Deutschunterricht: Ab acht Schülern Pflicht. Amstettner Volksschulen werden voraussichtlich die von der Regierung verlangten Förderklassen bilden müssen. Die praktische Umsetzung wirft noch Fragen auf.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. Mai 2018 (04:56)
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Symbolbild

In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, wie viele Deutschförderklassen ab September in den Volksschulen der Stadt geführt werden müssen. „Die genaue Zahl haben wir jetzt noch nicht, ich gehe aber davon aus, dass es in jeder Volksschule, mit Ausnahme von Hausmening, zumindest eine sein wird“, sagt die zuständige Bildungsmanagerin Michaela Stanglauer.

Regelung könnte auch ältere Kinder treffen

Die neue Regelung besagt, dass Schüler, denen bei der Schuleinschreibung Deutschmängel attestiert werden, einen Test machen müssen. Ergibt dieser, dass sie dem Unterricht nicht ausreichend folgen können, müssen sie eine Deutschförderklasse besuchen. Gebildet werden muss eine derartige Klasse ab acht Schülern.

Diese Regelung gilt zwar nur für Schulanfänger, dennoch könnte sie auch ältere Kinder treffen. „Wenn zum Beispiel im Laufe des Jahres eine Familie mit einem neunjährigen Sohn zuzieht, und er nicht ausreichend Deutsch kann, ist er ebenfalls einer Deutschklasse zuzuweisen“, sagt Stanglauer.

Wie die Deutschklassen in der Praxis funktionieren sollen, ist insgesamt noch ein wenig undurchsichtig. Dass dort dann Kinder der verschiedensten Nationalitäten aufeinandertreffen, die sich auch untereinander nicht verständigen können, wird den Unterricht nicht einfacher machen.

Zwischen acht und 25 Kinder in einer Klasse

„Im Idealfall hat eine Lehrkraft da acht Schüler, im schlechtesten Fall aber 25 Schüler zu unterrichten“, sagt Stanglauer. Die Teilungszahl ist für die Deutschklassen nämlich dieselbe wie für die Regelklassen.

Insgesamt sollen die Kinder in der Woche 15 Deutschstunden haben. In Gegenständen wie Zeichnen, Musik und Turnen werden sie in der Regelklasse am Unterricht teilnehmen. Auch darüber, wie dieses Hin und Her in der Praxis funktionieren soll und kann, herrscht an den Schulen natürlich noch Unklarheit. „Wir dürfen natürlich nicht nur die Kinder in den Deutschförderklassen im Blick haben, sondern auch jene in den Regelklassen. Sie dürfen auch keine Nachteile haben“, sagt Stanglauer.

Die Bildungsmanagerin weist noch auf einen anderen Aspekt hin, den die vom Bund verordneten Deutschförderklassen mit sich bringen. Im Herbst wird es in den Amstettner Volksschulen voraussichtlich keine Vorschulklassen geben. „Denn dafür braucht es zehn Kinder. So viele werden aber durch die Deutschförderklassen kaum noch zusammenkommen“, sagt Stanglauer. Das heißt in der Praxis: Vorschüler werden künftig also in den Regelklassen mitunterrichtet werden.

Die Lehrkräfte für den Deutschförderunterricht muss das Land beistellen. Im Bezirk sollte es genügend dafür ausgebildete Pädagogen geben.

Ob auch in einer Mittelschule in Amstetten eine Deutschförderklasse gebildet werden muss, ist derzeit noch nicht klar.

Sprachförderung läuft wie bisher weiter

Weiterlaufen wie bisher muss natürlich auch der Sprachförderunterricht für ältere Kinder mit Deutschdefiziten, die nicht in die neue Regelung fallen.

Bildungsmanagerin Michaela Stanglauer ist zuversichtlich, dass sich alle neuen Herausforderungen, die der Herbst bringt, pädagogisch bewältigen lassen. „Wir werden uns mit jeder betroffenen Schule zusammensetzen und unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen ein Konzept erarbeiten, das für Lehrer und Kinder dann auch wirklich lebbar ist!“

Österreichweit wird übrigens davon ausgegangen, dass rund 30.000 Schüler von der neuen Regelung betroffen sein werden.

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