Gruppeninspektor Fehringer in Pension: „Im Herzen immer ein Gendarm“

Erstellt am 08. Juli 2022 | 06:53
Lesezeit: 4 Min
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Gruppeninspektor Michael Fehringer war 40 Jahre Gendarm und dann Polizist. Jetzt hat er die Uniform an den Nagel gehängt.
Foto: Polizei
40 Jahre war Gruppeninspektor Michael Fehringer Exekutivbeamter. Jetzt geht er in den Ruhestand. Im Gespräch mit der NÖN erzählt er von dramatischen und auch schrägen Erlebnissen.
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„Am 1. Juli habe ich meine Uniform an den Nagel gehängt“, erklärt Michael Fehringer. „Ab sofort bin ich nur mehr zivil gewandet unterwegs.“ Fällt ihm das nach 40 Jahren eigentlich schwer? „Wie man´s nimmt! Ich war schon gerne Exekutivbeamter und eigentlich noch immer von Herzen Gendarm, obwohl wir 2005 zur Polizei kamen. Wenn ich nochmals die Möglichkeit hätte, würde ich alles genauso wieder machen und den Drehmomentschlüssel gegen das Laserhandmessgerät tauschen.“

Eigentlich ist Michael Fehringer (62) nämlich gelernter KFZ-Mechaniker. „Nachdem ich beim Bundesheer war, hat mein Vater dann in der Zeitung gelesen, dass 50 Gendarmeriebeamte aufgenommen werden und ich soll sofort zum Posten gehen und mich anmelden. Das hab´ ich auch gemacht und gut war´s“, berichtet der Neo-Pensionist. Nach der Aufnahmsprüfung rückte der Mostviertler am 1. Juli 1982 in die Gendarmerieschule Wien Meidling ein. Seinen ersten Dienst versah Fehringer am Posten Perchtoldsdorf. „Dort war ich sechs Jahre. Danach kam ich nach Amstetten und bin auch geblieben.“ Getan hat sich in seinen 40 Dienstjahren einiges. „Wie ich begonnen habe, haben wir noch auf der mechanischen Schreibmaschine unsere Protokolle geschrieben, dann kam die elektrische und schließlich der Computer. Und: Keine Amtshandlung ist wie die andere gewesen. Diese Herausforderungen habe ich geliebt. Man hat zwölf Stunden Dienst gemacht und nie gewusst, was auf einen zukommen wird. Da war immer alles drinnen. Denn wenn man mit Menschen zu tun hat, dann menschelt es gewaltig.“

An ein Ereignis erinnert sich Fehringer noch ganz genau. „Ich war 36 Jahre alt und im Winter auf der Oiden lasern, also die Verkehrsgeschwindigkeit der Autofahrer messen, als ein Autofahrer bei mir stehen blieb und mich auf einen Unfall aufmerksam machte. Wo heute der Kreisverkehr ist, Richtung Wald, sah ich dann ein Auto auf der linken Seite, das frontal an einem Baum angefahren war. Sofort begab ich mich zum Unfallfahrzeug und leitete alle notwendigen Maßnahmen ein. Der Fahrer saß drinnen und schrie unentwegt, neben ihm seine Frau, eingeklemmt und völlig still, und hinten ein ungefähr einjähriges Kind, unverletzt. Obwohl alles nur wenige Minuten gedauert hat, ist es mir wie eine Ewigkeit vorgekommen. Da verliert man jeden Zeitbegriff, man funktioniert nur mehr. Später habe ich erfahren, dass die Frau durch den Unfall querschnittgelähmt war. Wirklich tragisch. Bis heute habe ich diesen Vorfall nicht vergessen, es war sehr prägend.“

„Streifengehen ist mir abgegangen“

Ein Jahrzehnt gehörte Michael Fehringer der Verkehrsdienstgruppe an, danach wechselte er aus gesundheitlichen Gründen in den Innendienst, wo er Administratives und den Parteienverkehr verrichtete. „Natürlich ist mir das Streifegehen abgegangen. Ich war für mein Leben gerne draußen, weil ich gerne mit den Leuten geplaudert habe. In einer Stadt wie Amstetten kennt jeder jeden und man hat auch vieles erfahren. Lokal- und Personenkenntnis, wie es auch in der Dienstvorschrift so schön heißt, ist essenziell. Aber ich habe mich dann an das ausschließliche Arbeiten am Schreibtisch gewöhnt.“ Oft nahm Fehringer bis zu 200 Anrufe pro Tag entgegen. „Ich erinnere mich noch an einen Tag, da hatten wir noch den Notruf, da habe ich von 22 bis ein Uhr in der Früh durchgehend Anrufe von einer Person erhalten. Es schien aber keine Nummer auf und es hat sich nie jemand gemeldet. Ich habe nur Geschirrklappern oder den Fernseher laufen gehört. Nach drei Stunden war es auf einmal vorbei, die Person ist vermutlich schlafen gegangen. Sie können mir glauben: Es gibt nichts, was es nicht gibt.“

Rückhalt für seine verantwortungsvolle Tätigkeit hat Michael Fehringer dann immer bei seiner Familie erfahren. „Meine Frau, meine drei Töchter und sieben Enkelkinder sind mein Ein und Alles und ich bin froh, nun die Zeit mit ihnen genießen zu können. Ich freue mich, nur mehr Ehemann, Vater und Großvater sein zu dürfen!“

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