Helmut Lutz: „Wanderer haben oft extreme Defizite“

Wer in alpines Gelände geht, der sollte die richtige Ausrüstung mitnehmen und auch das eigene Können nicht überschätzen, mahnt Helmut Lutz von der Ortstelle Amstetten.

Doris Schleifer-Höderl Erstellt am 27. August 2020 | 05:20
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Helmut Lutz ist der neue Leiter der Bergrettungstelle Amstetten.
Foto: Schleifer-Höderl

„Alpines Gelände ist kein Spielplatz“: Dies zu vermitteln liegt dem Neufurthner Helmut Lutz (52), der seit Juni neuer Leiter der Bergrettungs-Ortsstelle Amstetten ist, besonders am Herzen. Durch Corona sind natürlich mehr Menschen im alpinen Gelände unterwegs, aber schon zuvor ließ sich ein Trend erkennen, dass immer mehr Leute es für Freizeitaktivitäten entdecken.

Das Einsatzgebiet der Bergrettung Amstetten erstreckt sich im Sommer von der Region Amstetten über den Brandstetterkogel bis zur Stillen steinklamm. Negativ-Vorkommnisse mit Wanderern halten sich zwar in Grenzen, die Bergretter machen aber doch immer wieder die eine oder andere Beobachtung, die sie den Kopf schütteln lässt. „Drauflosgehen mit der Einstellung, wenn ich nicht mehr kann, dann holt mich die Bergrettung eh ab, so was gibt’s leider immer wieder“, berichtet Lutz. „Ebenso dass Leute mit Babys am Rücken aufbrechen oder mit Flip Flops und Minirock unterwegs sind. Gerade bei der Ausrüstung gibt es oft extreme Defizite. Das fällt durch Corona noch mehr auf.“

Die Bergrettung empfiehlt die Tourenplanung mit Bedacht auf die Aktivitätspause konservativ anzulegen, die Hygienemaßnahmen und Abstände situationsgerecht einzuhalten sowie Outdooraktivitäten nur bei vollständiger Gesundheit zu unternehmen. „Vor allem sollte man die eigenen Kräfte und das eigene Können nicht überschätzen und die Länge und Schwierigkeit der Tour danach ausrichten. Wir weisen da immer auf unsere sieben Sicherheitstipps hin (siehe unten) die Bergwanderer im Eigeninteresse immer beherzigen sollten“, sagt Lutz, der seit 2004 aktives Mitglied der Bergrettung Amstetten ist und somit auf lange Erfahrung verweisen kann. „Ich bin seit drei Jahrzehnten in den Bergen unterwegs. Auch meine Gattin und meine vier Töchter konnte ich davon überzeugen, dass es nichts Schöneres gibt“, berichtet Lutz.

Das Team der Bergrettungsstelle umfasst zurzeit 57 Mann, davon sind 29 im Aktivdienst und sieben in Ausbildung. „Unser Altersschnitt beträgt 40+, daher sind wir immer auf der Suche nach Nachwuchs“, so der Neo-Ortsstellenleiter. Aktive Mitglieder für seine Ortsstelle zu finden, ist ihm ebenso ein großes Anliegen wie die Planung der Aktivitäten rund um das 100-jährige Bestehen der Bergrettung Amstetten im Jahr 2022. Die persönlichen Highlights des diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegers, der seit 32 Jahren im Landesklinikum Mauer tätig und derzeit für das Aufnahmemanagement der Erwachsenenpsychiatrie zuständig ist, waren bis dato die Besteigungen des Mont Blanc, des Ortlers sowie des Piz Buin. Auf der Wunschliste stehen unter anderem noch die Dufourspitze und der Triglav. „Bis zum Schwierigkeitsgrad 4 ist alles für mich machbar. Danach lass‘ ich es aber lieber sein. Ich nehme die Eigenverantwortung natürlich auch selbst ernst“, meint Lutz.