Hauptplatz als Zankapfel. Möblierungsaktion ist für VP nur „Aktionismus“. SP wollte damit „Diskussion anregen“.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 24. September 2019 (04:32)
Dass der Amstettner Hauptplatz nicht längst attraktiviert wurde, ist für VP-Fraktionschef Markus Brandstetter ein Versäumnis der SP. Nun sieht er aber in der Stadterneuerung eine neue Chance.
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Hart zu Gericht geht VP-Fraktionssprecher Markus Brandstetter mit der SP-Aktion, einige Möbel und Bäume am Hauptplatz aufzustellen. „Das ist reiner Aktionismus. Die Bürgermeisterin ist 3.000 Tage im Amt, das wäre Zeit genug gewesen, um in der Hauptplatzgestaltung etwas weiterzubringen. Aber in Wirklichkeit ist das Thema von der Rathausführung vernachlässigt worden.“

Bürgermeisterin Ursula Puchebner sieht die VP schon im Gemeinderatswahlkampfmodus.
SPÖ

Es ärgert Brandstetter auch, dass die SP Ideen für sich beanspruche, die in laufenden Prozessen zum Teil auch mit Bürgern gemeinsam erarbeitet worden seien: Vision 2030, AMSEL und Citykompass. „Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, man habe als SPÖ das Goldene Ei gefunden, weil man ein paar rote Sitzgelegenheiten hinstellt, das ist nur ein Zeichen von Führungsschwäche. Gerade in Sachen Hauptplatz müssen wir einen gemeinsamen Weg gehen“, sagt Brandstetter.

Die Anforderungen seien klar: Einerseits müsse die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessert werden, andererseits brauche man aber auch eine hohe Flexibilität des zur Verfügung stehenden Raumes für Veranstaltungen. „Wir müssen bei der Gestaltung die Menschen mitnehmen. Ich setze da nun vor allem auf die Stadterneuerung, die wir ja im kommenden Jahr beginnen, und wo wirklich alle Bürger mitarbeiten können“, betont der VP-Mandatar.

Neue Wege schlägt er bei der Bespielung des Hauptplatzes vor. Die Stadt bzw. das Stadtmarketing gäbe ja mit ihren Veranstaltungen ein Grundgerüst vor. Dazwischen könne es aber vermehrt auch extern organisierte Events geben. „Most trifft Wein und auch der Pflastersound zeigen ja vor, wie man ohne große Subventionen tolle Veranstaltungen im Zentrum machen kann“, sagt Brandstetter. Er kann sich eine Art Ausschreibung vorstellen: „Interessierte sollen Konzepte einreichen und bei der Auswahl können wir auch die Bürger per Abstimmung einbinden. Im Online-Zeitalter ist das ja alles kein Problem mehr.“

„Wollen zu einer breiten Diskussion anregen“

SP-Bürgermeisterin Ursula Puchebner findet es bemerkenswert, dass die ÖVP erst drei Wochen nach der Möblierungsaktion reagiert. „Offensichtlich hat der gerade erst verkündete Termin für die Gemeinderatswahl einige Herrschaften der ÖVP da in den Wahlkampfmodus versetzt.“

Puchebner weist auf mehrere Mobilisierungskonferenzen hin, die die SPÖ seit November 2018 abgehalten hat. „Dort haben wir mit hunderten Bürgern Ideen für die Zukunft Amstettens erörtert. Die Attraktivierung des Hauptplatzes war für viele ein zentrales Anliegen. Deshalb haben wir die dazugehörigen Vorschläge gesammelt und in einem bunten Bild zusammengefasst. Schon damals hat sich die ÖVP darüber empört, dass hier ein ,Ideenklau‘ stattgefunden habe. Die dahinterstehende Geisteshaltung war und ist verräterisch: Ideen der Bürger werden als Unverfrorenheit abgetan, weil sie ohne Zutun und ohne Erlaubnis der ÖVP zustande gekommen sind“, sagt die Stadtchefin.

Mit der Möblierungsaktion habe die SPÖ nur eine noch breitere Diskussion über die Hauptplatzgestaltung anregen wollen. Dass im City-Kompass-Prozess schon viele Maßnahmen für den Hauptplatz formuliert worden seien, bestreitet Puch ebner nicht. „Nun ist es aber wichtig, dass die Bevölkerung davon auch Notiz nimmt. Eigentlich müsste die ÖVP es doch begrüßen, wenn Ideen nicht im erlesenen Zirkel verbleiben, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, sagt die Stadtchefin.

Für Grünenstadtrat Dominic Hörlezeder hat das verbale Scharmützel zwischen VP und SP auch etwas Positives. „Denn es zeigt, dass das wichtige Thema Hauptplatz nun auch bei den anderen Parteien angekommen ist. Uns ist die Neugestaltung ja schon lange ein zentrales Anliegen.“ Die Vorschläge der Grünen seien auch bekannt. Primär brauche es eine ordentliche Begrünung und Beschattung, nicht zuletzt aufgrund der klimatischen Veränderungen und der dadurch entstehenden heißen und trockenen Sommer.

„Außerdem soll man den Hauptplatz öfter in Form von diversen Veranstaltungen bespielen. Der Platz muss attraktiver werden, um Menschen anzuziehen, was in weiterer Folge natürlich den Innenstadtkaufleuten zugutekommt“, sagt Hörlezeder. Durch die Stadterneuerung im kommenden Jahr tut sich für den Grünenchef eine neue Chance für das Projekt auf. „Denn das eröffnet uns die Möglichkeit, Förderungen zu bekommen, die wir sonst nicht erhalten hätten.“

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