Kilimandscharo-Aufstieg: „Am Gipfel war es grenzgenial“. Die Neuhofnerin Michaela Hirtenlehner und die Linzerin Beatrice Schrammel bestiegen den 5.895 Meter hohen Kilimandscharo.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 04. Mai 2019 (05:14)
Michaela Hirtenlehner (links) und Beatrice Schrammel mit ihren beiden Zertifikaten, die ihre Kili-Besteigung bestätigen.
privat

„Die Besteigung des Kilimandscharos hat unsere Freundschaft noch mehr gefestigt“, gestehen Michaela Hirtenlehner (25) und Beatrice Schrammel (28). Die beiden diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sind geübte Bergsteigerinnen und haben schon so manchen Gipfel gemeinsam erklommen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Im September des Vorjahres haben wir dann bei der Besteigung des 3.168 Meter Hohen Riffler in Tirol den Entschluss gefasst, dass wir uns als nächsten Berg den Kilimandscharo vornehmen“, berichten die beiden Freundinnen. „Wir dachten uns, geben wir halt nochmals gute 2.500 Meter drauf und marschieren wir los!“ Dies tun die beiden Bergkameradinnen jedoch stets mit viel Respekt und Demut dem jeweiligen Berg gegenüber. Für sie ist eine Tour erst beendet, wenn sie wieder im Tal sind. „Den Gipfel zu erreichen, ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Doch wir gehen niemals ein Risiko ein.“

Intensive Vorbereitung vor dem Reisebeginn

Auf ihre Tour in Afrika bereiteten sie sich besonders vor – nicht nur ausrüstungsmäßig, sondern auch physisch und mental. Dafür standen dann noch mehr Berg- und Schitouren und Laufen auf dem Programm als sonst. Wer auf den Kili will, der muss schließlich fünf Klimazonen überwinden.

Los ging es für die beiden Ladys am 2. März dieses Jahres. Eine Woche nahmen sie sich Zeit zum Akklimatisieren. Der Aufstieg, der ausschließlich mit Guides stattfindet, begann schließlich mit fünf weiteren Bergsteigern am 9. März. „Die Anweisung ‚pole pole‘, das übersetzt ‚langsam‘ bedeutet, klingt uns heute noch in den Ohren, aber sie kam nicht von ungefähr. Denn der Temperaturunterschied von 30 Grad am Gate bis zu minus 10 Grad am Gipfel war schon gewaltig. Zudem wurden wir angehalten, viel zu schlafen, viel zu essen und viel zu trinken. Los ging es immer um 6 Uhr in der Früh, Schlafenszeit war zwischen 19 und spätestens 20 Uhr. Unser Ziel war von Anfang an, es gemeinsam bis zum Kibo, also bis zum Uhuru Peak, zu schaffen – was uns letztendlich auch gelang.“

Immer weiter ging es Richtung Gipfel

Tag 1, der 9. März, begann mit dem Aufstieg über die Machame Route auf 2.835 Meter. Dazu benötigten Michaela und Beatrice fünfeinhalb Stunden. Am zweiten Tag ging es in sechs Stunden ins Shira Camp auf 3.750 Meter. Tag 3 führte auf den Lavatower in 4.600 Meter Höhe und wieder hinunter auf 3.900 Meter ins Baranko Camp mit einer Gesamtgehzeit von sieben Stunden. Am Tag 4 ging es in vier Stunden zum Karanga Camp auf 4.673 Meter und danach ins Barafu Camp. Gesamtgehzeit waren acht Stunden. Um Mitternacht am 13. März ging es dann nochmals in acht Stunden auf den Uhuru Peak. „Es war grenzgenial, auf dem Gipfel zu stehen“, berichten Michaela und Beatrice. „Doch wir hielten uns dort nur rund zehn Minuten auf, machten ein Foto und dann ging es sofort wieder an den etappenweisen Abstieg.“

Probleme mit der Höhe hatten die beiden Frauen so gut wie nie. Ihre Kondition und auch ihre innere Einstellung haben wohl dazu beigetragen. „Nur am dritten Tag verspürten wir ein wenig Kopfschmerzen, die mit ausreichend Flüssigkeit wieder leicht in den Griff zu bekommen waren.“ Was der Neuhofnerin und der Linzerin zudem immer in Erinnerung bleiben wird: Das Zähneputzen unterm afrikanischen Sternenhimmel. „So viele Sterne und so klar haben wir sie noch nie erlebt! Und, dass wir bei dieser Tour auf das Wesentliche reduziert waren. Pro Person mit nur 15 Kilogramm Gepäck und nur einer kleinen Schüssel Wasser für die tägliche Hygiene.“

Am Schlafplatz am Kilimandscharo konnte man einen herrlichen Ausblick genießen.Schrammel
Hirtenlehner

Dass der Aufstieg auf den Kili alles andere als ein Spaziergang ist, liegt auf der Hand, wenn man sich vergegenwärtigt, dass nur rund 50 Prozent all jener, die ihn jährlich in Angriff nehmen, es tatsächlich auch bis zum Uhuru Peak schaffen. Michaela und Beatrice gehören dazu. Sie durchquerten den Regenwald, Heide- und Grasland, Lavagestein, Felsenwüste sowie Schnee und Eis und erhielten dafür Zertifikate, die sie als Nummer 111.427 und Nummer 111.428, die den Kili erklommen haben, ausweisen. „Darauf sind wir schon stolz“, gestehen sie. „Danach haben wir dann noch eine Woche Badeurlaub in Sanibar angehängt und waren es gar nicht mehr gewohnt, zu faulenzen!“

Und welchen Berg gehen die beiden als nächsten an? „Wir wollen, wenn es irgendwie geht, im kommenden Jahr auf den 5.642 Meter hohen Mount El-brus im Kaukasus. Wir melden uns dann bei den NÖN, wenn es so weit ist!“