140er auf der Autobahn: Politik gespalten. Parteien sehen Pilotversuch auf A1 unterschiedlich. Resolution wie in Zeillern wird es nicht geben.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. April 2019 (05:11)
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Auf der A1 im Bereich von Zeillern und Amstetten darf 140 gefahren werden, obwohl beide Kommunen als Feinstaubsanierungsgemeinden ausgewiesen sind.

Die Gemeinde Zeillern hat kürzlich eine Resolution gegen Tempo 140 auf der A1 beschlossen und fordert stattdessen die Prüfung einer 100-km/h-Zone. Das Schreiben erging direkt an Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ).

Begründet wird das mit der hohen Feinstaubbelastung – Zeillern ist ja Feinstaubsanierungsgemeinde –, und auch dem Lärm, den die jährlich mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge auf der Autobahn verursachen.

Die Stadt Amstetten, die ja ebenfalls Feinstaubsanierungsgemeinde ist, hat bislang keinen Protest gegen die 140er-Teststrecke in ihrem Gemeindegebiet eingelegt. Umweltstadtrat Dominic Hörlezeder (Grüne) steht aber ganz auf Seite der Zeillerner. „Ich bin generell für eine Temporeduktion, weil sie immer einen verminderten Schadstoffausstoß zur Folge hat.“ Es sei eigentlich widersinnig, dass im Bereich von Linz der „Luft-100er“ gelte und bei Amstetten, „das ja vom Land als Fein staubsanierunsgemeinde ausgewiesen ist, eine 140er-Teststrecke eingerichtet wurde“, sagt Hörlezeder.

Zwar bewege sich die Feinstaubbelastung laut den Ergebnissen der Messstelle in der Stadt innerhalb der vorgegebenen Norm, doch sind die Werte für den Umweltstadtrat zu hinterfragen. „In der Nähe des Gymnasiums, wo die Messstelle steht, ist die Belastung sicher geringer als in anderen Bereichen der Stadt, wo mehr Verkehr fließt. Um wirklich schlüssige Werte zu bekommen, müsste man ein paar Messstellen aufstellen“, sagt der Grünpolitiker. Für SP-Verkehrssprecher Bernhard Wagner machen Experimente wie Tempo 140 auf der Autobahn überhaupt keinen Sinn.

Kein Bedarf für Tempo 140

„Ich sehe keinen Bedarf, warum man schneller fahren sollte als 130? Das ist aus Gründen der Sicherheit und des Umweltschutzes abzulehnen“, sagt der Umweltgemeinderat. Wagner stellt aber auch die Wirksamkeit des „Luft-100ers“ infrage. „Tatsache ist nämlich, dass der Schwerverkehr, der im Vergleich zu den Pkws sicher viel mehr Feinstaub verursacht, davon nicht betroffen ist.“

Für VP-Vizebürgermeister Dieter Funke besteht in Sachen Tempo 140 auf der Autobahn kein akuter Handlungsbedarf. „Meines Wissens ist in Amstetten die Feinstaubbelastung in letzter Zeit deutlich zurückgegangen. Der 140er ist ja nur ein Testlauf und wird evaluiert. Dann wird man sehen, ob er bleibt.“

Von der Einführung eines „Luft-100ers“ hält Funke nichts. „Ich verstehe da schon die Kritiker, die sagen, dass es Unsinn sei, zuerst die Autobahnen mit viel Steuergeld auszubauen und dann die Geschwindigkeit zu beschränken.“

Voll hinter der Maßnahme ihres Verkehrsministers Norbert Hofer steht wenig überraschend die FPÖ Amstetten. „Tatsache ist, dass die Leute immer älter werden. Daher nehme ich an, dass der Mensch einiges an Feinstaub aushält“, sagt FP-Stadträtin Brigitte Kashofer nicht ohne Zynismus.

Ob die Lärmbelastung durch Tempo 140 tatsächlich stark zunehme, können sie nicht beurteilen. Um das festzustellen, sollten objektive Messungen durchgeführt werden. „Anrainer von Autobahnen müssen auf jeden Fall geschützt werden, wenn sich herausstellt, dass Feinstaub und Lärmbelastung auf ein unzumutbares Ausmaß ansteigen“, sagt die FP-Politikerin.

Da jeder Bürger großen Wert darauf lege, bereits früh am Morgen mit frischem Fleisch, Gemüse und Gebäck versorgt zu werden, sei es grundsätzlich aber unsinnig, den Transport zu behindern. „Und auch Pendler haben ja keine Freude, wenn ihre Fahrt zum Arbeitsplatz durch Verkehrsbeschränkungen zeitlich verlängert wird“, erklärt Kashofer.