Anton Geister: „Stadtsaal ist mir ein Herzensanliegen“. Ortsvorsteher Anton Geister über seinen Amtsantritt in schwierigen Zeiten, die Coronakrise, geplante Projekte und sein Amtsverständnis.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. März 2020 (04:12)
Die Corona-Krise hindert Ortsvorsteher Anton Geister nicht daran, Pläne für den Ortsteil zu schmieden.
privat

Zu Beginn natürlich: Wie ist angesichts der Coronakrise die Lage im Ortsteil?

Anton Geister: Das Coronavirus ist natürlich auch bei uns das bestimmende Thema. Die verordneten Maßnahmen der Regierung werden von der Bevölkerung im Ortsteil sehr ernst genommen. Was uns in Österreich allgemein ja auszeichnet, ist, dass wir in Krisen zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen – wenn auch jetzt mit einem Meter Abstand. Der gesellschaftliche Kontakt bleibt bei uns dennoch nicht auf der Strecke. So wurde die in Italien geborene Idee von Konzerten am Balkon bei uns aufgegriffen und man kann in meiner Siedlung sogar Musikwünsche abgeben, die dann am frühen Abend erfüllt werden. Mein Dank gilt allen Menschen, die jetzt weiterhin tagtäglich in den systemrelevanten Berufen für uns da sind. Ich bin sicher, wir werden diese Krise gemeinsam bewältigen. Informationen zu Covid-19, wichtige Kontakte, Zustelldienste von Amstettner Betrieben bis hin zur Corona-Nachbarschaftshilfe findet man auf der Homepage der Stadtgemeinde Amstetten.

Als Ortsvorsteher hätten Sie sich bestimmt einen anderen Start gewünscht. Sind Sie in Ihrer Funktion schon angekommen?

Geister: Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt. Ich habe meinen Dienst als Ortsvorsteher am Freitag, 21. Februar, offiziell angetreten und bin von den Mitarbeitern sehr freundlich aufgenommen worden. Das Team leistet hervorragende Arbeit für die Bevölkerung in Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth. Ich hatte mir neben der „normalen“ Verwaltungstätigkeit vorgenommen, in den nächsten Wochen und Monaten im Ortsteil alle unsere rund 60 Betriebe – vom Ein-Personenbetrieb bis zum weltweit agierenden Unternehmen – zu besuchen und auch unsere etwa 30 Vereine, sowie die Kindergärten und Einsatzorganisationen. Nach 28 Besuchen, unter anderem war ich schon bei der Firma Mondi, hat mir Covid 19 vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wenn sich die Lage normalisiert hat, werde ich die Tour aber fortführen. In der neuen Funktion bin ich auch deshalb rasch angekommen, weil wir Ende Februar die letzten Entwürfe für den Stadtsaal bekommen haben und das ist ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt.

Wie weit ist dieses Projekt schon gediehen? Kann man abschätzen, was die Coronakrise dafür bedeutet?

Geister: Die Entwürfe entsprechen noch nicht ganz unseren Vorstellungen und werden daher noch in zwei Bereichen geändert. Zum Ersten sieht das Konzept für den Stadtsaal einen öffentlichen Bereich für Veranstaltungen sowie einen davon getrennten Bereich für Vereine vor. Das heißt, der Saal soll künftig also nicht nur Heimstätte für zahlreiche Vereine werden, sondern sich auch für kleine und große Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen eignen. Das setzt voraus, dass der Eingangs- und Gastrobereich als zentraler Dreh- und Angelpunkt besonders gut geplant und gestaltet wird. Dazu habe ich mir bereits einige Beispiele in Nachbargemeinden angesehen, zuletzt gemeinsam mit Technikern der Stadtgemeinde den Sturmhof in Oed. Ich war dann selbst auch nochmals bei einer Veranstaltung dort, um ihn im Vollbetrieb zu sehen.

Zum Zweiten konnte ich bei meinem Besuch beim Musikverein Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth mitnehmen, dass die Räumlichkeiten für die Größe unserer Musikkapelle zu beengt und teilweise nicht mehr zeitgemäß sind. Wir sind daher gerade dabei, ein Musikheim in die Räumlichkeiten des Stadtsaales zu integrieren. Das war bislang nicht vorgesehen.

Wie schaut es da dann mit den Kosten aus? Ursprünglich war ja von etwa 4,5 Millionen Euro die Rede.

Geister: Wir werden uns natürlich bemühen, den Rahmen einzuhalten, aber es wäre zu früh, Zahlen zu nennen. Wir bemühen uns ja auch um Förderungen für das Projekt.

Ein Problem, das viele Ortschaften haben, ist, dass Gasthäuser zusperren. Auch in Hausmening ist das so.

Geister: Wir haben derzeit noch den Kirchenwirt in Ulmerfeld und das Gasthaus Ganglmair in Hausmening. Tatsächlich kann die Gemeinde in diesem Bereich sehr wenig tun, außer den Ort zu attraktivieren und gute Rahmenbedingungen für die Gastwirte zu schaffen. Das werden wir versuchen. Im neuen Stadtsaal können wir zumindest künftig anbieten, dass Veranstaltungen kulinarisch auf Catering-Basis versorgt werden können.

