Bürgermeister Haberhauer: „Bin im Traumjob angekommen“. Christian Haberhauer über seine ersten Wochen als Bürgermeister, sein Amtsverständnis und anstehende Projekte.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 18. März 2020 (05:39)
Knapp

NÖN: Wie sehr hält Sie der Coronavirus derzeit in Atem? Wie lange sind Ihre Arbeitstage?

Christian Haberhauer: Ich gehe seit drei Wochen um 7 Uhr in die Arbeit und höre um 22 oder 23 Uhr auf. Das wäre aber auch ohne Coronavirus so. Mit dem Virus bin ich im Tagesgeschäft immer wieder konfrontiert. Der Fall Corona nimmt momentan sehr viel Zeit in Anspruch in meiner täglichen Arbeit. Es geht da natürlich um Informationsweitergabe und auch darum, die internen Strukturen auf die aktuelle Situation abzustimmen. Wichtig für die Bürger ist: Die Grundversorgung ist gesichert. Es gibt Wasser, Strom und auch der Müll wird abgeholt. Den Betrieb in den Bädern haben wir eingestellt und auch alle Veranstaltungen sind abgesagt. Die Leute sollen so wenig Sozialkontakte wie möglich haben und auf Hygiene achten.

Sie sind neu im Bürgermeisteramt und müssen gleich eine besondere Situation bewältigen. Fühlen Sie sich ins kalte Wasser gestoßen?

Haberhauer: Natürlich ist die Situation herausfordernd, aber ich habe mich gut in meiner Funktion eingefunden und alle gemeinsam werden wir die kommenden Wochen gut bewältigen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich jetzt in meinem Traumjob angekommen bin. Ich wurde von den Bediensteten sehr gut aufgenommen und es macht mir viel Spaß, Amstetten vorwärtszubringen. Ich habe inzwischen alle 620 Mitarbeiter begrüßt und festgestellt, dass sie sehr motiviert sind. Ich konnte mir in den letzten zwei Wochen einen guten Überblick über die Gemeinde verschaffen.

Sie waren in der Tourismusbranche tätig, zuletzt ja als Geschäftsführer der Moststraße. Jetzt sind Sie für einen Betrieb mit über 600 Mitarbeitern zuständig. Wie meistern Sie diese Aufgabe? Was ist alles neu für Sie?

Haberhauer: Der größte Tourismusbetrieb, den ich in der Schweiz geführt habe, hatte auch 300 Leute. Vom Führungsverhalten her ist es jetzt kein so großer Unterschied zur Gemeinde. Meine Tür steht zwar jederzeit für die Mitarbeiter offen, aber in der direkten Führung gibt es 20 Abteilungschefs, die dann wiederum ja selbstständig ihre Bereiche leiten. Mir ist es besonders wichtig, die Politik aus dem Amt herauszuhalten. Ich habe vor drei Wochen die Bürgermeisterkette angelegt und bin seitdem in meiner Funktion sozusagen fraktionsfrei. Dementsprechend handle ich. Parteiarbeit findet nur mehr außerhalb der Dienstzeit statt. Diese Abgrenzung ist für mich auch deshalb einfach, weil ich ein Quereinsteiger bin. Mir ist wichtig, dass wir über Parteigrenzen hinweg gemeinsam für Amstetten arbeiten.

Sie haben als Quereinsteiger im Wahlkampf und auch mit der Causa Wahl schnell die Schattenseiten der Politik kennengelernt. Haben Sie sich schon ein dickes Fell zugelegt?

Haberhauer: Man darf in der Politik nicht alles persönlich nehmen. Ich habe jedenfalls gelernt, dass man nicht auf jeden Angriff reagieren muss, vor allem wenn Behauptungen einfach nicht stimmen. Ich bin ein Mensch, der sich auf Tatsachen beruft und da will ich, egal wie hart der Angriff kommt, immer das persönliche Gespräch suchen, um Dinge auszuräumen. Das ist besser, als sich etwas über die Medien auszurichten. Das Gemeinsame soll im Vordergrund stehen. Was in der politischen Arbeit nicht passieren darf, ist, dass man persönlich nicht mehr miteinander reden kann.

Kommen wir zu den geplanten Projekten. Es ist immer wieder vom Kassasturz die Rede, von dem abhängen wird, ob dieses oder jenes Projekt realisiert werden kann. Was genau sollen sich die Bürger unter einem Kassa sturz vorstellen?

