Mit dem Fahrrad durch 30 Länder. Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben. Das dachte sich der Neuhofner Alex Litzellachner. Er erkundete mit dem Fahrrad die Welt.

Von Peter Führer. Erstellt am 02. Juli 2019 (06:17)
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„Als wir die Fahrräder an die Schüler verteilten, war die Freude in deren Gesichter groß und sie fingen sofort an zu radeln. Das Funkeln in deren Augen war herzergreifend.“

Costa Rica, mitten im Dschungel: Plötzlich bricht ein heftiger Regensturm herein. Die Straßentäler sind binnen kürzester Zeit überflutet. Das Wasser steigt und steigt, bis es hüfthoch zu einem reißenden Fluss wird. Von einem Dorf oder Haus weit und breit keine Spur. Von Handy-Empfang ganz zu schweigen. Was also tun? Einzige Lösung: Notcampen und warten, bis das Wetter besser wird. Das Ganze zu den Geräuschen der „Howler Monkeys“. Jenen Affen, deren Brüllen schon bei „Jurassic Park“ als Dinosauriergebrüll für Angst und Schrecken sorgte. Doch wie kam der Neuhofner Alex Litzellachner (31) überhaupt in diese Situation? Ganz einfach: Er war auf Weltreise. Und zwar mit dem Fahrrad.

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Die Reiseroute: Insgesamt legte Alex Litzellachner 16.560 Kilometer mit dem Fahrrad zurück.

Über ein Jahr radelte er rund um den Globus. Insgesamt 16.560 Kilometer lang sah er die Landschaft an sich vorbeiziehen und durchstreifte dabei 30 Länder. Anfang Juni kehrte er nach Hause zurück. Von einer Reise, die Spuren hinterließ ...

Den Grundstein dafür legte der 31-jährige IT-Projektmanager bereits vor vier Jahren. Dort überredete ihn ein Freund, mit dem Fahrrad von Wien nach Budapest zum „Sziget“-Festival zu fahren. „Ich war völlig ungläubig, 300 Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen. Aber wir haben es durchgezogen. Nach einem Blick auf die Weltkarte war ich sehr erstaunt, dass wir diese Distanz mit dem Fahrrad ganz easy geschafft haben“, erinnert er sich zurück.

Traumhafte Idee und rein ins Abenteuer

Nach dem Abschluss seines Wirtschaftsinformatik-Studiums wollte sich Litzellachner mit einer Auszeit belohnen. „Ich war aus ökologischen Gründen nie ein großer Reisender, aber ich mag Herausforderungen und Dinge, die nicht jeder macht. Daher kam mir wahrscheinlich im Traum die Idee, mit dem Rad um die Welt zu fahren.“

An den Start, raus aus der Komfortzone und rein ins Abenteuer ging es dann im Mai des Vorjahrs. Gegliedert war die Tour in vier Etappen (siehe Infobox). Zahlreiche, wunderbare Begegnungen und Highlights erlebte Alex Litzellachner in dieser Zeit. Perfekte Wellen, die zum Surfen einluden, unglaubliche Sonnenuntergänge in Costa Rica, pure Exotik in Myanmar. „Einerseits das ärmste Land auf meiner Route, und doch zugleich jenes mit den meisten lachenden Gesichtern. Das gibt zu denken“, so Litzellachner.

Atemberaubende Berge in Nepal. Und die riesige Gastfreundschaft in der Türkei blieben ihm ebenfalls in Erinnerung. „Die Leute waren überall nett zu mir, aber in der Türkei war es ganz arg. Man bleibt kurz in einem Dorf stehen, um zu navigieren, kommt schon der Bäcker herausgerannt und drückt einem ein frischgebackenes Brot einfach so in die Hand.“ In jedem Dorf in der Türkei habe es mindestens einen gegeben, der Deutsch sprach. Es waren ältere Männer, ehemalige Gastarbeiter in Deutschland. „‚Wo kommst du her?‘, fragten sie oft. Als ich antwortete, aus Wien, hörte ich dann: ‚Oh, das ist aber eine weite Reise mit dem Fahrrad.‘ Irgendwann hab‘ ich damit aufgehört, zu erklären, dass ich den längeren Weg von der anderen Richtung gekommen bin.“

Eine rührende Hochzeitsüberraschung

Im Süden von Myanmar luden ihn Mönche zur Übernachtung im Kloster ein, in Indien war er bei einer Hindu-Hochzeit dabei. Es war übrigens nicht die einzige Hochzeit. „Einer meiner besten Freunde heiratete Anfang Juni in Tschechien. Ich musste ihm absagen, weil es sich laut meinem Zeitplan nicht ausging, rechtzeitig zurückzukommen. Doch in Sofia rechnete ich mir aus, dass ich es schaffen könnte, wenn ich die letzten 1.200 Kilometer richtig Gas gebe.“

Die Braut ließ den Bräutigam darüber im Unwissen. „Als ich ankam, standen ihm Freudentränen im Gesicht – kurz darauf auch bei mir. Die Leute auf der Hochzeit fragten mich, wann ich denn von meiner Reise heimgekommen sei. ‚Noch gar nicht‘, antwortete ich ‚ich bin noch immer unterwegs.‘“ Ein Freund hatte ihm aus Wien den Anzug mitgebracht.

Überwältigt von der vielen Gastfreundschaft entwickelte der IT-Projektmanager während der Reise das Bedürfnis, etwas zurückzugeben. Vor allem, da er zwar Geld angespart hatte, aber oft zu Essen und Unterkunft eingeladen wurde. In Nepal traf Litzellachner schließlich den Sozialarbeiter Pushkar Shah. Er reiste vor einigen Jahren ebenfalls mit dem Fahrrad um die Welt.

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Alexander Litzellachner bei seiner Rückkehr nach Wien, die er mit Freunden und Familie feierte. Drei Freunde begleiteten ihn für die letzten 60 Kilometer. In der Hand hält er die „International Flag of Planet Earth.“ „Damit bringe ich zum Ausdruck, dass ich nicht nur Neuhofner, Österreicher oder EU-Bürger bin, sondern in erster Linie Bürger des Planeten Erde, den wir alle unabhängig von Grenzen miteinander teilen und den wir gemeinsam schätzen und schützen sollten.“

„Eines Abends kamen wir auf die Idee, Fahrräder für Kinder zu spenden, deren Familien sich sonst keines leisten könnten. Kindern das am meisten Freiheit spendende Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, das es gibt, schien mir ein vernünftiger Zweck zu sein. Die Spende wurde eigentlich nur von all den großzügigen Leuten rund um die Welt ermöglicht, die ‚Bikepacker‘ wie mich in ihre Häuser einladen. Wer weiß, vielleicht macht sich ja eines Tages eines dieser Kinder auch auf den Weg, um die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden“, sagt der 31-Jährige.

Auch für ihn selbst wird es nicht die letzte längere Fahrrad-Reise gewesen sein. Als Nächstes steht Europa im Fokus, langfristig träumt Alex Litzellachner davon, den amerikanischen Kontinent von Alaska nach Patagonien zu durchradeln.

„Wenn man einmal mit dem Radreisen anfängt, hört man nicht mehr damit auf. Meine nächsten Reisen werden sich in Europa abspielen – es hat so viel zu bieten. Ich muss mich noch entscheiden zwischen einer Rundreise nach Skandinavien oder zur Westküste Frankreichs, um endlich wieder zu surfen. Oder beides“, lächelt er. Und schmiedet wohl bereits Pläne für das nächste Abenteuer.