Bauparzellen nur noch 700 m² groß. Gemeinden beschränken Größe der Baugründe und kooperieren bei Erschließung von Betriebsflächen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. September 2020 (05:44)
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Die Stadt Amstetten und die Kleinregionen Os tarrichi Mostland und Donau Ybbsfeld haben im Zuge der Bewerbung für die NÖ-Landesausstellung 2026 das Projekt „Vision 2030“ gestartet. Und es zeigt sich nun, dass man damit künftigen Weichenstellungen im Land bereits voraus ist. „So haben wir etwa in unserem Leitbild Zonen festgelegt, in denen wir gemeinsam Betriebsgebiete entwickeln wollen. Konkret haben wir uns dazu bekannt, ab einer Fläche von drei Hektar mit anderen Kommunen zu kooperieren. Die Organisationsform dafür müssen wir erst noch festlegen. Das kann je nach Größe des Betriebsgebiets ein privatrechtlicher Vertrag oder auch eine gemeinsame Gesellschaft sein“, sagt Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl.

Bürgermeister Hannes Pressl aus Ardagger.Gemeinde
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Auch in Sachen Baugrunderschließung gehen die Gemeinden der Kleinregionen künftig neue gemeinsame Wege. Sie haben sich dazu bekannt, nur noch Parzellen mit einer maximalen Größe von 700 Quadratmetern zur Verfügung zu stellen. Ausnahmen sind Steillagen oder Randlagen, die keine andere vernünftige Bebauung zulassen. Da keine Parzelle größer sein oder auch nur 480 Quadratmeter haben. „Wir wissen, dass wir mit dieser Regelung nicht bei allen Bauwerbern auf Zustimmung stoßen werden. Aber wenn man den Flächenverbrauch insgesamt auch im Sinne des Klimaschutzes eindämmen will, dann sind solche Regelungen notwendig. Ich gehe davon aus, dass auch das Land im Raumordnungsgesetz bis 2023 eine derartige Regelung festschreiben wird“, sagt Pressl.

„Stark sind wir nur gemeinsam“

Begrüßt wird diese Vereinbarung vor allem in der Stadt Amstetten. „Denn wir können Häuslbauern aufgrund beschränkter Baulandreserven keine 1.000 oder gar 2.000 Quadratmeter große Bauparzellen zur Verfügung stellen. Da waren die Umlandgemeinden in Sachen Bevölkerungsentwicklung bisher natürlich im Vorteil. Durch die Beschränkung auf 700 Quadratmeter ist mehr Chancengleichheit gegeben und ich danke den anderen Bürgermeistern, dass sie da mitgezogen haben“, sagt Stadtchef Christian Haberhauer. Es sei wichtig, dass die Stadt auf das Umland aufpasse, aber auch umgekehrt. „Denn stark sind wir nur gemeinsam.“

Bürgermeister Christian Haberhauer aus Amstetten.
ÖVP

Haberhauer begrüßt auch die Zusammenarbeit in Sachen Betriebsgebieten ab einer Größe von drei Hektar. „Das Quartier A bei uns wird natürlich das erste Projekt sein, dass in diese Richtung geht. Wir als Stadt ermöglichen hier eine Beteiligung der Umlandgemeinden. Im Gegenzug haben wir die Zusage erhalten, dass auch Amstetten bei der Entwicklung von Betriebsgebieten in den anderen Gemeinden beteiligt wird“, betont der Stadtchef.

Für Oed-Öhlings Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer ist es ebenfalls wichtig, dass nicht nur Gemeinden in Gunstlagen von der Aufschließung neuer Betriebsgebiete profitieren. „Es kann nicht sein, dass die einen Kommunen immer reicher werden und die anderen Pech haben. Deshalb ist die neue Regelung, die wir beschlossen haben, sinnvoll.“

Hinterholzer berichtet auch, dass die Kleinregionen Ostarrichi-Mostland und Donau Ybbsfeld im Rahmen der „Vision 2030“ eine Untersuchung starten werden, wie viel Bauland-Betriebsgebiet in den Gemeinden ungenutzt ist und wie viele Wohnungen leer stehen. „Wir wissen zwar, dass es schwierig ist, an Leerstände heranzukommen, aber es ist dennoch gut, wenn die Bürgermeister zumindest darüber Bescheid wissen. Leerflächen und Immobilienmanagement werden künftig auch eine Aufgabe der Gemeinde werden und es gibt bestimmt Eigentümer, die durchaus bereit sind, Gründe zur Verfügung zu stellen, wenn man sie bei der Entwicklung unterstützt und begleitet. Da können wir sicher einiges zusammenbringen“, sagt die Landtagsabgeordnete.