Bürgermeister Christian Haberhauer: „Haben Notfallplan!“

Erstellt am 30. Juli 2022 | 04:24
Lesezeit: 5 Min
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Bürgermeister Christian Haberhauer sieht die Stadt auf einem guten Weg in die Zukunft und will angesichts der Ukraine-Krise vor allem den Umstieg auf erneuerbare Energieträger zügig vorantreiben.
Foto: Knapp
Bürgermeister Christian Haberhauer über Gasknappheit, Teuerung, Großprojekte, das Quartier A und die Kultur.
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Die Stadt bereitet sich auf einen Gasengpass vor, berichtete Bürgermeister Christian Haberhauer in der Vorwoche im Rahmen einer Sommer-Pressekonferenz. Man habe intern einen Stab eingerichtet, um rasch reagieren zu können und spiele viele mögliche Szenarien durch – sogar den Worst Case, dass die Heizkörper kalt bleiben. „Wir haben einen Notfallplan und könnten in öffentlichen Gebäuden, die mit Fernwärme beheizt werden, Wärmebereiche einrichten und Leute sogar mit Essen versorgen. Wir gehen aber nicht davon aus, dass es dazu kommen wird.“

Genau beobachtet würden, sagt Haberhauer, auch die Auswirkungen der Teuerung und dadurch entstehende soziale Probleme. Die Stadt werde Menschen in Not nicht alleine lassen. „Wir haben im Sozialbereich ja schon in der Pandemie Maßnahmen gesetzt, die jetzt wirken – vom Aussetzen der Mietzinserhöhung über den Heizkostenzuschuss bis hin zur Schulstarthilfe und der Existenzsicherung des Sozialmarktes“, betont der Stadtchef.

Was aus Sicht Haberhauers angesichts der Ukraine-Krise unbedingt notwendig ist, ist den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben. Die Stadt hat daher ihren Fördertopf für den Heizungstausch (Hackschnitzel, Pellets etc.) um 63.000 Euro aufgestockt. Der Bürgermeister kündigt an, dass die Stadtwerke die Zahl ihrer Photovoltaikanlagen noch deutlich erhöhen werden. „Schon heuer wird um 33 Prozent mehr Sonnenstrom erzeugt, als im Vorjahr und auf einer Fläche in Allersdorf ist eine große Anlage mit einer Leistung von 1,2 Megawatt geplant“, berichtet Haberhauer.

Gedanken macht man sich im Rathaus auch über die städtische Klimastrategie . „Dazu gehört neben der Förderung alternativer Energieformen zum Beispiel auch die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. „Wir sind gerade dabei CityBus und CityAst zu evaluieren. Mit Jahresende wollen wir ein Konzept am Tisch haben, wie wir sie noch attraktivieren können“, sagt Haberhauer. Zugleich arbeite man an einem strategischen Waldmanagement, um die 400 Hektar Wald der Gemeinde (230 davon in der Forstheide) klimafit zu machen.

Leistbarer Praxisraum für medizinisches Personal

Ein besonders wichtiges Thema ist für den Bürgermeister der Gesundheitsbereich. „Wir alle wissen, dass es einen Mangel an praktischen Ärzten, aber auch an Fachärzten gibt. Gerade deshalb wollen wir im neuen Primärversorgungszentrum in Mauer leistbaren Raum für Praxen zur Verfügung stellen und damit einen Anreiz schaffen, dass mehr Mediziner zu uns kommen.“

In Sachen Großprojekte kündigt der Stadtchef für September den Beginn des Badabrisses an. Beim Bauhof laufe derzeit die Ausschreibung. „Der Kaufvertrag für das Areal ist unterschrieben, wir warten nur noch, dass wir auch ins Grundbuch kommen.“ Verzögert habe sich der Deal nur deshalb, weil man durch einen Flächentausch noch Verbesserungen für das Projekt habe erzielen wollen. „Statt einem aufwendigen Steinwurf brauchen wir jetzt nur eine Hangböschung, was uns natürlich Kosten erspart“, berichtet Haberhauer.

Im Quartier A laufen derzeit die Endverhandlungen mit einer großen Firma, die sich dort ansiedeln möchte (wie die NÖN berichtete, hat die IFE-AG Interesse an dem Standort). Die Entscheidung der Konzernleitung soll Ende August fallen. Das Unternehmen würde 500 bis 600 Arbeitsplätze nach Amstetten bringen.

Neben den großen Projekten will Haberhauer auch die Eigeninitiative von Bürgerinnen und Bürgern in ihren Grätzeln fördern. „Wenn jemand eine Verschönerung machen möchte, dann soll er sich bei uns melden. Es wird ab nächstem Jahr dafür auch ein kleines Budget geben, um zum Beispiel Blumen für Rabattl einzukaufen“, sagt der Ortschef. Er bittet die Bevölkerung, die Stadt auch bei der Grünraumpflege zu unterstützen. Man stoße da nicht zuletzt durch den Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden an die Grenzen. Und am Bauhof macht sich auch der allgemeine Arbeitskräftemangel bemerkbar. „Derzeit sind dort fünf Arbeitsplätze nicht besetzt, weil es keine Bewerber dafür gab“, berichtet der Bürgermeister.

In Sachen Kultur freut sich der Ortschef, dass das Sommermusical ein großer Erfolg ist. „Allerdings hat auch da die Teuerung extrem zugeschlagen und uns Mehrkosten von über 100.000 Euro beschert.“ Für Haberhauer stellt sich die Herausforderung, in der Stadt künftig ein attraktives, aber auch leistbares kulturelles Angebot zu bieten. „Wir werden die bestehenden kulturellen Angebote durchleuchten. Ich muss von den Verantwortlichen im Kultur- und Kunstbereich eine extreme Disziplin bei der Budgeteinhaltung fordern“, sagt der Stadtchef. Kleine feine Veranstaltungen wie die Kulturwochen und ars femina soll es weiterhin geben. Für das kommende Sommermusical müssen die Weichen schon im September gestellt werden.

Mit Freude sieht Haberhauer der Landesausstellung 2026 entgegen und ist zuversichtlich, dass Amstetten den Zuschlag erhält. „Die Remise soll Ankunftsort und Schauplatz von Großevents sein. Hauptstandort wird Mauer, aber wir wollen bis dahin auch das Schloss Ulmerfeld touristisch attraktivieren.

In der Stadtpolitik sieht Haberhauer jetzt nicht die Zeit für Streit. „Zusammenhalt ist das große Schlagwort für den Herbst. Wir stehen vor extremen Herausforderungen und die können wir nur gemeinsam und miteinander bewältigen.“

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