Mehr Anfragen bei Frauenhaus. Corona hat das Frauenhaus Amstetten sehr gefordert. Der Betrieb konnte allerdings aufrechterhalten werden.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 19. Mai 2020 (15:13)
Eveline Atschreiter, Maria Reichartzeder und Ursula Kromoser-Schramml haben in den ersten Wochen von Corona überdurchschnittlich viele Anfragen von Frauen betreffend Gewalt erhalten.
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„Es war wirklich heftig“, berichten Maria Reichartzeder und Eveline Atschreiter vom Frauenhaus. „In den ersten Wochen der Corona-Zeit hatten wir besonders viele Anfragen, aber es ging nicht immer ausschließlich um Gewalt, sondern auch um Fragen, was Frau in dieser schwierigen Situation tun kann und woher sie Hilfe bekommt. Einige Anfragen gingen um problematische Familiensituationen, aber auch da konnten wir zum Teil vorübergehende Lösungen finden.“

Zudem gab es im Frauenhaus einige Aufnahmen von Frauen und Kindern, die nach telefonischer Abklärung erheblich gefährdet waren. Zugegeben, für das Frauenhaus-Team eine Herausforderung, weil zusätzliche Entscheidungen getroffen werden mussten. „Wie schützen wir die Bewohnerinnen und Kinder? Wie können wir das Infektionsrisiko minimieren? Wen müssen wir besonders schützen? Welche Regeln stellen wir hausintern auf und wie werden sie angenommen? Das war anfangs echt heftig“, gesteht Maria Reichartzeder. Auch die Frage des Selbstschutzes stellte sich. „Es wurde und wird versucht, den entsprechenden Abstand zu halten, aber wir haben bis zu elf Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren bei uns wohnen, da ist es kaum möglich, ständig alle Maßnahmen einzuhalten. Zudem hatten so gut wie alle Kinder im Haus zu Beginn der Krise Husten und Fieber. Es war zu spüren ‚die Angst geht um‘.“

Solidarität stärker als Angst vor Erkrankung

Trotz der Herausforderungen sei es schön zu sehen gewesen, dass die Frauenhaus-Bewohnerinnen Frauen und Kinder, die neu dazukamen, gut in die Gemeinschaft aufnahmen. Die Solidarität war stärker als die Angst zu erkranken. Aber es sind trotz Corona auch einige Frauen ausgezogen, erzählen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen. So wurden wieder Plätze frei.“

Besonders erfreulich ist, dass das Frauenhaus auch Unterstützung von außen in dieser schwierigen Zeit erhält. „Da wir auch gewaltbetroffene Frauen, die sich in Quarantäne befinden, aufnehmen wollen, hat die Stadtgemeinde eine nette, kleine Gemeindewohnung kurzfristig und unkompliziert an uns vermietet. Der Verein ‚HELP me‘ hat die Kosten für die Einrichtung mit gebrauchten, aber sehr schönen Möbeln bezahlt. Die Wohnung war innerhalb einer Woche bezugsfertig. Dafür wollen wir ein großes Dankeschön aussprechen!“, unterstreicht Reichartzeder. Darüber hinaus hat der Verein „Amstettner Kinderglück“ für die Kinder des Frauenhauses zwei neue PCs zur Verfügung gestellt, damit sie dem Homeschooling nachgehen können. Es gab auch Lebensmittel-Pakete und Subway-Amstetten hat alle mit Sandwiches erfreut. „Und eine Gemeinderätin hat für eine ehemalige Bewohnerin gespendet, die existenziell von der Krise betroffen war. Auch für alle diese Hilfe sagen wir Danke“, so Reichartzeder. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Anfragen übrigens wieder normalisiert. Derzeit befinden sich neun Frauen und neun Kinder im Haus.