Caritas: Die Armut greift um sich. Zahl der Klienten wächst ständig. Vor allem das Wohnen wird für viele Menschen zum großen Problem.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 24. Januar 2017 (05:10)
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PfarrCaritas-Leiter Christian Köstler rechnet durch die Neuregelung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung heuer mit einem weiteren Anstieg von hilfesuchenden Mitmenschen.
NOEN, Schleifer-Höderl

„Egal in welchen Bereichen – ob etwa in der Sozialberatung, im Carla-Shop oder bei unseren anderen Beratungsstellen – verzeichnen wir seit ungefähr fünf Jahren einen jährlichen Anstieg von Klienten und Kunden von acht bis zehn Prozent“, berichtet PfarrCaritas-Leiter Christian Köstler.

Die Personen, die Hilfe bei der Caritas suchen, sind im Alter von 20 bis 75 Jahren. „Besonders Familien, Alleinerzieherinnen und Pensionisten wenden sich an uns. Gerade vorhin war eine junge Frau da, die ihre Stromrechnung nicht zahlen kann – und sie ist kein Einzelschicksal.“ Vor allem Arbeitslosigkeit, Scheidung und Krankheiten treiben die Menschen in schier ausweglose Situationen. Wenn dann etwa noch der Kühlschrank den Geist aufgibt, ist es ganz aus. „Denn viele haben keine finanziellen Reserven mehr, weil sie diese schon längere Zeit anzapfen mussten. Wenn man dann auch keinen familiären Rückhalt hat, ist das sehr bitter.“

Wohnen ist kaum noch leistbar

Immer mehr zum gravierenden Problem wird die Wohnsituation, meint Köstler. „Unter zehn Euro pro Quadratmeter ist in Amstetten im privaten Bereich kaum etwas zu bekommen. So kostet eine Wohnung im Durchschnitt schon mal sieben- bis achthundert Euro, für viele nicht mehr leistbar und bei einem Wohnungswechsel ist dann die geforderte Kaution schon gar nicht drinnen.“

Köstler befürchtet, dass sich die Situation ab Mitte des Jahres, wenn die Bescheide für die Mindestsicherung neu ausgestellt werden, vermutlich noch verschärfen wird. Denn diese sehe seit 1. Jänner eine Deckelung von 1.500 Euro pro Haushalt bzw. Wohngemeinschaft vor, wobei die Wohnkosten inkludiert seien. Ausnahmen gäbe es nur für Personen, die Pflegegeld oder erhöhte Familienbeihilfe beziehen oder die dauernd arbeitsunfähig sind.

Für den vollen Anspruch auf Mindestsicherung gäbe es zudem eine Wartefrist. „Neu eingeführt wurde eine BMS light für Personen, die in den vergangenen sechs Jahren weniger als fünf Jahre ihren Hauptwohnsitz bzw. rechtmäßigen Aufenthalt in Österreich hatten. Die Höhe der Leistungen liegt für einen Erwachsenen bei 572,50 Euro, wobei darin auch ein Integrationsbonus enthalten ist. Wir rechnen heuer mit einem weiteren Anstieg an Konsultationen“, so Köstler.

Armut oft schon jenseits des Gartenzauns

Er appelliert dringend an die Politik, endlich Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen. „Denn ob Inländer oder zugezogene Menschen, es ist nicht hilfreich, wie hier vorgegangen wird. Die Armut ist längst da, oft muss man nur über den Gartenzaun schauen.“

Sehr positiv sieht Köstler hingegen die Bereitschaft der Am stettner, ihren Mitmenschen zu helfen. „Die Solidarität, die wir seit Mitte 2015 verspüren, ist beispielhaft. Mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger im Bezirk stellten sich in den Dienst der guten Sache. Mit ihrem persönlichen Engagement und den Sachspenden, wie Kleidung oder Möbel, ist es uns möglich, oft rasch helfen zu können. Da könnte sich die Politik einiges abschauen. Es wird zwar gerade in Amstetten viel getan, aber noch ein wenig mehr wäre sicherlich nicht schlecht. Etwa die Schaffung von mehr leistbaren, gemeinnützigen Wohnungen wäre sinnvoll.“

 

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