Eine Bibliothek von Wohlfühlmomenten. Psychotherapeut Christoph Thoma lädt dazu ein, schöne Momente mit anderen zu teilen: Denn Wohlfühlen will gelernt sein.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 20. Mai 2020 (10:08)
Christoph Thoma im altehrwürdigen Kino in Grein.
privat

Die aktuelle Coronakrise ist für viele Menschen auch psychisch eine große Herausforderung, weil sie viele Ängste und Unsicherheit erzeugt.

Dem Amstettner Psychotherapeuten Christoph Thoma fällt aber grundsätzlich auf, dass Menschen „Gesundheit nur noch als Abwesenheit oder Ausbleiben von Krankheitssymptomen definieren.“ Das könne aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Thoma will Gesundheit in einem viel weiteren Sinn verstehen – ganzheitlicher. „Dafür ist aber eine ,180-Grad-Drehung’ – das ist ein Ausdruck aus der Psychotherapie – notwendig und eine Fokuserweiterung“, sagt Thoma.

Die Frage müsse genau genommen lauten: „Wann fühlen wir uns gesund“ – weil damit das persönliche Erleben jedes Menschen angesprochen werde. Und darauf hat Thoma auch eine Antwort parat: „Wir fühlen uns gesund, wenn wir uns wohlfühlen.“ Mit dieser Erkenntnis werde die Fixierung auf den rein physischen Zustand aufgebrochen. Denn Wohlfühlen könne sich auch ein Kranker immer wieder. Thoma ist davon überzeugt, dass das „Erleben von Wohlfühlen“ die Sehnsucht des Menschen fördert, erneut in diesen Zustand zu kommen.

Das Wohlfühlen als ein wiederholbares Ereignis

„Wichtig ist daher, sich die Wohlfühlmomente bewusst zu machen. Wer sich wohlfühlt, muss alles richtig gemacht haben. In dem Moment, wo er diese Situation beschreibt, wird ihm deutlich, was sein Wohlfühlen fördert. Dieses wird somit vom zufälligen zum wiederholbaren Ereignis. Gesundheit wird vom Schicksal zum beeinflussbaren Faktor! Die Sehnsucht nach Wohlfühlen wird zum Motor des künftigen Strebens danach“, sagt der Therapeut.

Thoma stellt in seiner Praxis seinen Klienten öfters die Frage, wann sie sich zuletzt wohlgefühlt hätten. Spontan, so berichtet er, könne sich kaum eine Person an so eine Situation erinnern, sehr wohl aber an eine, in der sie sich schlecht gefühlt habe. Es komme daher darauf an, das Bewusstsein „umzupolen“, um positive Zustände parat zu haben. „Leider haben viele Menschen, so behaupte ich aus meiner therapeutischen Erfahrung, kaum mehr Ideen, was Wohlfühlen für sie sein könnte. Deshalb möchte ich dazu auffordern, dass Personen ihre persönlichen Wohlfühlmomente öffentlich machen. Diese können und sollen Inspiration für andere sein. Ich möchte also sozusagen eine ,Bibliothek der Wohlfühlmomente‘ schaffen, die für viele Menschen zugänglich ist.“

Die NÖN schließt sich diesem Anliegen gerne an und will dazu beitragen, die „Bibliothek der Wohlfühlmomente“ Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn Sie also andere Menschen an einer schönen Erinnerung teilhaben lassen wollen, dann veröffentlichen wir diese gerne (anbei als Beispiel ein Wohlfühlmoment von Christoph Thoma).

Beschreiben sie Ihren persönlichen Wohlfühlmoment und schicken Sie ihn (mit Name und Wohnort) bevorzugt auch mit einem Foto an: redaktion.amstetten@noen.at