Erstellt am 20. Juli 2015, 08:55

von Hermann Knapp

Missbrauch war nur Facebook-Ente. Posting in dem von sexuellem Übergriff am Krautberg berichtet wurde, wurde 1.400 Mal geteilt. Es ist aber unwahr!

Ein Facebook-Posting sorgte für Aufregung in der Stadt Amstetten. Ein angeblicher Missbrauch eines Mädchens wurde unhinterfragt 1.400 Mal geteilt. Doch die Sache war erfunden.  |  NOEN, Facebook

Am Sonntag der Vorwoche sorgte ein Facebook-Eintrag für Aufregung in Amstetten. Darin wurde behauptet, dass am Krautberg ein elfjähriges Mädchen missbraucht worden sei. Innerhalb von kurzer Zeit wurde das Posting 1.400 Mal geteilt und auch etliche ungustiöse Kommentare dazu wurden online gestellt. Doch: Es ist alles nicht wahr!

„Es war nichts, es hat keinen Missbrauch gegeben“

„Wir sind der Sache natürlich nachgegangen. Zwei Beamte haben vor Ort ermittelt und auch die Verfasserin des Beitrags ausgeforscht. Tatsache ist: Es war nichts, es hat keinen Missbrauch gegeben“, berichtet Polizeikommandant Chefinspektor Oliver Zechmeister.

Ihm gefällt überhaupt nicht, was in letzter Zeit in der Amstettner Facebook-Community so alles verbreitet wird. „Man sollte schon überlegen, was man schreibt und was man behauptet, bevor man es online stellt!“

Sollte es tatsächlich den Verdacht oder Hinweise auf ein Verbrechen geben, dann sei die erste Anlaufstelle noch immer die Exekutive und sicher nicht Facebook. Die Internet-Experten der Amstettner Polizei, die mit der Kriminalität im Netz befasst sind, warnen auch vor den Konsequenzen unreflektierter Postings.

„In Facebook ist nicht automatisch alles erlaubt. Wer jemanden verleumdet, muss mit zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Paragrafen 111 (üble Nachrede) und 115 (Beleidigung) gelten auch im Internet.“

Mitteilungsbedürfnis im Zaum halten

Die Beamten raten grundsätzlich, das eigene Mitteilungsbedürfnis unter Kontrolle zu halten und auch keine zu privaten Dinge zu verkünden. Man wisse nie, wer das lese. Und was einmal im Netz stehe, sei kaum mehr daraus zu entfernen.

Zu mehr Besonnenheit im Umgang mit Facebook ruft auch Vizebürgermeisterin Ulrike Königsberger-Ludwig ihre Mitbürger auf. „Wer einen angeblichen Missbrauch postet, muss sich darüber im Klaren sein, dass dadurch sehr viele Leute verunsichert werden. Der richtige Weg wäre, zuvor die Polizei zu kontaktieren.“

Die Politik habe keine Möglichkeit, Falschmeldungen im Netz zu unterbinden. „Gerade bezüglich Asylwerber werden da zurzeit viele Unwahrheiten verbreitet. Ich appelliere halt immer an die Vernunft der Leute, Dinge nicht unreflektiert zu teilen. Und wo es mir möglich ist, versuche ich in Facebook, auch unrichtige Behauptungen mit Fakten zu widerlegen.“

Viel besser wäre es aber, so Königsberger-Ludwig, wenn die Leute, statt in Facebook über Flüchtlinge zu diskutieren oder zu schimpfen, den Multikulti-Stammtisch besuchen würden. „Dort könnten sie Asylwerber persönlich kennenlernen und erfahren, was für Schicksale diese Menschen haben.