Heroin-Dealer vor Gericht. Zwei Brüder stehen wegen Suchtgifthandel vor dem Richter, mit ihnen sechs weitere Angeklagte, die als Fahrer oder Mitfahrende beteiligt gewesen sein sollen. Die Verhandlung musste vertagt werden.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 09. Dezember 2020 (20:23)
Gericht Prozess Urteil Symbolbild
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Zwei Brüder, jung und heroinabhängig, sollen von 2016 bis 2020 in Amstetten mit Suchtgift gehandelt und sich damit ihren Lebensunterhalt verdient haben – soweit die Anklage. Das stimmt so nicht ganz, sagen die beiden Männer. Der 25-Jährige und der 27-Jährige meinen, sie hätten weder gemeinsam ein „Geschäft“ aus der Sache gemacht noch sich bereichert, sondern unabhängig voneinander gedealt, um ihre Sucht damit zu finanzieren.  

Über mehrere Jahre hinweg waren die beiden immer wieder nach Wien gefahren, um Heroin zu kaufen, über zwei Kilo sollen so zusammengekommen sein. Den größten Teil hätten sie selbst konsumiert, so die beiden Hauptangeklagten, den Rest haben sie in Amstetten verkauft. Die Liste der mutmaßlichen Abnehmer und Abnehmerinnen ist sehr lang, die beiden Hauptangeklagten sagen, sie kennen manche davon gar nicht, bei vielen würde die angegebene Menge, die sie verkauft haben sollen nicht stimmen, sondern viel weniger betragen.

Kein Führerschein, mehrere Fahrer

Dass sie manchen Personen das Heroin gratis oder billiger überlassen hätten, könnte auch der Grund gewesen sein, warum die sechs mitangeklagten Personen (alle zwischen 23 und 29) als Fahrer beziehungsweise Mitfahrende geholfen haben sollen, mutmaßt der Richter. Nicht alle bekennen sich schuldig.

Einer der Mitangeklagten behauptet etwa, in seinem Fall handle es sich um ein Missverständnis, er habe den Hauptangeklagten sowie dessen Familie ein paar Mal mit dem Auto nach Wien gefahren, weil dieser keinen Führerschein habe, mit Heroin habe er aber seit 2018 nichts mehr zu tun. Die Telefonüberwachung der Polizei, lasse andere Schlüsse zu, sagt ein anwesender Polizist.

Im Raum stehen ein bis 15 Jahre Haft für die Hauptangeklagten und ein bis zehn Jahre für die anderen Angeklagten. Beweise dafür, dass die beiden Brüder den Suchtgifthandel als gemeinsames Geschäft aufgezogen haben, sieht der Richter auch nach Aussagen der Polizisten nicht. Weil es aber einige strittige Punkte im Verfahren gibt – unter anderem müssen die mutmaßlichen Abnehmer und Abnehmerinnen befragt werden – wird die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt.