Erstellt am 22. Mai 2015, 11:21

Altsteinzeitliche Geräte in Haidershofen entdeckt. Im Rahmen des Projekts "Steinzeit an der Enns" hat Alexander Binsteiner (Internationales Büro für Geoarchäologie) in Haidershofen (Bezirk Amstetten) die ältesten bisher in Österreich bekannten Geräte aus der Steinzeit entdeckt.

Faustkeil (Bifacce) aus Quarzit, Vorderseite und Seitenansicht  |  NOEN, Alexander Binsteiner
Der renommierte Steinzeitexperte stieß in einer privaten Sammlung auf ein sogenanntes Hackmesser und einen Faustkeil. Die Stücke, die Othard Temper aus Haidershofen vor einigen Jahren in der Gegend aufgesammelt hatte, fanden sich in einer Vitrine. Das relative Alter liege bei bis zu 600.000 Jahren. Das ergebe sich durch die Lage der Artefakte auf einem Schotterkörper der ersten Eiszeit des Alpenraumes, die nach einem Nebenfluss der Donau im bayerischen Voralpenland als "Günz-Eiszeit" benannt wurde.

Hackmesser (Cleaver) und Faustkeil (Biface) bestehen aus feinkörnigem Quarzit, einem typischen Material zur Geräteherstellung in der Altsteinzeit. Zusammen mit einer ebenfalls sehr alten Vorläuferform eines Faustkeiles (Protobiface) aus hartem Muschelkalk, der vor zwei Jahren auf dem Lehberg aus einer Rotlehmschicht ausgeackert worden sei, gebe es nun in Haidershofen an der Enns ein typisches Geräteensemble aus der ältesten Steinzeit, der Epoche des "Altacheuleen".

Einzigartiger Fundkomplex

Der Fundkomplex dürfte einzigartig im gesamten Alpenvorland sein, hielt der Geoarchäologe und Paläontologe fest. Die Menschenart, die einst Geräte dieser Art hierzulande hergestellt hat, war die europäische Form des Homo erectus, der Homo heidelbergensis oder Heidelberger Mensch, der nach dem Fundort von Mauer bei Heidelberg benannt wurde.

Vermutlich gingen die Urmenschen in der Altsteinzeit am damals 60 Meter höher gelegenen Ufer der Urenns auf Großwildjagd, wurde in der Aussendung erläutert. Die erlegte Beute zerlegten sie mithilfe dieser großformatigen Steingeräte, die sie aus den örtlichen Flussgeröllen herstellten. Saisonal lebten sie in improvisierten Freiland-Camps, die sie nahe dem Lebensraum ihrer Jagdbeute anlegten.

x  |  NOEN, Alexander Binsteiner
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