Gewalt: Die Hilfesuchenden werden immer mehr. Gewaltschutzzentrum NÖ verzeichnete im Vorjahr Anstieg an Beratungen. Im Bezirk wurden 195 Personen betreut.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 18. Februar 2020 (05:12)
Doris Schleifer-Höderl

Michaela Egger, Leiterin des Gewaltschutzzentrums Niederösterreich, ist betroffen, dass am 16. Jänner wiederum ein Frauenmord in Niederösterreich (in Ybbs) verübt wurde. „Es ist traurige Realität, dass die Serie an bundesweiten Frauenmorden offensichtlich nach den 41 Morden 2018 und den 34 im Vorjahr – 14 davon in Niederösterreich – weitergeht. Und es handelt sich, wie bei den meisten Morden an Frauen, um Beziehungstaten. Das Jahr 2019 war sehr herausfordernd und hat uns als Gewaltschutzzentrum an unsere emotionale und ressourcentechnische Belastungsgrenze gebracht.“

Insgesamt waren es 2019 im gesamten Bundesland 2.983 Personen und damit um 319 mehr als 2018, die vom Gewaltschutzzentrum NÖ kostenlos und vertraulich beraten wurden. Zudem wurden 1.507 Betretungsverbote (2018: 1.428) von der Polizei übermittelt ausgesprochen. Im Bezirk Amstetten wurden 195 Personen betreut und es gab 90 Betretungsverbote (2018: 171 Personen und 102 Betretungsverbote). „Das vergangene Jahr hat einmal mehr aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass alle Institutionen eng zusammenarbeiten“, berichtet Egger.

„Ob Frauenberatungen, Frauenhäuser, Politik, Polizei und Justiz – wir alle müssen ständig am Thema gegen Gewalt im häuslichen Kontext arbeiten.“ Im Bezirk Amstetten funktioniere dies sehr gut. „Die ständig steigende Zahl an Hilfesuchenden zeigt dies eindeutig, die Informationen und das Publikmachen von Gewalt greifen. Denn es ist essenziell, dass sich Frauen, die unter Gewalt – in welcher Form auch immer, ob psychisch oder physisch – leiden, an uns wenden können. Gewalt muss und darf man nicht dulden. Gewalt an Frauen muss als zentrales Problem der Gesellschaft behandelt werden. Was viele dabei vergessen: Sie ist unabhängig von der Bevölkerungsschicht und auch von der staatlichen Zugehörigkeit. Populismus und Fremdenfeindlichkeit bringen uns bei Gewalt nicht weiter. Gewaltbereitschaft gibt es in jeder Kultur.“

Präventionszentren für 2021 geplant

Michaela Egger begrüßt es auch, dass ab 2021 die Gründungen von sogenannten Gewaltschutzpräventionszentren bundesweit und somit auch in Niederösterreich geplant sind, die unmittelbar nach einer Eskalation mit den Tätern arbeiten sollen. „Uns ist dabei wichtig, dass diese Präventionsarbeit opferschutzorientiert ausgerichtet ist und somit von qualifizierten Personen und Mitgliedern der Bundesarbeitsgemeinschaft Opferschutzorientierte Täterarbeit – kurz BAG-OTA – durchgeführt wird.“

Zudem sei es wichtig, Frauen als Opfer ernst zu nehmen. „Der Erstkontakt ist sehr entscheidend, ob ein Opfer sich öffnet und erzählt. Das braucht Zeit.“ Erfreut ist die Leiterin des Gewaltschutzzentrums Niederösterreich auch darüber, dass dem Land Niederösterreich – allen voran Familienlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Soziallandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig – Gewaltpräventionsarbeit ein großes Anliegen ist. „Obwohl wir als Gewaltschutzzentrum vom Bund subventioniert werden, werden wir regelmäßig in die Arbeiten des Landes miteingebunden. Eine breite Allianz gegen Gewalt an Frauen und Kindern ist wichtig, um das Thema weiter zu enttabuisieren.“

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