Keine Ruhe im Schulpark. Jugendliche wollen Spaß haben, Senioren sind sie zu laut:Mediation könnte vielleicht Lösung bringen.

Von Gerold Keusch. Erstellt am 09. Juli 2019 (03:40)
Das Haus Kirchenstraße 18, in dem die Senioren in Ruhe ihren Lebensabend verbringen möchten, befindet sich gegen des Schulparks.
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„Wir haben unser altes Zuhause aufgegeben, um hier in Ruhe unseren Lebensabend genießen zu können“, erklärt ein Bewohner, warum er die Mühe und die Kosten des Umzugs in die Kirchenstraße auf sich nahm. Dass dieser Bereich Amstettens keine Ruheoase ist, erkannte er erst, als er schon eingezogen war. „Meine Frau hat mich erst gestern gefragt, warum wir uns an unserem Lebensabend mehr ärgern müssen als davor“, erklärt er die Situation und stellt fest: „Wenn das so weitergeht, können wir nicht hier bleiben.“

Peter Bösendorfer, der Pfarrer von St. Stephan, kennt die Problematik seit Jahren. „Seit im Jahr 2014 die Schule abgesiedelt ist, wurde es im Park lauter“, sagt Bösendorfer. „Aber nicht nur im Park, auch auf dem Sportplatz der Pfarre wurde der Ton rauer, weshalb ich sogar temporäre Platzverbote aussprechen musste“.

Vor etwa sechs Jahren entdeckten die Jugendlichen die Amstettner Parks für sich. Zuerst war der Edlapark der Treffpunkt. Nach Beschwerden von Anrainern und Eltern, deren Kinder dort am Spielplatz waren, mussten sie ausweichen. Mit dem Schulpark fanden die Jugendlichen einen neuen Ort, um zusammenzukommen. „Wir wollen uns hier treffen und gemeinsam Spaß haben. Wir kommen von ganz Amstetten hierher und es sind fast immer die gleichen Personen vor Ort“, erklärt ein Jugendlicher, warum er in den Park kommt.

„Es ist genug Platz für uns alle“

„Der Park heißt Schulpark. Wie der Name schon verrät, ist er auch ein Platz für Schüler und Jugendliche. Die sind aber nicht immer leise.“ Die Jugendlichen meinen, dass man das Senioren-Wohnhaus an einem anderen Platz hätte bauen sollen. Dennoch haben sie Verständnis für ihre älteren Nachbarn. „Die Welt ist groß! Da ist für uns alle Platz“, sind sie überzeugt.

Dass sie trinken, rauchen und beim Müll etwas nachlässig sind, bestreiten die Jugendlichen nicht. Sie seien jedoch alt genug, um das zu dürfen und Drogen würden sie nicht konsumieren. Die Jugendlichen stört, dass die Anrainer nicht mit ihnen reden würden. „Wir werden häufig beschimpft und angeschrien. Darauf reagieren dann auch wir ungehalten“, sagt ein Bursche, der sich auch darüber ärgert, dass die Anrainer „immer sofort die Polizei rufen“ würden. Häufig ist den Jugendlichen nicht bewusst, wie laut sie sind, und dass sie die Nachbarn dadurch stören.

Pfarrer Bösendorfer wurde einmal mitten in der Nacht von dem Lärm geweckt. „Ich ging in den Park und sah einige Jugendliche, die dort tranken. Ich habe vorgeschlagen, dass wir ein gemeinsames Bier trinken und dann heimgehen. Das hat funktioniert“, erklärt er, wie er damals die Situation löste. Da man aber natürlich nicht jeden Konflikt mit einem gemeinsamen Bier lösen kann, pocht Bösendorfer auf eine Parkordnung, denn „klare Regeln brauchen Tafeln!“ Für die Benützung der Amstettner Parks gibt es bereits eine Verordnung. Diese kennen die Jugendlichen jedoch nicht und sie ist für sie auch kein Instrument, um einen Konflikt zu lösen.

Mediation könnte vielleicht helfen

Die Positionen der Beteiligten sind gegensätzlich und der Konflikt scheint mehr als ein „normaler Generationenkonflikt“ zu sein. Unlösbar ist er aber nicht. Die Senioren wollen in Ruhe leben, die größten Lärmverursacher (Mopeds) verbannen und eine Nachtruhe ab 22 Uhr. Die Jugendlichen wollen sich im Park treffen, verstehen aber auch die Anliegen ihrer Nachbarn. „Wir sind bereit uns zusammenzusetzen und gemeinsam eine Lösung zu finden“, sagt ein Jugendlicher.
Und auch die Senioren haben diese Möglichkeit bereits ins Auge gefasst. Was noch fehlt, ist ein Mediator. Dieser könnte diesen Prozess begleiten und den Beteiligten helfen, um sich eine gemeinsame Parkordnung zu erarbeiten. Der Inhalt dieses „Vertrages“ könnte dann die Grundlage für eine angepasste Verordnung zur Benutzung des Parks sein, deren Verstöße in letzter Instanz auch bestraft werden könnten.