Franz Sieder ist seit 60 Jahren Priester

Erstellt am 09. Juli 2022 | 06:58
Lesezeit: 3 Min
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Der engagierte „Arbeiterpfarrer“ Franz Sieder feierte sein 60-jähriges Priesterjubiläum.
Foto: Wolfgang Zarl
„Arbeiterpfarrer“ Franz Sieder feiert sein Weihejubiläum. Auch mit 84 ist er stets im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.
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Am 30. Juni jährte sich das Weihejubiläum des Amstettners Franz Sieder zum 60. Mal. Er gehört in Amstetten mit seiner roten Vespa fast zum Straßenbild. Der langjährige Betriebsseelsorger flitzt leidenschaftlich gerne mit seinem Moped zu seinen Terminen – wie schon in jungen Jahren. Für längere Strecken wie etwa nach St. Pölten oder Wien benutzt er zwar Auto oder Bahn, aber in Amstetten und Umgebung fährt er am liebsten auf zwei Rädern. „Da habe ich dann keine Parkplatznot und bin flexibler und schneller“, sagt der 84-jährige gebürtige Ober-Grafendorfer, der vor vier Jahren als Betriebsseelsorger in Pension gegangen ist.

Als Priester hilft er noch oftmals in verschiedenen Pfarren und bei der Krankenhausseelsorge aus oder begleitet die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Er habe, so Franz Sieder, trotz seines Ruhestandes noch immer viel Energie. Geprägt und inspiriert haben den Amstettner die Katholische Arbeiterjugend (KAJ), die Pioniere der französischen Arbeiterseelsorge sowie die Befreiungstheologie.

Plakatbotschaften am Bahnhof

Franz Sieder hat über 17 Jahre am Amstettner Bahnhof Plakatbotschaften in einem Schaukasten veröffentlicht. In mehreren Büchern finden sich seine Botschaften wieder. Dazu kommen einige der von Sieder über die Jahre in lokalen Medien publizierten Kolumnen, die ein authentisches Bild des Betriebsseelsorgers vermitteln sollen.

Viele kennen und schätzen Sieders Einsatz für Gerechtigkeit, für Schwächere, für Frieden und für die Versöhnung zwischen Kirche und Arbeiterschaft. Der „Pax Christi“-Vertreter sagt, er verstehe sein Handeln als Dienst am Evangelium. Manchen gilt er als „streitbar“ und – wie es das Buch beschreibt – als „provozierend“. Auch die Diözesanbischöfe hätten ihn früher „eher geduldet als gewollt, aber gewähren lassen“. Gerade Gewerkschafter hätten respektiert, dass ein „Außenseiter mit linken Positionen“ – wie er selber sagt – einen Platz in der Kirche hat. Da man ihn wirken ließ, seien manche nicht aus der Kirche ausgetreten, erzählt der Priester. Noch immer wirbt er in Sozialdemokratie, Arbeiterschaft und Kirche um gegenseitiges Verständnis.

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