Hauptplatz-Container sorgt für Debatten. Bauwerk am Hauptplatz ist „Zentrale“ der Stadterneuerung. Stadtchef nimmt Kritik daran gelassen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. September 2020 (05:49)
Vor der SAM-Zentrale am Hauptplatz: Maria Huemer von der NÖ Regional GmbH, Bürgermeister Christian Haberhauer, Vizebürgermeister Markus Brandstetter und Stabstellenleiterin Clarissa Schmitz.
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1.112 Personen haben sich bereits an der Umfrage zur Stadterneuerung Amstetten (SAM) beteiligt. „Wenn man bedenkt, dass Amstetten insgesamt rund 8.500 Haushalte hat, dann hat es eine so hohe Beteiligung bisher noch nie gegeben“, sagt Bürgermeister Christian Haberhauer. In der Vorwoche präsentierten er und Vizebürgermeister Markus Brandstetter die „SAM Werkstatt“, jenes Containerbauwerk am Hauptplatz mit einem begehbaren Stadtplan am Boden, das in den kommenden Jahren sozusagen die Zentrale des Stadterneuerungsprozesses sein wird. „Hier können sich die Bürger auf einem großen Info-Screen immer die neuesten Informationen über Umfragen und Projekte abrufen. Es sollen hier aber auch kleine Workshops stattfinden und wir wollen Aktionen im Rahmen der Stadterneuerung präsentieren“, erklärt Brandstetter. Die vier Seiten des Gebäudes stehen für die vier SAM-Arbeitsgruppen. „Die Glasfront gewährt freien Blick auf den Hauptplatz, dessen Gestaltung ja das zentrale Projekt sein wird. Das Glas symbolisiert zugleich die Transparenz des Prozesses“, sagt Brandstetter. Die orange, grün und gelb eingefärbten Seitenwände stehen für die Bereiche Mobilität, Leben und Jugend. „All das soll ausdrücken, dass hier etwas passiert, das Amstetten in den nächsten 20 Jahren prägen soll.“

Die Plattform oben auf dem Container soll den Amstettnern die Möglichkeit geben, einmal einen anderen Blick auf den Hautplatz zu werfen, und ist zugleich Bühne für Musik und Veranstaltungen. „Wir haben sie deshalb auch bewusst in der Achse von Hauptplatz und Rathausstraße gestellt, um beide zu bespielen“, erklärt Brandstetter.

Bis Herbst muss Stadt ein Leitbild vorlegen

Inhaltlich geht es im Herbst darum, ein Leitbild zu erarbeiten, das man dem Land präsentieren kann. Das ist Voraussetzung für die Förderung des Prozesses. Gleichzeitig tüftelt man am Masterplan, der alle Projekte der Stadterneuerung umfassen soll. „Wir arbeiten so schnell wie möglich. Nach Auswertung der Fragebögen werden die Ideen in den Arbeitsgruppen gefiltert und diskutiert. Schon nächstes Jahr wollen wir in die Umsetzungsphase kommen“, erklärt Haberhauer. Er erhofft sich für die Projekte auch „einen hohen Förderanteil des Landes.“

Dass der Containerbau auf Facebook von Bürgern durchaus kritisch kommentiert wurde (siehe Meinungsbox anbei), ist für den Ortschef nicht tragisch: „Denn er bewegt die Leute und sie reden darüber. Das ist ganz in unserem Sinne.“

Haberhauers Wunsch, dass bei der Stadterneuerung alle Amstettner an einem Strang ziehen, erfüllt sich bislang allerdings nicht. Die SPÖ attestiert der schwarzgrünen Regierung einen Fehlstart. „Es wurden bereits 120.000 Euro alleine für das Marketing zur Verfügung gestellt. Gerade in Zeiten der Coronakrise halte ich das für maßlos überzogen. Aus unserer Sicht sollte die Priorität auf Projekten liegen, die den Lebensraum der Amstettner positiv verändern, und nicht auf Inszenierung und Selbstdarstellung“, kritisiert etwa Stadtrat Helfried Blutsch.

Der Containerbau am Hauptplatz sei alles andere als attraktiv, befindet SP-Vizebürgermeister Gerhard Riegler. „Ein teurer Container – dieser kostet inklusive der Schaffung eines Stromanschlusses, der Einrichtung und Verkleidung ebenfalls knapp 100.000 Euro – ist kein geeigneter Schritt, um den Hauptplatz schöner zu machen. Das sehen auch die Menschen in Amstetten so.“ Die SPÖ habe schon 2019 in drei großen Konferenzen die Bürger eingeladen, ihre Wünsche einzubringen. „Wir haben daher ein klares Bild, wie der Hauptplatz künftig aussehen soll. Neben einer Begrünung sollen bequeme Sitzgelegenheiten und ein Wasserspiel geschaffen werden“, sagt Riegler.

VP-Vizebürgermeister Markus Brandstetter weist die Kritik der SPÖ zurück. Von Beginn an seien alle Fraktionen des Amstettner Gemeinderates in den Stadterneuerungsprozess eingebunden gewesen. „Fast alle Beschlüsse fielen in den jeweils verantwortlichen Gremien einstimmig. Das Budget für das Jahr 2020 wurde erstellt und mit den Stimmen der SPÖ beschlossen. Alle Zahlen der SPÖ-Aussendung sind an den Haaren herbeigezogen und schlichtweg falsch“, sagt der VP-Vize, ohne selbst eine Kostenaufstellung zu präsentieren.
Besonders verwundern Brandstetter die Aussagen der SPÖ zur Neugestaltung des Hauptplatzes: „Wenn die SPÖ meint, dass ein Wasserspiel, neue Sitzgelegenheiten und etwas Begrünung am Hauptplatz genügen, stellt sich für mich die Frage: Warum hat die SPÖ dies nicht einfach in den letzten 20 Jahren als Bürgermeisterpartei umgesetzt?“

Umfrage beendet

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