AVB-/Kulturamts-Fusion: Zustimmung und Skepsis. Geplante Zusammenführung von AVB und Kulturamt in Amstetten: Für SPÖ ist Nutzen der Reform noch nicht erkennbar.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 25. November 2020 (05:41)
Jandl Riegler
Links: Stefan Jandl (ÖVP), rechts: Gerhard Riegler (SPÖ)
Knapp

Die schwarzgrüne Stadtregierung hat in der Vorwoche im Kulturbereich gravierende Änderungen angekündigt. „Wir führen die Amstettner Veranstaltungsbetriebe und das Kulturamt zu einer Gesellschaft zusammen. Es soll künftig nur noch ein gemeinsames Kulturprogramm Amstetten geben, das aus einer Hand kommt und abgestimmt ist“, bekräftigt Kulturstadtrat Stefan Jandl die Pläne. Natürlich werde es weiterhin professionelle Kulturveranstaltungen in der Pölzhalle geben und die Abos würden beibehalten, vielleicht sogar ausgeweitet. „Wir verzeichnen da ja einen Rückgang, daher wäre eine mögliche Idee, zum Beispiel ein „ars femina“-Abo anzubieten. Ob nur für die zehn Tage im März oder auch für passende Veranstaltungen die über die ganze Saison verteilt sind, muss man sich überlegen.“

Sehr wichtig ist Jandl, dass künftig viele Locations in der Stadt bespielt werden – neben der Pölzhalle zum Beispiel auch die Wirkstatt und das Schloss Ulmerfeld. „Im Sommer baut die Theatergruppe Ulk dort ja für ihre Darbietungen eine große Bühne auf. Warum sollte man die nicht am Dienstag oder Donnerstag für ein Konzert nutzen?“

Für AVB-Chef Christopher Prassl „macht es Sinn, Kultur ganzheitlich zu denken, um den Amstettnern ein vielfältiges Kulturangebot bieten zu können. Ich stehe dem Vorhaben offen gegenüber und bin mir sicher, die Amstettner Veranstaltungsbetriebe werden weiterhin eine sehr zentrale Rolle spielen.“

Auch Kulturamtsleiterin Elke Strauß hält die „die Zusammenführung des Kultur- und Tourismusbereichs mit einer Gesellschaft (AVB), die auch in diesem Bereich tätig ist“, für sinnvoll. Sie sieht zahlreiche Möglichkeiten, Synergien zu nutzen. „Nach dem Motto ,Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile’ wird man diese gemeinsame Kraft nutzen, um Amstetten zu positionieren und die Kultur in Amstetten zu stärken und voranzutreiben“, sagt Strauss.

Auf Nischenkultur soll nicht vergessen werden

Es verstehe sich von selbst, dass man neben großen Leuchtturmprojekten auch künftig die Nischenkultur abseits des Mainstreams nicht vergessen werde.

Die Amstettner Oppositionsparteien bewerten das Vorhaben skeptisch bis zustimmend.

SPÖ-Vizebürgermeister Gerhard Riegler berichtet, dass seine Fraktion die Grundzüge der Umstrukturierung vor einigen Wochen von der Verwaltung präsentiert bekommen habe. „In die Pläne eingebunden, waren wir aber nie. Es bleibt abzuwarten, ob die angedachten Änderungen im Voranschlag 2021 berücksichtigt sind und wie sie sich auf die Ausgabensituation auswirken. Den Nutzen der Reform kennen wir aktuell nicht.“ Die Zusammenlegung der Kulturabteilung und der AVB betrachtet Riegler skeptisch. „Da werden massive Veränderungen angekündigt, ohne Details zu verraten. Mir stellt sich die Frage, ob die Dienstnehmer in die Erarbeitung der Umstrukturierungsmaßnahmen eingebunden wurden und damit auch ihre Praxistauglichkeit sichergestellt wurde.“

Einverstanden mit den Plänen der schwarzgrünen Stadtregierung ist die FPÖ: „Es ist sinnvoll, dass umstrukturiert wird, da dadurch einerseits Einsparungen und anderseits kürzere Wege für interne Umsetzungen von Vorhaben möglich sein werden“, sagt Parteichef Christian Schrammel.

Gemeinderat Christopher Hager von den NEOS hält „die Straffung der Bereiche grundsätzlich für sinnvoll. Die Kommunikation darüber hätte aber durchaus besser laufen können. Es bleibt abzuwarten, wie sich das dann tatsächlich auswirkt und ob die Wege für die Kulturschaffenden auch wirklich einfacher werden.“