Haberhauer: Das bedeutet, dass eine unabhängige Institution, also das Land NÖ, sämtliche innerbetriebliche Positionen der Stadt, aber auch alle Betriebe, die in Zusammenhang mit der Gemeinde stehen – wie etwa die Stadtwerke und die Veranstaltungsbetriebe – anschaut und Handlungsempfehlungen gibt, was man verbessern könnte und welche Strukturen man verändern sollte. Wir haben ja viele Großprojekte in Planung, die sich auf das mittel- und langfristige Budget der Gemeinde auswirken werden und da muss man nun nochmals überprüfen, was in welcher Dimension auf Schiene gebracht werden kann. Ich will nicht den Leuten etwas suggerieren oder Wunschvorstellungen in den Raum stellen, die nicht erfüllt werden können. Ich sehe mich sozusagen als Dirigent und habe einen Masterplan, wie sich Amstetten weiterentwickeln soll, aber das hängt natürlich auch von den finanziellen Gegebenheiten ab.

Der Umbau des Stadtsaals in Hausmening steht aber außer Frage?

Haberhauer: Es gibt drei Projekte, die wir auf jeden Fall verwirklichen wollen. Eines davon ist das Gesundheitszentrum in Mauer. Da wird unsere Aufgabe die Flächenwidmung und dann eher eine organisatorische Unterstützung sein – bei der Suche nach praktischen Ärzten und anderen medizinischen Diensten, wie etwa einem Physiotherapeuten oder einem Augenarzt.

Das zweite Projekt ist die Sanierung des Stadtsaals in Hausmening und das dritte ist das Quartier A, das ich zur Chefsache erklärt habe. Da bemühen wir uns mit den Umlandgemeinden und dem Land um ein gemeinsames Projekt und werden entsprechende Verhandlungen mit den ÖBB führen. Das Quartier A ist für mich extrem wichtig, weil es da um Forschung, Digitalisierung und Entwicklung geht und wir da Arbeitsplätze von Wien, Salzburg oder Steyr nach Amstetten ziehen wollen. Junges Arbeiten und junges Wohnen sollen dort Hand in Hand gehen.

Genauso wichtig ist mir die Gestaltung der Innenstadt und des Amstettner Hauptplatzes. Wir wollen ja nicht zwei verschiedene Stadtzentren haben, sondern es soll eine lebendige Verbindung geben. Die Innenstadt ist die Keimzelle und das Quartier A steht für Zukunft und Standortsicherung.

Die Sanierung des Hallenbades würde in der Maximalvariante rund 20 Millionen Euro kosten. Das wird in dieser Form nicht kommen?

Haberhauer: Auf diesem Areal gilt es mehr zu bedenken als nur das Hallenbad. Wir haben dort ja auch die AVB, den SKU, das Stadion und die Viehversteigerungshalle mit ihren unterschiedlichen Anforderungen. Da müssen wir uns die Entwicklungsmöglichkeiten genau anschauen. Bei der vorliegenden Konzeption wurde da nicht alles berücksichtigt und deshalb geht das Projekt nochmals zurück an den Start.

In den letzten Wochen hat sich eine Diskussion über die Lebensqualität am Krautberg entwickelt. Dort gibt es viele alte Wohnungen und einen hohen Anteil an Migranten. Wird die Stadt auf diese Situation reagieren?

Haberhauer: Ich bin ja im Wahlkampf in jeder dieser Wohnanlagen gewesen und sehe da ein starkes Verbesserungspotenzial. Wir brauchen am Krautberg schöneres und dennoch leistbares Wohnen. Wenn wir wollen, dass sich die Bürger dort wohlfühlen, müssen wir die Qualität heben. Das ist auch für die Integration wichtig und wir wollen ja, dass jene Menschen, die zu uns gekommen sind, sich integrieren. Da braucht es aber eine gute Durchmischung der Bevölkerung und da spielt der Wohnbau eine zentrale Rolle.

Nochmals zurück zur Politik. Die Grünen haben als Juniorpartner einen Vizebürgermeister bekommen und ein sehr großes Ressort. Warum war die ÖVP da eigentlich so großzügig?

Haberhauer: Es hat sich in den Abstimmungsgesprächen nach der Wahl schnell herausgestellt, dass unsere Vorstellungen über den zukünftigen Weg der Stadt sich in vielen Bereichen überschneiden. Wir sind inhaltlich extrem gut abgestimmt. Die Grünen haben ein Ressort, in dem sie ihre Kompetenzen bestmöglich einbringen können. Das ist auch der Grund dafür, warum Sarah Huber, obwohl sie keine Stadträtin ist, dennoch den Ausschuss leitet. Was den Vizebürgermeister betrifft, so sehe ich diese Funktion als Wertschätzung gegenüber unserem Partner. Dominic Hörlezeder trägt ja auch unsere Inhalte nach außen mit. Wir ziehen da parteiübergreifend wirklich an einem Strang.