„Der Berg kann gnadenlos sein“

Erstellt am 18. August 2014 | 12:34
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Foto: NOEN, Schleifer-Höderl
Gefährliche Selbstüberschätzung / Auch heuer muss die Bergrettung immer wieder ausrücken, um verunfallte Wanderer zu bergen.
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Beim Wandern in den Bergen kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Allein heuer musste die Bergrettung in Niederösterreich bereits 344 Mal ausrücken, 49 Mal kam dabei sogar der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Insgesamt konnten 339 Personen geborgen werden, davon waren 283 verletzt.

Die Ursachen für Wanderunfälle sind neben unzureichender Ausrüstung nicht selten mangelnde Kondition oder Erschöpfung, wie Hubert Köttritsch, der stellvertretender Landesöffentlichkeitsreferent der Bergrettung und Pressereferent der Bergrettung NÖ West berichtet. Laut dem Experten sind zwar schon sehr viele Menschen gut ausgerüstet, vieles habe jedoch mit Selbstüberschätzung und mangelnder Tourenvorbereitung zu tun.

Richtige Vorbereitung reduziert das Risiko 

„Sich in alpines Gelände zu begeben, ist nun mal kein Stadtspaziergang. Der Berg kann gnadenlos sein, acht Bergtote sind in Niederösterreich heuer bereits zu vermelden, dessen sollte man sich bewusst sein. Es hat auch viel damit zu tun, dass Wandern in den Bergen oft nicht ernst genug genommen wird. Aber durch richtige Planung und Vorbereitung der Tour kann das Restrisiko auf ein Minimum reduziert werden.“

Basis der Sicherheit ist die richtige Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und jener der Begleiter, danach richtet sich auch die Länge bzw. Schwierigkeit einer Tour. Das Tempo orientiert sich stets am schwächsten Mitglied einer Gruppe. „Was viele falsch machen: Zu schnelles Gehen führt zu frühzeitiger Ermüdung und Überforderung und in weiterer Folge oft zu Erschöpfung. Dies sind häufig Unfallursachen in den Bergen.“

Ebenfalls wird das Wetter oft falsch eingeschätzt, daher ist es vor jeder Tour unerlässlich, sich über die Wetterlage eingehend zu informieren. Anpassen der Tour an die Wetterentwicklung und rechtzeitiges Umkehren bzw. bei einem Wettersturz Schutz zu suchen ist ein Zeichen von Stärke und Umsicht.“

Ruhe bewahren und genaue Angaben machen

Auch eine adäquate Tourenausrüstung muss berücksichtigt werden. Ein vollständig aufgeladenes und eingeschaltetes Handy, Orientierungsmittel, Rucksackapotheke, Taschenlampe, optisches Signalmittel, atmungsaktive Kleidung, Reservewäsche, Wind-, Kälte- und Regenschutz, ausreichend Flüssigkeit sowie die Information einer Drittperson gehören dazu. „Denn nur wenn jemand über die Pläne Bescheid weiß – wohin gewandert wird, wann man zurück sein will – kann im Fall der Fälle rechtzeitig alarmiert und effizient Hilfe geleistet werden.“ Sollte man den Alpin-Notruf 140 verständigen müssen, sollte das Handy eingeschaltet bleiben, um eine Ortung zu ermöglichen. Grundsätzlich gelte, Ruhe bewahren und schauen, wo man wirklich ist, um den Einsatzkräften genaue Angaben machen zu können.

In den letzten Jahren kommt es laut Köttritsch durch die steigende Ausübung alternativer Sportarten wie Mountainbiken und Paragleiten in den Bergen zu vermehrten Unfällen. „Unsere Gesellschaft hat scheinbar verlernt, sich in der Natur angemessen zu bewegen. Es gibt keine Reset-Taste, die man drücken kann, nur den Alpin-Notruf 140.“

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