Erstellt am 19. August 2015, 06:22

von Doris Schleifer-Höderl

Beratung bei Extremismus. Die Frauenberatung Amstetten unterstützt Eltern, Lehrer und Bezugspersonen dabei, wenn Jugendliche in politisch oder religiös orientierten Extremismus abdriften.

Die Frauenberatung - am Bild: Sonja Mille und Helene Irene Wagner- bietet kostenlose Extremismus-Beratung an, das vom Familienministerium finanziert wird. Foto: Schleifer-Höderl  |  NOEN, Schleifer-Höderl

Auf der Suche nach Anerkennung, Orientierung, Halt und Identität sind Jugendliche oft empfänglich für extremistische Ideologien, die rasche Lösungen versprechen. Sie ziehen sich dabei immer mehr von ihrem vertrauten Umfeld zurück und verschließen sich völlig. Der Prozess verläuft oft schleichend.

Deshalb hat die Frauenberatung Mostviertel mit Sitz in Amstetten ihr vielfältiges Beratungsangebot erweitert.

„Zumeist mit sich selbst unzufrieden“

„Wir möchten Eltern, Lehrer und sonstige Bezugspersonen dabei unterstützen, die Beziehung zu den Jugendlichen wieder aufzubauen, aufrechtzuerhalten und wieder gegenseitiges Vertrauen zu finden“, berichtet Sonja Mille im Gespräch mit der NÖN. „Dabei möchten wir aber festhalten, dass keineswegs ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen, sozialen Verhältnissen von Extremismus betroffen sind.“

Die Ursachen, dass junge Leute im Extremismus einen Ausweg sehen, seien laut Mille vielfältig: „Zumeist sind sie mit sich selbst unzufrieden, frustriert, unglücklich oder finden ihrem Alter gemäß ihre Rolle noch nicht. Oft gibt es Probleme in der Familie oder in der Schule. Sie haben keine stabilen sozialen Kontakte, sind von Ausgrenzung betroffen und suchen nach Zugehörigkeit und einer Möglichkeit, ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten.“

Zusätzlich verstärke die Jugendarbeitslosigkeit und die damit verbundene Perspektivenlosigkeit die Situation. Dabei stehe, ganz im Gegensatz zu den oft in Medien verbreiteten Berichten, das Thema Religion im Hintergrund.

„In erster Linie geht es darum, Anerkennung zu bekommen, den eigenen Selbstwert zu steigern, sich zugehörig und selbstwirksam zu fühlen sowie eine zweite Familie zu haben, die einen versteht und Halt verspricht“, erklärt Mille.

Panik ist jedoch kontraproduktiv“

Nur allzu verständlich sei daher die Verunsicherung bei Eltern, Freunden und Lehrern, weil es sich beim Thema des politisch und religiösen Radikalismus um ein sehr sensibles und vielschichtiges Problem handle. „Panik ist jedoch kontraproduktiv“, erklärt Sonja Mille. „Wichtig ist, in Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen zu bleiben und Hilfe von außen anzunehmen.“

Der Frauenberatung geht es vor allem darum, die hinter dem Radikalisierungsprozess liegenden Bedürfnisse und Problemlagen zu erkennen und diese zu bearbeiten.

„Denn an der Schwelle zum Erwachsenwerden gibt es viele Unsicherheiten – in Bezug auf Körper, Identität, Ideologie und des eigenen Selbstbildes. Hier geben extremistische Ideologien das Gefühl durch Klarheit über Gut und Böse, richtig und falsch das Leben in den Griff zu bekommen“, weiß die Beraterin.


Wohin wenden?

Frauenberatung Mostviertel, 3300 Amstetten, Hauptplatz 21, 07472/63297, info@frauenberatung.co.at, www.frauenberatung.co.at