bei der Anbringung von Hinweisschildern an Autobahnen üblich, über die Asfinag, die Autobahn- und Straßengesellschaft. Derartige Schilder können gegen einen bestimmten Preis pro Jahr montiert werden.

Der seit Mitte Dezember 2017 im Amt befindliche freiheitliche Verkehrsminister ist am 5. Februar in einem Schreiben (dieses liegt der NÖN vor) vom ehemaligen Bundesratspräsidenten Gottfried Kneifel auf die Problematik der fehlenden Ausschilderung zur Gedenkstätte Mauthausen hingewiesen worden. „Seit mehreren Jahren bemüht sich die Leiterin des Memorials Frau Dr. Barbara Glück“ um die Errichtung der Wegweiser, heißt es in dem Schreiben des aus Enns direkt an der NÖ-Landesgrenze stammenden ÖVP-Wirtschaftsbund-Politikers an Minister Hofer.

Jahrelang Bemühungen „leider ohne Erfolg“

Damit sollen vor allem internationale Besucher „die Gedenkstätte leichter erreichen können“. Er habe in seiner Zeit als Bundesratspräsident schon Hofers Vorgänger als Infrastrukturminister (diese kamen aus der SPÖ, Anm.) darum gebeten, schrieb Kneifel am 5. Februar dieses Jahres an den Verkehrsressortchef. Nachsatz: „Leider ohne Erfolg.“ Er ersuche daher um die Unterstützung des Anliegens von Leiterin Barbara Glück, heißt es weiter in dem Brief.

Was offenbar davor lange nicht möglich war, klappte unter dem blauen Verkehrsminister recht rasch.  Kneifel steht daher auch nicht an, sich dafür im Gespräch mit der „NÖN“ ausdrücklich bei Hofer zu bedanken. Mit Edtstadlers Unterstützung ist alles auf Schiene: Autofahrer werden in absehbarer Zeit in Richtung Wien wie auch in Richtung Salzburg auf der A 1 bei St. Valentin auch das Schild zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen sehen können