Daniel aus Euratsfeld: Mit dem Fahrrad bis nach London. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Erst recht, wenn er mit dem Rad von Euratsfeld quer durch Europa fährt.

Von Peter Führer. Erstellt am 01. Juni 2017 (05:56)
Punz
Erschöpft, aber glücklich erreichte Daniel Punz sein Reiseziel: London. Mit dem Fahrrad legte er dabei 1.749 Kilometer und 12.146 Höhenmeter zurück und durchquerte Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Belgien. Dabei konnten ihn auch mehrere „Patschen“ nicht vom Erreichen der englischen Hauptstadt abhalten.

Insgesamt waren es 1.749 Kilometer und 12.146 Höhenmeter, die Daniel Punz (26) aus Euratsfeld bei seiner Reise nach England per Fahrrad zurücklegte. „Rückblickend gesehen war es von Anfang bis zum Ende sehr spannend. Es war eine eigene Challenge, die ich mir gesetzt habe“, berichtet Punz von seinen Erfahrungen.

So ging die Reise am Sonntag, 30. April, um kurz nach sechs Uhr los. Am ersten Tag fuhr Punz nach Regensburg. „Dort bestellte ich mir gleich zwei Portionen Spaghetti, worauf die Kellnerin fragte, wann denn der Zweite kommt. Ich habe geantwortet: ‚Der ist eh schon da‘. Sie hat etwas verdutzt geschaut, während ich schon eingeschaufelt habe“, schildert der Euratsfelder.

Am nächsten Tag stand die Reise durch das deutsche Mittelgebirge auf dem Programm. Vor Sonnenaufgang startete Punz, der eigentlich Läufer beim LCU Euratsfeld ist, die 271 Kilometer lange Tagesetappe. Über zahlreiche Hügeln ging es bis Nürnberg und danach nach Wertheim. Dauerregen machte dem Sportler dann am Dienstag zu schaffen. „Das war der härteste Tag“, so Punz.

Wenn Radwege eher Wanderwegen gleichen

Punz
Erschöpft, aber glücklich erreichte Daniel Punz sein Reiseziel: London. Mit dem Fahrrad legte er dabei 1.749 Kilometer und 12.146 Höhenmeter zurück und durchquerte Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Belgien. Dabei konnten ihn auch mehrere „Patschen“ nicht vom Erreichen der englischen Hauptstadt abhalten.

Entlang des Mains radelte der Euratsfelder nach Aschaffenburg. Besondere Herausforderung war dabei, dass die „Radwege“ oft eher Wanderwegen durch Wälder glichen und auch das Wetter wegen Dauerregens nicht mitspielte. Bis Mainz verlor Punz Zeit und erst nach 21 Uhr in der „letzten Sekunde der Dämmerung“ erreichte er das Tagesziel Lonnig. Dort empfing ihn seine Tante, die ihn sogleich verköstigte und eine warme Dusche ermöglichte. „Ich war froh, dass ich den Tag geschafft habe, es war ein tolles Gefühl.“

Dem zermürbenden Dienstag folgte am Mittwoch ein ausgiebiges Frühstück und danach die Fahrt nach Luxemburg. Dort erreichte er den höchsten Punkt „Kneiff“ mit 560 Metern. Nach vier Tagen war die 1.000 Kilometer-Marke überschritten.

Tags darauf machte sich Punz auf den Weg zum höchsten Punkt Belgiens, bis ein Pffffff-Geräusch zu einem jähen Stopp führte. Punz fing sich seinen ersten „Patschen“ – verursacht von einem spitzen Stein – ein. Kein Problem, der Reifen wurde geflickt und somit stand auch dem nächsten Reiseziel – dem höchsten Punkt der Niederlande beim Dreiländereck – nicht mehr viel im Wege.

Ein Spaziergang war der restliche Tag dann jedoch nicht mehr. Zwei weitere „Patschen“ forderten Tixo-Einsatz und den Reserveschlauch. Trotz Reparaturarbeiten musste der 26-Jährige die letzten acht Kilometer bis Lüttich mit wenig Luft im Hinterreifen fahren.

Punz
Das mitgenommene Fahrrad hatte bei der Fahrt mit der Fähre etwas Zeit für eine Ruhepause.

Nachdem Daniel Punz in Lüttich sein Rad mit neuen Schläuchen und einem neuen Mantel ausgestattet hatte, führte ihn sein Weg am Freitag über Brüssel zum Tagesziel Gent. Die Samstag-Tour sorgte für Zeitdruck, galt es für Punz doch, um 19.30 Uhr die Fähre zu erreichen. Je näher er dem Meer kam, desto stärker wurde der Wind. Dennoch machte Punz einen Abstecher nach Brügge, bevor es nach Calais ging.

Am Sonntag folgte in England dann das „Grande Finale“. Nach dem Start in Dover landete Punz unbeabsichtigt auf der Autobahn und musste dieser bis zur nächsten Ausfahrt folgen. Allen Widrigkeiten zum Trotz erreichte er schließlich am Nachmittag die Metropole an der Themse, wo schließlich Sight-Seeing auf dem Programm stand, ehe sich der 26-Jährige für die Rückreise auf dem Weg zum Flughafen machte.

Vor verschlossenen Flugzeugtüren

Dort war das Abenteuer allerdings noch nicht zu Ende. Aufgrund von Schwierigkeiten beim Einpacken des Fahrrades kam es zu Zeitverzögerungen, die letztlich dazu führten, dass Punz im Vollsprint zum Gate stürmen musste. Dennoch war das Gate bereits verschlossen. Über eine Absperrung stürmte Punz jedoch auf das Rollfeld, nachdem er gesehen hatte, dass sein Fahrrad bereits im Flugzeug aufgeladen wurde.

Ein Flughafen-Mitarbeiter holte noch einmal die Treppe und die Stewardess öffnete die Flugzeugtüre. Punz hatte es fünf Minuten vor Abflug doch noch ins Flugzeug geschafft. „Wie auch die Tage davor ist sich alles doch noch irgendwie ausgegangen“, schildert Punz. Nach dem Flug nach Salzburg ging es dann per Zug heimwärts.

Pläne für weitere mehrtägige Radausfahrten hat Daniel Punz derzeit übrigens noch nicht: „Ich habe noch nichts in diese Richtung geplant. Im Sommer werde ich aber eher wieder vermehrt wandern. Angedacht ist eine Besteigung des Elbruses, des höchsten Berges Russlands“, verrät Punz im NÖN-Gespräch.