Hilfsprojekt will „Menschen Mut machen“. Die Amstettnerin Helga Köstler arbeitete drei Monate lang ehrenamtlich in Albanien auf der Missionsstation Fushë-Arrëz, die von der Caritas unterstützt wird.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 27. Februar 2015 (06:20)
Helga Köstler bei der Verteilung von Lebensmitteln an Frauen. »Während ich in Albanien war, kamen fünf Hilfslieferungen an, die wir verteilten!«
NOEN, Köstler

„Die Eindrücke sind überwältigend“, erklärt die 52-jährige Pädagogin Helga Köstler, die in der Integrationsvolksschule in St. Georgen am Ybbsfelde tätig ist und sich ein Sabbatjahr genommen hat, um anderen Menschen helfen und sozial tätig sein zu können.

Menschen müssen in „prekären Umständen" leben

Ihr Weg führte sie im vergangenen Jahr nach Albanien. „Auch wenn man sich vorbereitet, hat man letztendlich keine Vorstellung davon, was einen erwartet und unter welchen prekären Umständen Menschen noch heute mitten in Europa leben müssen!“

Von August bis November war die engagierte Mostviertlerin in Fushë-Arrëz im Norden Albaniens, um auf der Missionsstation, geleitet von den Franziskanerinnen Schwester Gratias und Schwester Bernadette aus Bayern, mitzuhelfen.

Ihr Mann Christian und ihre drei erwachsenen Kinder bestärkten sie in ihrem Entschluss. „Dafür bin ich dankbar, es ist schön, wenn man daheim Rückhalt hat“, sagt Köstler. Die beiden Ordensschwestern in der Missionsstation arbeiten schon seit zwanzig Jahren in Albanien und leisten geistige sowie materiale Hilfe für die arme Bevölkerung.

Erschreckende Armut der Bevölkerung unmittelbar erlebt

„Sehr beeindruckt hat mich die gelebte Gottes- und Nächstenliebe der Schwestern und der Kapuzinerpatres Andreas und Matteo. Oft hörte ich den Satz ‚Es wird schon irgendwie gehen!‘. Für die Menschen in den halb verlassenen Bergdörfern sind sie eine große Hilfe. Ohne ihre Unterstützung vor Ort wäre es für viele Familien nicht möglich, in ihren Dörfern zu bleiben“, erklärt die ehrenamtliche Helferin.

Auch sie selbst war bei ihrem Einsatz in einigen Dörfern unterwegs und hat die teilweise erschreckende Armut der Bevölkerung unmittelbar erlebt. „Ich war oft wirklich sehr entsetzt. Aber trotz der Armut wurden wir herzlich aufgenommen und man teilte mit uns auch das Wenige, das vorhanden ist.“

Veränderung sei nur durch Bildung möglich, ist sich Helga Köstler sicher. „Und über die junge Generation, die sich sehr aufgeschlossen zeigt. So gibt es in Fushë-Arrëz unter anderem einen Kindergarten, eine Ambulanz, Ausbildungsförderung für Jugendliche sowie Hygienekurse für werdende Mütter.

„Gemeinsam mit den Familien, den Schwestern und der Caritas St. Pölten in Kooperation mit dem Arbeitskreis Albanienhilfe Ardagger entstehen zudem neue Häuser vor Ort. Die Familien erhalten Baumaterialien für den Hausbau, den sie mit Unterstützung eines Facharbeiters selbst errichten. Ich finde diese Hilfe zur Selbsthilfe sehr wertvoll und habe selbst erlebt, mit welcher Freude hier für das eigene neue Heim gearbeitet wird.“