Erstellt am 01. Juni 2015, 10:16

von Claudia Stöcklöcker

Gefakter Raub ging schief. Den großen Coup wollte eine Schülerin in einem Lebensmittelgeschäft landen. "Um Eindruck zu schinden" machte 17-Jähriger mit und fasste nun acht Monate Gefängnis aus.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

„Uns war fad“, erklärt die 15-jährige Schülerin vorm Richter, als dieser sie fragte, weshalb sie und ein Lehrling (17) sich im Raub übten. Heuer, am 20. Jänner, wollten die beiden in Allersdorf in Amstetten zuerst eine Bank, dann ein Lebensmittelgeschäft ausrauben. Beides scheiterte. Das Duo sitzt nun vor dem Richter.

Von langer Hand geplant war die Aktion nicht. „Sie hat gefragt, ob wir einen Raub machen und ich hab’ ja gesagt“, erzählt der 17-Jährige aus Waidhofen im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Ein schwarzes T-Shirt wurde zur Maske umfunktioniert: „Ärmel abgeschnitten, Seh- und Mundschlitze, über den Kopf gezogen, oben verknotet.“ Vor der Bank stand das Pärchen vor verschlossener Tür und zog unverrichteter Dinge von dannen. „Dass die Bank geschlossen hat, habe ich gewusst. Ich wollte aber Eindruck schinden. Es sollte so ausschauen, als ob ich mitmachen wollte“, so der 17-Jährige.

Maskiert und mit einer Astsäge bewaffnet

Die 15-jährige Oberösterreicherin ließ jedoch nicht locker. „Gibt’s was anderes?“, fragte sie. „Da hab’ ich Angst davor gekriegt, dass es jetzt ernst werden könnte“, sagt der Bursche. Dennoch stimmte er zu, das Lebensmittelgeschäft neben der Bank zu überfallen. Er packte eine Astsäge ein. „Beim Spielplatz habe ich mich umgezogen. Sie sollte als Kundin ins Geschäft gehen, mich anrufen und ich sie dann als Geißel nehmen. Ich hab’ sie von hinten gepackt, ihr den Mund zugehalten, die Säge angesetzt und ,Überfall!‘ gerufen“, berichtet der Angeklagte.

Die Verkäuferin bewies Courage. „Die Spompanadeln kennen wir schon. Verschwinde! Ich ruf meinen Bruder an, der arbeitet bei der Polizei“, rief sie und griff zum Telefon. Der 17-Jährige türmte und ließ dabei drei Packungen Zigaretten mitgehen. „Ich habe einen Schreck gekriegt. Bin zur Oma. Die Maske hab’ ich am Dachboden versteckt, da hat’s schon geklopft“, sagt er. Die Polizisten standen vor der Tür.

Der 17-Jährige ist einschlägig vorbestraft – er fasste bedingte Strafe wegen Raubes wenige Monate vor dieser Tat aus. „Auch da war er nicht Triebfeder“, erklärte Richter Markus Grünberger. Ein Schöffensenat verurteilt den Burschen nun wegen versuchten schweren Raubes und Diebstahls zu zwei Jahren teilbedingt, davon acht Monate gesiebte Luft. Die unbescholtene 15-Jährige kommt mit einem Jahr auf Bewährung davon. Nicht rechtskräftig.