Im März wird die Forstheide in den Besitz der Stadt übergehen. Wie wichtig ist das Naherholungsgebiet?

Geister: Es besteht große Einigkeit darüber, dass der Erhalt der Forstheide als Naherholungsgebiet und grüne Lunge wichtig für die Menschen in Amstetten ist. Wir haben es nun in der Hand, das Beste daraus zu machen. Hauptverantwortlich dafür ist natürlich Umweltstadtrat Dominic Hörlezeder.

Wie wird es mit dem Schloss weitergehen? Noch läuft ja die Gestaltung des Außenbereiches, aber es war ja auch immer wieder von einem neuen Nutzungskonzept die Rede.

Geister: Konzepte liegen schon seit Jahren in der Schreibtischlade. Das größte Problem, für unser Juwel einen wirklichen inhaltlichen Schwerpunkt zu finden, ist einerseits die derzeitige Mischnutzung – Wohnungen, Jugendherberge, Vereine, Ausstellungsräume – und andererseits der bisher fehlende Mut und Wille, Konzepte auch umzusetzen und zu Ende zu führen. Wohin die Reise geht, werden wir erst nach dem Ergebnis des Kassasturzes und dem Ende der Corona-Krise sagen können. Mit der geplanten Verlegung des Musikheims in den Stadtsaal machen wir aber bereits einen ersten Schritt. Das Schloss ist einer der größten Kulturschätze Amstettens und das Aushängeschild für unseren Ort, das durch die Neugestaltung des Umfelds nun viel besser zur Geltung kommt. Es soll ja auch ein Standort der Landesausstellung 2026 sein, für die die Stadt sich beworben hat. Da werden sich dann sicher neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen.

Es war vor der Wahl ja oft von einem gemeinsamen Bauhof für Hausmening und Mauer die Rede. Wie ist da nun der Fahrplan?

Geister: Dass wir ein Platzproblem und vor allem zu wenig Lagerflächen haben, ist bekannt. Aber auch da müssen wir das Ergebnis des Kassasturzes abwarten und natürlich die Auswirkungen der Corona-Krise.

Wie sieht es mit Wohnraum im Ortsteil aus?

Geister: Schwerpunkt im Wohnbau ist derzeit zweifelsohne Neufurth im Bereich der ehemaligen Rauschergründe sowie die Lipizzanerstraße in Hausmening. In Ulmerfeld beschränkt sich der Wohnbau derzeit auf die Errichtung von Einfamilienhäusern. Größere Wohnbauprojekte sind dort keine geplant. Im Entwicklungskonzept sind aber weitere Flächen vorgesehen.

Ist die Sanierung der Ortsvorstehung ein Thema?

Geister: Ja, sogar ein sehr großes. Bei dem Gebäude handelt es sich um eines der wenigen Gemeindewohnhäuser, die bisher noch nicht saniert wurden. Ich habe dazu bereits mit unserem Bürgermeister Christian Haberhauer ein Gespräch geführt und mit ihm das Haus begutachtet. Das werden wir in absehbarer Zeit angehen.

Im Koalitionsabkommen steht ja auch, dass man den Citybus direkt in die Ortsteile führen will. Ist das aus Ihrer Sicht wirklich notwendig?

Geister: Verkehrsmäßig sind wir in Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth grundsätzlich gut angebunden, auch durch die Eisenbahn. Probleme gibt es aber vor allem im Bereich der Schulbusse. Diese kommen bereits sehr voll aus Richtung Neuhofen/Ybbs zu uns und sammeln bis nach Amstetten bei jeder Rotte Schulkinder auf. Ab Winklarn kann man im Schulbus teilweise nicht mehr umfallen, auch wenn die gesetzlich höchstzulässige Schülerzahl im Bus nicht überschritten wird. Mit dem Citybus in die Ortsteile könnte man da sicher eine Entlastung bringen. Der öffentliche Nahverkehr wird in Zukunft auf jeden Fall eine immer größere Rolle spielen, daher werden wir auch in diesem Zusammenhang künftig größer und über den Tellerrand hinaus denken müssen.

Zum Abschluss. Wie ist ihr Selbstverständnis als Ortsvorsteher und was möchten Sie in fünf Jahren alles für den Ortsteil erreichen?

Geister: Als Ortsvorsteher ist man Anlaufstelle für alle Bürger im Ortsteil. Das ist eine große Herausforderung und eine noch größere Verantwortung. Besonders wichtig ist mir, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, Entscheidungen transparent zu gestalten und die Bürger mit einzubeziehen. In den nächsten fünf Jahren ist mir neben den großen Projekten wie Stadtsaal, Bauhof und Schloss insbesondere die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung unseres Ortsteiles ein Anliegen. Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth soll noch lebenswerter und attraktiver werden – als Teil der Stadt Amstetten, aber auf Augenhöhe mit eigener Identität und Geschichte.