Chefs setzten kranke Arbeiter unter Druck. Arbeiterkammer berichtet von vielen Fällen, in denen Firmen Entgeltfortzahlung auf Krankenkasse abwälzen wollten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 21. Februar 2018 (05:27)
Knapp
Präsentierten eindrucksvolle Bilanz: Arbeiterkammerbezirksstellenleiter Robert Schuster und Kammerrätin Susanne Schwingenschlögl.

Über Arbeitsmangel können sich die Berater der Arbeiterkammer nicht beschweren. „Zurzeit werden wir oft damit konfrontiert, dass Arbeitgeber kranke Arbeitnehmer bedrängen, das Dienstverhältnis einvernehmlich aufzulösen, meist mit einem Wiedereinstellungsversprechen, wenn sie gesund sind“, berichtet Kammerrätin Susanne Schwingenschlögl.

„Zahlen müssen das dann also wir alle“

Die Arbeitgeber wollten sich auf diese Weise Lohn und Gehalt ihrer Mitarbeiter sparen, weil sie damit die Entgeltfortzahlung auf die Krankenkassen abwälzen. „Zahlen müssen das dann also wir alle und die betroffenen Beschäftigten haben auch den Nachteil, dass sie nach einer Kündigung im Krankenstand nur noch 55 Prozent ihres Nettolohnes bekommen.“

AK-Bezirksstellenleiter Robert Schuster berichtet von zwei besonders verwerflichen Fällen: Eine Kellnerin erhielt im Krankenstand von der Gebietskrankenkasse die Mitteilung, dass sie nur mehr geringfügig beschäftigt sei.

„Ihr Chef hatte ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung einfach ihre Arbeitszeit reduziert“, sagt Schuster. „Dadurch verlor sie mitten im Krankenstand auch noch ihre Krankenversicherung. Da ihr noch eine Operation bevorstand, hätte sie diese aus eigener Tasche zahlen müssen.“

Nach Intervention der Arbeiterkammer meldete der Wirt die Frau nachträglich wieder mit der normalen Arbeitszeit an und zahlte ihr 1.300 Euro nach.

Chef meldete Frau im Krankenstand ab

Auch der zweite Fall betraf eine Beschäftigte im Gastgewerbe. Sie verletzte sich am 30. Mai 2017 im Betrieb an der Kühlraumtür. Der Arbeitgeber verlangte von ihr, sie solle im Krankenhaus einen Freizeitunfall melden, weil er Kontrollen seines Betriebes befürchtete.

„Er hat ihr versichert, dass er sie nicht kündigen werde. Als sie sich dann am 25. Juli gesund meldete, kam die böse Überraschung. Ihr Chef hatte sie während des Krankenstandes und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist von der Sozialversicherung abgemeldet“, berichtet Schuster. Die AK schaltete sich ein und der Wirt hatte letztlich ein Einsehen. Er überwies 1.375 Euro an die ehemalige Mitarbeiterin.

Ab 1. Juli wird die Kündigung von Mitarbeitern im Krankenstand für die Arbeitgeber allerdings nicht mehr so reizvoll sein. Denn an diesem Tag kommt es zu einer rechtlichen Änderung.

„Wird ein Arbeitsverhältnis im Zusammenhang mit einem Krankenstand aufgelöst, muss der Arbeitgeber dennoch volle Entgeltfortzahlung leisten. Diese beträgt dann schon ab einem Dienstjahr acht Wochen, bisher war das erst nach fünf Dienstjahren so“, berichtet Schwingenschlögl. Die Regelung gilt für Angestellte und Arbeiter – da wirft die gesetzliche Angleichung beider Berufsgruppen ihre Schatten voraus.

Rund 4,38 Millionen Euro hat die Arbeiterkammer im Bezirk übrigens im Jahr 2017 für ihre Mitarbeiter erstritten (siehe Infobox). „Meine Leute leisten tolle Arbeit. Wir sind ja jeden Tag mit negativen Dingen konfrontiert. Aber wenn wir Leuten helfen können, ist das die beste Motivation“, sagt Schuster.